
Der Entringer Sommervogel, was ist wohl damit gemeint? Es handelt sich natürlich um einen Storch, zumal die Entringer ja auch alle „Storchenschendler“ sind. In einem Bericht des „Neckar Bote“ aus Rottenburg vom 20. März 1877 taucht dieser Begriff zum ersten Mal auf. Dort wird über ein Gewitter berichtet, in dem der Blitz in den Turm der Michaelskirche eingeschlagen hat. Doch es gab nur Sachschaden, denn es war sozusagen ein „Kalter Streich“ gewesen. In einem Nebensatz dieses Berichts wird der Begriff „Sommervogel“ aufgeführt. Es heißt dort: „Indeß ist heute der gern gesehene Sommervogel Storch angekommen“.
Man kann sich auch heute vorstellen, wie es damals die Entringer, Alte wie auch Junge, mit freudigem Gesicht zu ihren Sonnenvögeln, den Storchen, auf dem Nest auf der Michaelkirche emporblickten. Nicht ganz verstehen kann man die Privatanzeige im „Neckar Bote“ in Rottenburg vom 8. Juli 1879 mit dem Wortlaut: „Junge Störche kauft und bezahlt gut. Wilhelm Heberle“ Wollte der einen Storchenbraten machen? Über die Ankunft des Storches in Entringen im Jahr 1882 berichtet auch der „Filder Bote“ am 1. März 1882: „Auch hier ist heute der Storch unter großem Jubel der Schuljugend eingetroffen und hat von seinem Neste Besitz ergriffen“.
Der Sommervogel war also ein gern gesehener Gast in Entringen. Allgemein ist bekannt, dass es in Württemberg bis in die 1930er Jahre regelmäßig brütende Störche gab. Die letzte nachgewiesene Brut auf der Michaelskirche in Entringen gab es wohl um das Jahr 1935. Danach blieben die Störche in Entringen, wie auch in weiten Teilen von Württemberg, ohne direkt ersichtlichen Grund aus. Doch Anneliese Schwarz erinnerte sich am 16. März 2026 daran, dass vor ein paar Jahren ein Storch auf das Dach der Michaelskirche zurückgekehrt sei. Dort wurde er von einigen Entringern bewundert, die gerade von einem Ausflug zurückgekehrt waren. Da der Sommervogel kein Nest vorfand, kehrte er später nicht mehr nach Entringen zurück.
Manfred Falkenberg