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Kurpfalz-Brauch seit über 400 Jahren

Das war der Neckargemünder Sommertagszug: Weniger Teilnehmer

„Lätare“, der Freudensonntag, wurde in diesem Jahr am 15. März gefeiert; genauso wie die Verabschiedung des Winters in Neckargemünd.
Ein Sommertagszug zieht durch eine kleine Straße, vorne die Feuerwehrjugend mit einem Schild.
Der Sommertagszug 2026 in Neckargemünd zog auch an der Elsenz entlang.Foto: Kirsten Seubert

Mit diesem Sonntag ist die Mitte der Fastenzeit überschritten. Passend dazu zog der Sommertagszug mit Beteiligung von fünf Kinderbetreuungseinrichtungen durch Neckargemünd.

Fast 100 Kinder weniger dabei

266 Kinder waren von den Kindergärten letztes Jahr angemeldet, in diesem Jahr 170. Mit den Familienmitgliedern kam dennoch ein ansehnlicher Zug zusammen. „Das Interesse schwindet nicht“, sagt Meike Tormählen, Zuständige der Stadt für Veranstaltungen, Städtepartnerschaften und Stadtmarketing, die zusammen mit Petra Kohl den Zug organisiert hatte. Parallel fand auch der Sommertagszug in Mückenloch statt.

Gemeinschaftsprojekt

Die Stadträte Brigitte Oppelt, Norbert Sy, Ulrike Haaf, Marco La Licata und Felix Konrad verteilten auf dem Festplatz unter der Friedensbrücke rund 250 Sommertagsbrezeln an die Kinder. Das Gebäck ging quasi weg wie warme Semmeln, nicht alle wurden auf die Stecken gespießt, einige wurden auch direkt verzehrt. Der Zug wurde anschließend vom Musikverein Trachtenkapelle Dilsberg begleitet. Die Feuerwehrjugend trug wieder das Mottoschild „Heit iwers Johr, do simmer widder do“. Ebenso wurde der Winter- und der Sommerbutzen, geschmückt von den Erich Kästner-Schülern, erbaut von der örtlichen Gärtnerei und vom technischen Dienst der Stadt Neckargemünd, von den Jungs und Mädchen der FFW den Berg hinauf geschoben. Polizei und Feuerwehr sperrten ab und sorgten für sicheres Geleit.

Kindergärten als Herz der Veranstaltung

Stirnbänder mit Symbolen für Sonnenschein und Regenbogen wurden über Mützen getragen, denn es waren mit nur 6 bis 8 Grad ohne Sonnenstrahlen recht frisch. Die bunten Frühlingsblumen im Wagen des Evangelischen Kindergartens, die gelben Gewänder der Kinder und die grünen Zwergenmützen in der Menschenmenge machten trotzdem gute Laune.

Am Umzug war auch der Kindergarten St. Ulrich mit dem Motto: „Die Gartenzwerge begrüßen den Frühling“ dabei. Die „Rappelkisten“-Krippekinder kamen als Wolken und Regenbogen. Die Kita Wiesenbacher Tal, alle eine „Blumenwiese“, bot im Menzerpark auch Getränke und Kuchen an. Der Waldkindergarten „Die Waldzwerge“ wartete mit Dampfnudeln, Zucchini-Muffins und Snack-Becher auf. Der Kindergarten Kleingemünd war ebenfalls in Frühlingsstimmung. Monika Seibert hatte gar die Brezeln für Leonas und Noelia selbstgebacken, nebst ausgepustetem verzierten Ei in der Mitte.

Der Schneemann brennt

Zum gemeinsamen Ausklang strömte der gesamte Sommertagszug in den Menzerpark. Hier blühen schon die Narzissen und der Geruch von Bärlauch hängt in der Luft. Bürgermeister Jan Peter Seidel nutzte die Gelegenheit, bevor der große Schneemann dem Feuer übergeben wurde, für eine kleine Dankesrede an alle Beteiligten. Er freute sich über jeden, der erschienen war, „auch wenn das Wetter mau ist, aber um das zu ändern, sind wir ja heute hierhergekommen“. Sprach's, und gab den Zündfunken, um den letzten eisigen Schnee zu verbannen. In gebührendem Abstand standen die neugierigen Kinder neben ihren Freunden, die Eltern mit den Jüngsten im Kinderwagen oder auf den Schultern. Der Rauch war nicht zu übersehen. Der Pappschneemann, umhüllt von einem Gitter, brannte bis auf sein metallenes Gerippe nieder.

Schon seit mindestens 400 Jahren wird dies in der Kurpfalz so betrieben. Einen Schneemann in Flammen zu setzen, ist ein heidnischer Brauch, der das Ende des Winters und die Hoffnung auf eine gute Ernte symbolisiert.

Erscheinung
Neckarbote
NUSSBAUM+
Ausgabe 12/2026
von Redaktion NUSSBAUMKirsten Seubert
16.03.2026
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