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Das DP-Camp 71 in Aldingen

1946/47 gab es ein großes Lager für Displaced Persons (DPs) auf Aldinger Gemarkung. Es war regelmäßig mit 950 polnischen DPs belegt. Insgesamt...
Camp 71 als Lager für NS-Funktionäre 1946Foto: HStA Stgt, J 171 Camp 71, in: U. Müller: Internierungslager, LGBl. 1991, S.179

1946/47 gab es ein großes Lager für Displaced Persons (DPs) auf Aldinger Gemarkung. Es war regelmäßig mit 950 polnischen DPs belegt. Insgesamt war das Camp mit der Nummer 71 für 3094 ehemalige polnische Zwangsarbeiter der NS-Zeit kurzzeitige Durchgangsstation. Betreut wurde es von einem Team der „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“ (UNRRA), das der amerikanischen Militärkommandantur in Ludwigsburg unterstellt war. Die Amerikaner hatten in den leerstehenden Ludwigsburger Kasernen bis Mitte 1945 15.000 DPs untergebracht, um sie schrittweise in ihre Herkunftsländer zu „repatriieren“. Zunächst ließen die fehlenden Transportmöglichkeiten die Rückführung nicht zu. Dann wurde die kommunistische Machtübernahme in Polen immer deutlicher und ein beträchtlicher Teil der ursprünglich 1,6 Mio. polnischer Zwangsarbeiter weigerte sich zurückzukehren. Die Versorgung der polnischen DPs erwies sich als schwierige Aufgabe. Klagen über die hohe Kriminalität aus diesen Lagern waren Legion. Die Amerikaner entschlossen sich, insbesondere polnische DPs in eingezäunte Lager umzuquartieren, in denen früher Kriegsgefangene oder NS-Inhaftierte untergebracht waren. So war es auch in Aldingen: Seit 1830 war der „Große Exerzierplatz“ für den Ludwigsburger Militärstandort auf Aldinger Gemarkung entwickelt worden. 1935 war innerhalb dieses Platzes im heutigen Grünbühl das Barackenlager „Alter See“ errichtet worden, das seit 1940 mit französischen Kriegsgefangenen belegt war. Ab Mai 1945 benutzten die Amerikaner das umzäunte Lager aus der NS-Zeit zunächst als Internierungslager für ehemalige NS-Funktionäre, bevor im April 1946 die polnischen DPs einzogen.
Für die in Deutschland verbliebenen polnischen DPs wurde 1950 das staatliche Wohnheim „Aldingen-Neuheim“ gebaut. Mit je einem weiteren Wohnheim auf Kornwestheimer und Ludwigsburger Gemarkung wurde 1956 daraus durch Markungsabtretung der Ludwigsburger Stadtteil Grünbühl gebildet. 1954 entstand Pattonville als Wohnsiedlung für US-Armeeangehörige auf dem östlichen Gebiet des Großen Exerzierplatzes.

Im Arolsen Archives finden sich Belegungslisten des DP-Camp 71: Aus ihnen wird deutlich, dass das Camp zu gleichen Teilen mit Männern und Frauen belegt war. Zahlreiche Veränderungsmeldungen zeigen, dass polnische DPs gezielt aus anderen Lagern nach Aldingen verlegt wurden (vor allem aus Schwäbisch Hall, Ulm und Waiblingen) oder dass polnische Ukrainer in eigene ukrainische DP-Camps verlegt wurden. Die erste Repatriierungsliste vom August 1946 nennt 44 rückreisewillige Bewohner. Die Zahlen blieben auch in den Folgemonaten niedrig: 68 (Nov 1946), 57 (Dez 1946), 8 (Jan 1947), 40 (Feb 47). Einen einmaligen Höchststand gab es im Oktober 1946 mit 342. Am 29.05.1947 wurden die verbliebenen 621 Personen in die Luitpold-Kaserne nach Ludwigsburg verlegt und das Camp 71 aufgelöst.

Kai Buschmann
Beth Shalom – Haus des Friedens. Verein für Erinnerungs- und Friedensarbeit in Remseck e.V., www.bethshalom-remseck.de, info@bethshalom-remseck.de

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Remseck Woche – Amtsblatt der Stadt Remseck am Neckar
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Ausgabe 22/2026
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