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Social-Media-Fotoaktion

"Cancer Fight Club": Malscher Fotograf im Kampf gegen Krebs

Eine Krebsdiagnose ist ein schwerer Einschnitt in das Leben der Betroffenen. Marco Durin Duchac verarbeitet seine Erkrankung in einem Fotoprojekt.
Mann mit Dreadlocks auf Balkon vor Feld.
Bei einer Krebsdiagnose bricht für viele eine Welt zusammen. Fotograf Marco Durin Duchac aus Malsch nimmt seine Erkrankung mit Humor.Foto: Patrick Schunk

„Nicht ganz gewöhnlich, nicht ganz normal, nicht ganz die übliche Norm“ - so beschreibt sich Marco Durin Duchac auf der Website seines Fotostudios. Und tatsächlich ist der 49-Jährige auf den ersten Blick nicht unbedingt jemand, den man sich dabei vorstellen würde, etwa eine Hochzeit abzulichten: Mit seinen langen Dreadlocks, Kilts im Sommer und handgeschneiderten Oberteilen fällt er auf. Aber genau das macht ihn aus: „Ich bin mittlerweile an dem Punkt, wo ich denke: Die Leute gucken sowieso. Und das bleibt hängen.“

Hängengeblieben ist auch der nordisch anmutende Name Durin, den manche vielleicht aus dem „Herr der Ringe“-Universum kennen. Der Zwergenkönig unter dem Berg wurde zum Namensgeber des Fotografen, als er in seiner Zivildienstzeit im Jugendhaus auf Kinder aufgepasst hat. „Da war ich der König der Zwerge“, erklärt Durin, der sich in der Regel auch unter diesem Namen vorstellt. „Viele wissen gar nicht, dass ich Marco heiße“, lacht er. Doch sein Humor kann auch mindestens so düster sein wie sein Hemd. Die Aufschrift? „Bitte nicht schubsen – ich habe ein Darmkarzinom.“

Diagnose und Umgang

Die Schocknachricht kam im Oktober 2025. An einem Freitagabend, nach einer Woche im Krankenhaus, wurde ihm die Darmkrebsdiagnose verkündet: Enddarmkarzinom, nicht behandelbar, palliativ.

Dass es sich um keine gute Nachricht handeln würde, hatten Durin und seine Familie im Gefühl: „Aber das war schon eine Hausnummer“, sagt er, als er sich erinnert, wie für seine Frau, seine zwei Kinder und ihn kurz alles zusammenbrach und die Zeit gefühlt stillstand.

Bei einem weiteren Arztbesuch wurde die Prognose gedämpft: Behandlungsmöglichkeiten stehen doch im Raum. Wegzaubern könne man die Diagnose allerdings nicht.

Er ist in Chemotherapie und bekommt alle zwei Wochen eine Einheit. Wie geht Durin damit um?

Sarkasmus-Level auf 200

„Eine positive Einstellung ist bei mir ganz oben, Sarkasmus auch“, erläutert er. „Nur, dass das Sarkasmus-Level jetzt auf 200 hochgegangen ist.“

Seine Frau unterstützt ihn, auch die Kinder wissen über alles Bescheid. Nach den Chemos ist er erschöpft und sehr kälteempfindlich geworden, was Außenfotografien um den Jahreswechsel schwer macht. Aber auch hier zeigt sich seine Neugierde und Kämpfernatur vor der Behandlung: „So komisch es klingt: Ich habe mich auf die Chemo gefreut. Ich dachte, ich lasse mir jetzt diese Flüssigbrandrodung einlaufen und schaue, was passiert.“ Das Empfinden danach beschreibt er ähnlich wie den „Kater nach einer starken Sauftour, nur ohne Alkohol."

Die Krebsdiagnose zu verstecken, liegt nicht in seiner Natur, weswegen er sie auch auf Social Media öffentlich machte. Es ging ihm weniger um Aufmerksamkeit als darum, ein Bewusstsein zu schaffen. Hier kommt der „Cancer Fight Club“ (CFC) ins Spiel.

In Porträts gegen den Krebs

Um dieses Bewusstsein zu schaffen, startete Durin einen Social-Media-Aufruf, damit Menschen dem CFC beitreten. Konkret bedeutet das, Teil seiner Fotoserie zu werden, wo er drei Aufnahmen seiner Besucher macht: Ein Face-to-Face-Porträt, eine Aufnahme in Kampfpose und ein Selfie mit ihm gemeinsam. So sammelt er auf der dafür kreierten Instagram-Seite Bilder seiner „Fighter“ – und die Zahl wächst stetig.

Es hätten sich sogar alte Kontakte wieder gemeldet: „Auf einmal habe ich wieder von alten Musikkollegen und Freunden von vor 25 Jahren gehört, die sich nach mir erkundigt haben und dabei sein wollten.“ Ein bestimmtes Lieblingsporträt hat er bisher nicht, da er sich über alle Teilnehmenden freut.

Neue Situation, alte Ansicht

Sein Blick auf die Fotografie hat sich laut Durin nicht stark verändert. „Ich mache es immer noch gerne und mit Leidenschaft“, meint er, auch wenn die Bedingungen nun erschwert seien.

Er bezeichnet sich als eine Person, die noch nie sehr in der Vergangenheit oder in der Zukunft gelebt hat. Ein Lebensmotto seiner Frau und ihm ist an ein Zitat von Dieter Lange angelehnt: „Du kannst das Spiel des Lebens nicht gewinnen, du kannst es nur spielen.“

Durins Auslegung mag für manche düster klingen, für ihn selbst und viele seiner Fighter ist sie tröstlich. „Wir werden alle irgendwann verlieren. Sei es durch Krebs, sei es durch einen Unfall oder sonst etwas“, erklärt er. „Mir ist klar: Das Leben ist endlich. So eine Diagnose verdeutlicht das, aber das heißt trotzdem nicht, dass ich morgen den Löffel abgebe.“

Für ihn ist es ein Anliegen, Dinge nicht aufzuschieben und den Moment zu leben. Seine Message: Wer Fotos von Angehörigen braucht, macht sie lieber jetzt. Aus welchem Grund auch immer könnte jedes Selfie das letzte sein – ob einen nun eine schlimme Diagnose, der Blitz oder sonst etwas trifft.

Wie geht es weiter?

Sechs Einheiten sollen es insgesamt in Durins Chemotherapie sein. Danach folgen bildgebende Verfahren, eine Auswertung der Wirksamkeit und wie es weitergehen wird.

Ob es auf eine Operation hinauslaufen wird, eine weitere Chemotherapie oder Bestrahlung ist noch offen. „Dort wird der nächste Weg geebnet und bis zu dem Punkt leben wir jetzt erstmal. Denn wenn man schon irgendwann verlieren muss,“ ist Durin überzeugt, „macht man das Beste draus.“

Info

Der „Cancer Fight Club“ auf Instagram.

Die Homepage von Durins Fotostudio.

Erscheinung
MAZ – Das Wochenmagazin für Malsch, Sulzbach, Völkersbach und Waldprechtsweier
Ausgabe 04/2026
von Redaktion NUSSBAUMJustin Schick/Patrick Schunk
19.01.2026
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