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Der Lichtkarz – vom alten Brauch zur lebendigen Tradition

Aufzeichnungen über den Lichtkarz in Steinenbronn finden sich in den Protokollen des Kirchenkonvents um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals...
Zwei Hände, die eine Spindel mit Faden in der Hand halten in schwarz weiß gehalten.
Foto: Weinstock

Aufzeichnungen über den Lichtkarz in Steinenbronn finden sich in den Protokollen des Kirchenkonvents um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Damals handelte es sich um eine Zusammenkunft lediger Mädchen, die in der Winterzeit bis Lichtmess abends in den Häusern stattfand. Ziel der Treffen war es, zu spinnen – und dazu brauchte man Licht. Um Petroleum zu sparen, trafen sich die Runden abwechselnd in verschiedenen Häusern. Der Hausvater musste zuvor eine Erlaubnis beim Kirchenkonvent einholen.

Dabei galt es, strenge Regeln einzuhalten: So waren höchstens sechs Mädchen zu einem Lichtkarz zugelassen, ledige junge Männer durften nicht teilnehmen. Einem Hausvater, der außer Töchtern auch ledige Söhne hatte, wurde das Abhalten eines Lichtkarz verboten. Um 23.00 Uhr musste der Lichtkarz beendet sein.

Wer die Vorschriften nicht beachtete, dem wurde die Erlaubnis entzogen. Dennoch fanden die jungen Männer immer wieder Wege, einen Blick durchs Fenster zu erhaschen oder ihre Angebetete nach Hause zu begleiten. Man sagte damals: „In den Lichtkarz gehen“ – das Wort ist also männlich.

Im Laufe der Zeit lockerten sich die strengen Vorschriften, und aus dem sittenstrengen Lichtkarz wurde allmählich ein geselliger Spiel- und Vesperabend. Der Heimatverein griff diesen Brauch später wieder auf und führte mehrmals im Jahr Lichtkarzabende durch. Als es an Mitgliedern fehlte, die diese Veranstaltungen vorbereiten und durchführen konnten, wurde die Tradition schließlich eingestellt.

Umso erfreulicher ist es, dass Katha, Simon und Sascha den Mut gefasst haben, den Lichtkarz erneut aufleben zu lassen – und das mit großem Erfolg! Mit kreativen Ideen und viel Engagement begeistern sie ihr Publikum und knüpfen damit an die ursprüngliche Idee des geselligen Beisammenseins an. Die „Lichtkarz-Zeit“ beginnt auch heute wieder, wenn es früh dunkel wird.

Ich wünsche diesem schönen Vorhaben weiterhin viel Erfolg im Sinne einer lebendigen und angepassten Traditionspflege – und vielleicht finden sich ja weitere Mitwirkende, die Lust haben, den Lichtkarz mitzugestalten.

Gitta Obst

Erscheinung
Steinenbronn Aktuell
Ausgabe 45/2025
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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