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30-jähriger Geburtstag

Café Central in Weinheim: Die Geschichte eines Kultclubs

Das Café Central feiert 30 Jahre bewegende Musikgeschichte in Weinheim – von legendären Konzerten bis zu aktuellen Herausforderungen.
Das Café Central in Weinheim feiert in diesem Jahr runden Geburtstag.Foto: km

Wenn Wände sprechen könnten, hätte das Café Central in Weinheim viel zu erzählen. Drei Jahrzehnte Clubgeschichte kleben hier in Form von Konzertplakaten an den Wänden. Deichkind, Kraftklub, The Hives, Absolute Beginner, Wir sind Helden – große Namen für einen Liveclub, in dem es schon bei 200 Gästen gemütlich wird.

Untergebracht ist das Café Central in einem ehemaligen Schulgebäude. Schon beim Betreten des Treppenhauses spürt man den Charme vergangener Jahrzehnte. Der Club selbst misst kaum mehr als zwei Klassenzimmer. Hier, wo Musiker und Publikum dicht beieinanderstehen, entstehen jene magischen Momente, die große Arenen nie bieten können.

Die Anfänge: Vom Odenwald nach Weinheim

Michael Wiegand, der das Café Central betreibt, begann seine Veranstalterkarriere als Musiker im Odenwald. „Wir haben ja selber Musik gemacht und auf irgendwelchen Grillhütten gespielt im Odenwald. Da musst du halt was machen, sonst passiert nix", erinnert er sich. 1995 kam der Wendepunkt, als das selbstverwaltete Café Juland wiederbelebt werden sollte. Wiegand übernahm das Jugendzentrum, damals noch im Dreierteam. „Dann haben wir da angefangen, Konzerte zu machen, und dann ist es irgendwie eskaliert", beschreibt er den Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Die erste Anlage war geliehen – von einem Bekannten aus der Soundfabrik – und steht bis heute im Club. In den nächsten Jahren stiegen Wiegands Geschäftspartner aus. Seitdem führt Wiegand das Café Central allein. „Es gab dann auch mal eine Zeit, da stand auf der Kippe, ob wir weitermachen. Zum Beispiel das Konzert mit den Goldenen Zitronen: Wenn das auch noch schiefgegangen wäre, hätte ich aufgehört. Das war, glaube ich, 1997. Und dann war das voll. Und dann ging's halt mal erst mal weiter."

Die ersten Jahre waren zäh. Wenn Wiegand bei Agenturen anrief, fiel die Reaktion oft skeptisch aus. Viele Booker kannten die Location nicht, man musste ihnen erst mal erklären, wo Weinheim liegt. Das änderte sich mit dem Aufkommen des Deutschraps Ende der 90er-Jahre.

„1998, da hat es angefangen, dass Rap groß wurde und wir die Konzerte haltgemacht haben", erinnert sich Wiegand. Beispielsweise Absolute Beginner oder 5 Sterne Deluxe. Ironischerweise kommt Wiegand selbst „eher von der Gitarrenmusik". Doch im Club lernte er schnell: „Es gibt eigentlich nur gute und schlechte Musik. Jemand kann guten Hip-Hop machen und auch schlechte Krachmusik."

Für größere Konzerte gründete Wiegand das Label „TocopillA Events", da der Name Café Central für größere Venues nicht passte. „Da hat sich das alles so ein bisschen hochgeschaukelt", beschreibt er die Zeit zwischen 1998 und 2000, als Deutschrap seinen ersten großen Boom erlebte.

Vom Geheimtipp zur Institution

Heute ist das Café Central weit über die Grenzen Weinheims bekannt. Viele kennen Weinheim, weil sie Weinheim in den Tourdaten ihrer Lieblingsbands entdecken. Der Club gilt als Sprungbrett für Künstler kurz vor dem Durchbruch – Cro etwa spielte hier, etwa zu der Zeit, als er bundesweit bekannt wurde. Den habe Wiegand eigentlich für ein Konzert in einer größeren Location gebucht, erzählt der Clubbetreiber. Doch der Rapper wollte nach kurzem Hin und Her mit dem Management schließlich doch auch im Central auftreten. Kurz vorher wurde er dann sehr schnell sehr berühmt, dadurch hatte das Central plötzlich einen unerwartet bekannten Namen im Programm.

Musikalische Höhepunkte

Zu Wiegands persönlichen Highlights zählt ein Auftritt des brasilianischen Jazz-Genies Hermeto Pascoal, der mit 86 Jahren im Central spielte. „Da ist Genie und da ist Musik in so einer Perfektion zusammengekommen. Also das, so was hab ich noch nie gesehen", schwärmt Wiegand. „Die Musiker alle, höchste Liga Jazz. Und hier waren halt 80 Leute." Während seines Aufenthalts schrieb Pascoal sogar eine Partitur, die heute im Club hängt.

Unvergessen sind auch Konzerte von Turbonegro, den Beginnern oder Mundstuhl, „in dem kleinen Ding, wo die dann noch so ein bisschen derber waren". Solche Abende verkörpern für Wiegand die Faszination des Clubs – die unmittelbare Nähe zwischen Künstler und Publikum. Trotzdem tut sich Wiegand mit dem Begriff „Kult" schwer. „Das ist so ein blödes Wort, obwohl ich's auch oft verwende", sagt er.

Aktuelle Herausforderungen

Wie bei vielen anderen Clubs, sind auch im Café Central gestiegene Kosten ein Thema. Inflation, höhere Spritpreise, teure Nightliner, höhere Gagen. Das abzudecken ginge nur über die Eintrittsgelder, erzählt Wiegand. Trotzdem bleibt das Publikum treu, und auch viele Bands kehren immer wieder gern zurück. „Wir haben auch so einen festen Stamm von Bands, die jedes Jahr oder alle eineinhalb Jahre spielen, wo man weiß, ah, da kommen 100, 150 Zuschauer."

Dass der Club für Weinheim mehr ist als nur ein Veranstaltungsort, steht außer Frage. Besonders zur Weihnachtszeit wird das Café Central für viele zum Treffpunkt in Weinheim. Die Konzerte von Dr. Woggle and the Radio oder Mambo Kurt gehören für so manchen Central-Fan ebenso zum Feiertagsprogramm wie das Festessen mit der Familie. Daran merkt man, was der Club für so manchen Besucher ist: ein kleines Stückchen Heimat.

Rückblick auf das Geburtstags-Festival

Anlässlich des 30. Geburtstags hat das Café Central diesen Sommer ein zweitägiges Musikfestival im Weinheimer Schlosspark veranstaltet. Mit dabei auch Musiker aus Hemsbach. Alle Eindrücke gibt es auf hier.

Erscheinung
exklusiv online
von Redaktion NUSSBAUMKevin Moschner
28.11.2025
Orte
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Kategorien
Kultur
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Rock & Pop