
Endlich Frühling in der Kurpfalz – überall zeigen sich seine blühenden Vorboten farbenfroh in der ansonsten noch eher tristen Natur. Das zartrosa Blütenmeer der Mandelbäume an der Deutschen Weinstraße und der japanischen Zierkirschen im Schwetzinger Schlossgarten künden ebenso davon wie auch der Schriesheimer Mathaisemarkt und das Mandelblütenfest in Neustadt-Gimmeldingen, die als die ersten Wein- und Frühlingsfeste in der Region an diesem Wochenende bereits in die zweite Runde starten. Auch die ersten Sommertagszüge haben schon stattgefunden – ein typisch kurpfälzischer Brauch, bei dem der Winter endgültig vertrieben und der Frühling willkommen geheißen werden soll. Der klassische Termin der traditionsreichen Züge wie in Heidelberg, Ladenburg, Weinheim oder Speyer ist an Laetare, dem vierten Fastensonntag. Vom bunten Treiben in Heidelberg an diesem Tag berichtete bereits Liselotte von der Pfalz in ihren zahlreichen Briefen.
In Oftersheim ist am Wochenende ebenfalls so einiges los. Neben dem Frühlingsfest auf dem Messplatz findet auch hier der Sommertagszug mit anschließender Verbrennung des missliebig gewordenen Winters statt. Während die Hymne dieses Tages „Schdrieh, Schdrah, Schdroh – da Summerdóg isch do“ noch immer vereinzelt durch die Straßen der Hardtgemeinde schallt, werden die obligatorischen Sommertagsstecken mit Brezel und Ei als Symbol der Fruchtbarkeit allerdings nur noch selten, wenn überhaupt, von der quirligen Kinderschar mitgeführt.
Apropos „Ei“: Seit diesem Wochenende ziert wieder ein „Osterbrunnen“ bis nach den Feiertagen die Oftersheimer Ortsmitte. Verantwortlich dafür zeichnet vor allem der Arbeitskreis „Volkskunde und Brauchtum“ und für Auf- und Abbau der Museumskreis. Bis vor einem guten Jahrzehnt kam die Osterkrone des Heimat- und Kulturkreises auf dem Brunnen im Innenhof des Gemeinschaftshauses Mannheimer Straße 59 zur Aufstellung, danach ist sie auf den Rathausplatz umgezogen, wo ihr eine größere Aufmerksamkeit zuteilwird. Ihr bunter Schmuck bestand früher tatsächlich aus mehreren Hundert ausgeblasenen Eiern, die allerdings immer wieder von irgendwelchen Spitzbuben demoliert wurden. Doch auch die robustere Kunststoff-Variante kann sich durchaus sehen lassen.
Der Vorbereitung auf Ostern kommt besonders in den Kirchengemeinden eine große Bedeutung zu. So werden in den nächsten Tagen in der Pfarrei St. Kilian wieder von vielen fleißigen Händen Palmsträuße gebunden, die an Palmsonntag zum Gedenken an den Einzug Jesu in Jerusalem gesegnet und an die Gottesdienstbesucher ausgegeben werden, die sie zu Hause üblicherweise an einem Kreuz anbringen. Die Sträußchen bestehen in der Regel aus Buchs, Eibe, Rosmarin, Thuja und nicht zuletzt Palmkätzchen, die immergrünen Zweige stehen auch ganz im österlichen Glauben an die Auferstehung für den Sieg des Lebens über den Tod. Gebastelt werden zudem Palmstecken für die Erstkommunionkinder, zum festlichen Einzug in die Kirche an diesem symbolisch aufgeladenen Tag an der Schwelle zur Passion.
Hans-Peter Sturm