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Das Lob der Vereine und der Spießigkeit 2

… tagsüber gefüllt werden muss. Ohne Vereine, ohne Hobby herrscht eine gesellschaftliche Orientierungslosigkeit, es brechen kollektive Normen weg oder...

… tagsüber gefüllt werden muss. Ohne Vereine, ohne Hobby herrscht eine gesellschaftliche Orientierungslosigkeit, es brechen kollektive Normen weg oder können erst gar nicht entstehen. Das Fehlen einer individuellen „Hobby-Kultur“ kann nicht durch Surfen in den „Social Media“ kompensiert werden, wo jeder nur um sich kreist und sich die Aufmerksamkeitsspanne konstant durch die Flut der Beiträge auf Teile von Minuten reduziert. Auch Netflix-Serien gucken kann uns dieses gesellschaftliche Rüstzeug nicht geben.

In der bürgerlichen Welt vieler westlicher Staaten ist das Hobby zudem weit mehr als reines Füllen der strukturlosen Zeit. Vereine sind eine gewachsene Form der westlich-zivilisatorischen Selbst-Regierung. Nicht alles kommt vom Staat, Bürgerinnen und Bürger zeigen in hohem Maße Eigeninitiative. Wer sich zudem einer Sache widmet – seinem Verein oder seinem Hobby– unterwirft sich und gestaltet freiwillig Regeln und Zielen, z.B. auch die einer immer wiederkehrenden demokratischen Wahl oder Abwahl durch eine Mehrheit. Und gleicht durch seine Position möglicherweise auch etwas anderes aus. Der Pförtner, der 20, 30, 40 Jahre Vorsitzender eines Vereins ist, gilt in der Wirtschaft nicht viel, kann aber in seiner Gemeinde einiges öffentliches Ansehen erringen. Eine Führungskraft, die durch Eingliederung Gemeinschaft lernt und nicht immer an der Spitze stehen zu müssen. Menschen erhalten somit Rang, Würde und Namen, Belobigung und Anerkennung, Spaß und neue Rollen und Perspektiven, kurz und gut, einen erweiterten Platz im Leben, ja sogar einen weiteren Sinn des Lebens. Ohne Lebens-Sinn herrscht hingegen Leere. Die Leere wird in unserer modernen Welt, in der Ablehnung der Vereine und des „Spießbürgertums“ durch „passive Vergemeinschaftung“ ersetzt. Ohne Hobby und Verein wird in Internetforen oder in Bars und Cafés nicht über das „Wie“ einer Vereinsentwicklung debattiert, sondern über das „Wir gegen die Anderen“ oder nur um nichtige Aufmerksamkeit gebuhlt. Wenn auch das nicht hilft, bleibt immer noch die Flucht ins Einkaufszentrum. Shoppen wird dann hier als Ersatzhandlung betrieben. Eine Art Zeitvernichtung, weil man mit der eigenen Individualität und der Stille einer produktiven Beschäftigung nichts anzufangen weiß.

Das Fest der Eitelkeiten, das möglicherweise viele ins Fitnessstudio treibt, läuft Gefahr oberflächlich zu bleiben. Die Oberflächlichkeit entspringt oftmals der Notwendigkeit der medialen Selbstdarstellung auf Insta, Whatsapp und TikTok, nicht der inneren Freude an der Disziplin und den Siegen und Niederlagen eines Hobbymannschaftssports. Eine wachsende kulturelle Abneigung gegen… Teil 3 folgt Ingo Kuntermann

Erscheinung
exklusiv online
von Söhne Schriesheims
08.05.2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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