
Der Arbeitskreis „Leerstandsinitiative Neckargemünd“ hat bewusst einen breiten und überparteilichen Charakter, in dem sich Gemeinderatsparteien sowie Kirche und Umweltverbände engagieren. Momentan kümmern sich um das Leerstandsmanagement die Grüne-Stadträtin Alexandra Inama-Knäblein vom BUND, Norbert Sy (Stadtrat CDU), Stefan Geißler von der Grüne-Kreisfraktion Rhein-Neckar, der zweite Bürgermeister-Stellvertreter Steffen Wachert und Tilmann Kramolisch, Geschäftsführer bei natureplus.
Deutschlandweite Erhebungen haben ergeben, dass es in einer Stadt durchschnittlich ca. vier bis fünf Prozent Leerstand gibt. Bislang ist nicht genau bekannt, wie viel Leerstand es wo in Neckargemünd und seinen Ortsteilen Waldhilsbach, Dilsberg und Mückenloch gibt. Der BUND definiert Leerstand als die Summe aller ungenutzten, bzw. unvermieteten Gebäude oder Wohnungen, auch Gewerbeimmobilien.
Die Leerstandsinitiative Neckargemünd ruft zum Sammeln dieses Leerstands auf. Auf einer eigens erstellten Homepage können leerstehende Wohnungen und Gebäude gemeldet und somit dokumentiert werden, um empirische Daten für künftige Entscheidungen über die Entwicklung der Stadt beizusteuern. Ob man an einem Sonntag einen aufmerksamen Spaziergang durch die Dörfer macht oder die älteren Nachbarn nach deren Wissen befragt – jeder Hinweis kann wichtig sein. Auch die Überlegung, ob man selbst nichtgenutzte Etagen im zu groß gewordenen Einfamilienhaus mit wenig Aufwand vermieten könnte. Unter https://leerstand-neckargemuend.de/leerstandserfassung-2/ können Leerstände auf einer Karte auch per Handy markiert und mit einem Kommentar versehen werden.
Es ist ein ambitioniertes Ziel: Bis 2030 soll in Deutschland kein Mensch mehr ohne Wohnung sein. Das hat die Bundesregierung im Nationalen Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit 2024 festgehalten. Die Wohnungsnot in Deutschland soll durch den Ausbau von bezahlbarem Wohnraum, Prävention und soziale Unterstützung überwunden werden. Zentrale Maßnahmen umfassen den Ausbau des sozialen Wohnungsbaus, die Stärkung der Mietpreisbremse und den „Housing First“-Ansatz für obdachlose Menschen.
Ganz nach dem Vorbild in Landau (https://leerstand-landau.de/) sagen auch die Neckargemünder Initiatoren: „Wir glauben, Leerstand nützt niemandem – weder den Immobilienbesitzern, noch der Gesellschaft und am wenigsten denen, die Wohnraum suchen. Wir möchten Leerstand wieder in Nutzung bringen und zeigen durch Öffentlichkeitsarbeit, konkreter Beratung und Umsetzung von neuer Nutzung im Leerstand, dass das geht.“ Keinen schönen Anblick bieten auch leere Geschäftsräume mit heruntergelassenen Rollläden, wie beispielsweise in der Hauptstraße zu sehen.
Ideen gibt es viele; so hat Steffen Wachert schon vor einem dreiviertel Jahr begonnen, einen Antrag zu erarbeiten. Dieser wurde im Gemeinderat mehrheitlich beschlossen und an den Hauptausschuss delegiert. Ein Termin zur weiteren Abstimmung steht aktuell noch aus, da bislang noch kein passender Zeitpunkt gefunden wurde, um die beteiligten Fraktionen zusammenzubringen und die grundsätzliche Ausrichtung – soziale Wohnbaugesellschaft oder kommunale Wohnbaugesellschaft – gemeinsam zu besprechen.
Was bei einer Genossenschaft verbindlich bleiben sollte: die Mitarbeit aller am gesellschaftlichen Leben Beteiligter als unmittelbare Folge sozialen Engagements und die daraus resultierende Toleranz gegenüber allen Gruppen. Gründungen fanden in Großstädten, z.B. „die Ehrenfelder“ in Köln, schon vor dem Ersten Weltkrieg statt – seien in Neckargemünd also längst überfällig. Wachert geht näher auf seine Grundidee ein:
„Es geht um die Gründung einer kommunal unterstützten Wohn- bzw. Sozialgenossenschaft, die als verlässlicher Mittler zwischen Vermietern und Mietern auftritt. Viele Wohnungen stehen aktuell leer, weil Eigentümer Sorge vor Mietausfällen, Konflikten oder organisatorischem Aufwand haben. Genau hier könnte die Genossenschaft ansetzen, indem sie Verantwortung übernimmt, als Ansprechpartner fungiert und so Vertrauen auf beiden Seiten schafft – als gedankliches Vorbild dienen mir hier unter anderem die Außenwohngruppen der SRH, die bei Vermietern gerade deshalb sehr geschätzt waren, weil sich die Organisation zuverlässig um alle Belange gekümmert hat.
Für Vermieter bedeutet das mehr Sicherheit und weniger Aufwand, für Mieter einen einfacheren Zugang zu Wohnraum. Das Leerstandsmanagement könnte dadurch deutlich effektiver werden, ohne dass zunächst große Investitionen oder Neubauten notwendig sind.“