Noch knapp sieben Wochen bleiben bis zur Premiere von „Hamlet – Ein Klassiker steht auf der Probe“. Seit Februar probt das fast 70-köpfige Ensemble – nun geht es in die „heiße Phase“. Die Inszenierung verbindet Shakespeares Tragödie mit einem Blick hinter die Kulissen einer Theaterproduktion. Regisseur Stefan Falk-Jordan aus Karlsruhe setzt auf eine ungewöhnliche Mischung aus klassischem Text und moderner Sprache.
Die Schauspieler treten zunächst in Alltagskleidung auf, diskutieren über Rollen, vergessen Texte oder streiten über Abläufe. Die Probe gerät immer wieder aus dem Ruder, auch weil die Hamlet-Bühnencrew mit Vermessungen, Schmink-Bestellungen und Pyroeffekten beschäftigt ist. Kostüme fehlen noch, die Souffleuse kämpft selbst mit ihrem Text und die begrenzten Mittel einer Low-Budget-Produktion machen sich bemerkbar. Zusätzliche Unruhe bringt die Ortsvorsteherin mit ihrer Assistentin auf die Bühne. Immer wieder unterbrechen die beiden die Proben, werben für die nächste Wahl und hoffen, dass die Aufführung dem Ort neuen Glanz verleiht.
Simon Emmerich spielt Hamlet. Ada Brizzi übernimmt die Rolle der Regisseurin innerhalb des Stücks, die versucht, das Chaos der Probe zu bändigen. Gerade diese Mischung aus Theaterkomödie und Shakespeare-Klassiker macht die Inszenierung reizvoll. Trotz aller komischen und modernen Elemente bleiben die wesentlichen Szenen und Texte aus Shakespeares „Hamlet“ jedoch erhalten. Zwischen Ehrgeiz, Chaos und Improvisation setzt sich das Stück langsam wie ein Puzzle zusammen.
Falk-Jordan nutzt für sein Burgbühnen-Debüt die bekannte Übersetzung von August Wilhelm von Schlegel, er ergänzt sie durch moderne Szenen und Situationskomik. Für den Regisseur ist es die erste Inszenierung auf der Dilsberger Burgbühne – und eines seiner bislang größten Projekte. Als er die Bühne zum ersten Mal sah, war für ihn klar: „Hier möchte ich was machen.“ Ein Schwerpunkt der aktuellen Proben liegt auf den Kampf- und Fechtszenen. Dafür reiste erneut der erfahrene Kampfchoreograf Thomas Ziesch aus Bremen an.
Der Schauspieler und Bühnenkampf-Choreograf arbeitet seit 2016 mit der Burgbühne zusammen und entwickelt Kampfszenen für Theater und Opernhäuser in ganz Deutschland, darunter auch für die Heidelberger Schlossfestspiele. Gemeinsam mit den Schauspielern feilt er an präzisen Bewegungsabläufen, die eindrucksvoll wirken und zugleich sicher bleiben. Geprobt wird Schritt für Schritt. Ziesch entwickelt die Szenen direkt mit den Darstellern auf der Bühne. Neben den Hamlet-Darstellern greift im Stück auch die Hamlet-Bühnencrew zu Degen und Stöcken. Bewegungen werden ausprobiert, angepasst und so lange wiederholt, bis jede Aktion sitzt.
Während auf der Bühne gefochten, diskutiert und improvisiert wird, laufen hinter den Kulissen die „echten“ Vorbereitungen für die Premiere. Technik, Musik, Requisiten und Kostüme entstehen parallel zu den Proben. In der Technik packen auch Markus Winter, der Vorsitzende der Burgbühne, sowie viele Helfer und Mitglieder mit an. Das Bewirtungsteam plant die Hüttenbesetzungen und die Einkäufe. Die einzelnen Zahnräder greifen nach und nach ineinander. Schnell wird klar: Nicht nur die Darsteller arbeiten auf die Aufführungen im Sommer hin, sondern der gesamte Verein.
Karten für die Freitagsvorstellungen gibt es noch, die Samstage sind bereits ausverkauft. Die Premiere ist am Freitag, 26. Juni. Weitere Aufführungen:
Einlass ist um 18 Uhr, Beginn jeweils um 19.30 Uhr auf der Burgbühne Dilsberg. Karten und weitere Informationen über die www.Burgbuehne-Dilsberg.de.



