
Immer, wenn ein Vogel ein zweites Mal zum „Vogel des Jahres“ gekürt wird, bedeutet das für seinen Bestand nichts Gutes. Bereits 1991 wurde mit seiner Wahl auf den Rückgang des aus der Gruppe der Glattfußhühner stammenden Rebhuhns hingewiesen. Leider hat sich die Abnahme seither eher beschleunigt.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Rebhuhn als Kulturfolger noch so häufig, dass es als „Arme-Leute-Essen“ galt und trotz der Bejagung in der kleinstrukturierten Landschaft, ohne Intensivbewirtschaftung und zunehmendem Einsatz von Insektiziden, sein Auskommen fand. Die veränderte Bewirtschaftungsform unserer Felder mit einhergehendem Lebensraumverlust, Nahrungsmangel sowie einer Großzahl von Fressfeinden (Fuchs, Marder, Greifvögel und Hunden) setzen dem Vogel seit den 80er Jahren sehr zu.
Dabei ist das Rebhuhn, trotz seines perfekten Tarnkleids, ein durchaus markanter Vogel. Im Gesicht orangerot, am Rücken graubraun gefleckt, an den Flanken gelblich gestrichelt und rotbraun gebändert, folgt unterhalb der graumelierten Brust ein dunkelbrauner, hufeisenförmiger Fleck.
Bei einer vermeintlichen Gefahr versucht es zuerst wegzurennen, um dann mit schnellen, schwirrenden Flügelschlägen aufzufliegen und sich in sicherer Entfernung mit nach unten gebogenen Flügeln gleitend wieder niederzulassen.
Gebrütet wird in einer gut versteckten Nestmulde am Boden. Bis zu 15 Eier kann das Gelege, aus dem nach 24 Tagen Brutzeit die Jungen anfangs Juni entschlüpfen, umfassen. Sie begeben sich sofort unter Führung beider Eltern auf Futtersuche. Der Henne obliegt es, den Küken die besten Futterquellen (Ameisen, Raupen, Blattläuse und sonstige Insekten) zu erschließen. Der Hahn bewacht derweil seine Familie und warnt bei Gefahr. Bis die Jungen nach ca. 2 Wochen fliegen können, sind sie durch Fressfeinde besonders gefährdet, und der anfangs stattliche Familienverband ist bis zum Winter oft arg dezimiert. Der Nahrungsmangel in einer ausgeräumten Agrarlandschaft, in der es kaum noch ausreichend Kerbtiere für die Jungen gibt, kommt verschärfend hinzu. Harte Winter sind für die Rebhühner zudem oft eine schwere Zeit, besonders wenn eine Eisdecke oder festgefrorener Schnee ihnen das Freischarren der kärglichen Nahrung unmöglich machen.
Derzeit wird mit großem Aufwand versucht, das Rebhuhn auf eigens angelegten Brachflächen zu vermehren. Im Neckartal zwischen Rottenburg und Tübingen konnte ein 2015 erloschener Bestand mühsam wieder auf 18 Reviere aufgepäppelt werden. Ebenso wurde das Ammertal zwischen Tübingen und Pfäffingen wieder besiedelt.
Ohne diese intensiven Maßnahmen zur Lebensraumerhaltung hat das Rebhuhn in der aktuellen Agrarlandschaft keine dauerhafte Überlebenschance und so ist es auch auf der Nehrener Gemarkung seit vielen Jahren leider nicht mehr vertreten.
Werner Dürr