
Ein interessantes Kapitel deutscher Automobilgeschichte startete vor 100 Jahren, als der 1890 in Gerlingen geborene Wilhelm Gutbrod die Standard-Fahrzeugfabrik in einer vormaligen Ludwigsburger Kaserne gründete. Zunächst machte er mit von ihm konstruierten Motorrädern Furore. Diese bestachen, wie einige heute noch für den Straßenverkehr zugelassene Exemplare beweisen, durch Solidität und errangen zahlreiche Erfolge bei Rennen und Langstreckenfahrten. Die Bilder, die Fritz Ludmann von wunderschön restaurierten, wie auch im Original leicht angerosteten Standard Motorrädern zeigte, entlockten den Motorradfans im Publikum ein anerkennendes Murmeln.
Gutbrod war ein unermüdlicher Konstrukteur, der schon mit seinem als Diplomarbeit konstruierten bis 130 km schnellen Motorrad, das 1923 bei der Fa. Klotz in Serie ging, sein Talent bewiesen hatte. Ab 1933 produzierte Standard unter dem Markennamen Gutbrod neben erfolgreichen Motorrädern auch drei- und vierrädrige Fahrzeuge als Pkw und Kleinlastwagen. Sein Standard Superior 500 war der erste „echte“ Volkswagen, dessen Design und luftgekühlter Heckmotor vom späteren VW Käfer aufgenommen wurden und der 1933 sogar Adolf Hitler zu einer noch erhaltenen Skizze anregte.
Nach Ende des 2. Weltkrieges baute Gutbrod das Werk in Plochingen wieder auf, starb aber schon im Jahr 1948, worauf seine Söhne Walter und Wolfgang die Firma auf Basis der technischen Vorstellungen des Vaters fortführten. 1952 brachten sie mit dem Gutbrod Superior 700 E eines der weltweit ersten Serienfahrzeuge mit Benzin-Direkteinspritzung auf den Markt. Doch anders als beim von Staat unterstützten Volkswagenwerk, den von ihren amerikanischen Konzernmüttern geförderten Ford und Opel oder Daimler-Benz mit Hauptaktionär Deutsche Bank AG fehlten Gutbrod die Finanzmittel, um eine wirtschaftlich tragfähige Autoproduktion aufzubauen, weshalb diese schon 1953 aufgegeben wurde. Der Schwerpunkt lag dann bei Landmaschinen, insbesondere Motor-Rasenmähern, mit denen die Firma um 1970 weltgrößter Hersteller wurde. Für den Bauernsohn Wilhelm Gutbrod war dieses Segment stets ein Herzensanliegen und er würde sich freuen, dass sein Name weiterhin, wenn auch in einem amerikanischen Konzern, weltweit für Qualität bei Gartenmaschinen steht.
Lebhafter Beifall belohnte Fritz Ludmann im vollbesetzten Bürgertreff für seinen spannenden Vortrag, der uns mit vielen Bildern klassisch schöner und praktischer Fahrzeugentwicklungen das Gerlinger Konstrukteursgenie Wilhelm Gutbrod näherbrachte.
HINWEIS: Am Donnerstag, 23. April 2026 um 19 Uhr Mitgliederversammlung in der Aula der Pestalozzi-Schule. Nach dem offiziellen Teil Vortrag zum Jubiläum 10 Jahre Weltladen.
Jürgen Wöhler


