Es oblag dem stellvertretenden ehrenamtlichen Oberbürgermeister Hans Jörg Autenrieth, die Vereidigung vorzunehmen. „Eine Amtseinsetzung ist mehr als ein formaler Verwaltungsakt“, betonte er. Und ein Blick in das Programm des Abends lies bereits erahnen, dass es nicht allein um Formalitäten geht. Neben neun Rednern waren zahlreiche musikalische Beiträge angekündigt, bevor zum Stehempfang ins Foyer geladen wurde.
Die Ansprache zur Amtseinsetzung hielt die Regierungsvizepräsidentin Sigrun von Strauch. Sie betonte, dass eine Stadt mehr als Infrastruktur sei. Die Stadt werde lebendig, durch den Zusammenhalt der Menschen in ihr. Im Kommunalen werde Politik konkret. „Hier kann Vertrauen entstehen. Oder verloren gehen“, sagte von Strauch. Die Geschichte Eislingens zeige, wie aus Unterschiedlichkeit Zusammenhalt entstehen könne. Im Jahr 2033 bestehe der erzwungene Zusammenschluss von Groß- und Kleineislingen 100 Jahre. Und womöglich wird der Zusammenschluss dann in einer fertigen gemeinsamen Stadtmitte gefeiert.
Grußworte vieler politischer Ebnen
Die Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) gratulierte Marzian zu einem neuen Amt. „Sie sind ein unglaublich erfahrener Kommunalpolitiker“, lobte sie Marzian mit Blick auf seinen beruflichen Werdegang. Die Stadt kennt Razavi aufgrund der umfangreichen städtebaulichen Tätigkeiten, die auch immer wieder vom Land mitfinanziert werden, gut. In wenigen Tagen sei sie wieder in Eislingen, kündigte die Ministerin an. Sie wolle bei der offiziellen Eröffnung der Mühlbachtrasse dabei sein.
Für den Kreisverband Göppingen des Gemeindetags Baden-Württemberg hieß der Bürgermeister Sascha Krötz aus Schlierbach den neuen Eislinger Oberbürgermeister willkommen. „Die kommunale Familie hält zusammen“, versicherte Krötz. Er freue sich auf die gemeinsame Zeit. Der Oberbürgermeister sei Teil einer „starken kommunalen Gemeinschaft im Landkreis Göppingen“.
Für die Eislinger Schulen sprach der Rektor der Dr.-Engel-Realschule Andreas Schlaiss. Als Klassenbester im Fach Finanzen sei Marzian nun zum Schulleiter der Stadt aufgestiegen. „Für Sie beginnt nun ein Ultra-Marathon“, kündigte Schlaiss an. Diesen könne Marzian nur mit einem guten Team bewältigen. Als symbolisches Geschenk überreichte Schlaiss dem neuen Oberbürgermeister einen goldenen Staffelstab.
Für die Eislinger Vereine sprach der Präsident der TSG Eislingen Ulrich von Buch. Er zog Parallelen zwischen den anstehenden Aufgaben für den neuen Schultes und jenen Herausforderungen, denen sich der Schauspieler Matt Damon als Astronaut Mark Watney in dem Film „Der Marsianer“ stellen musste. Während Mark Watney alleine dem Mars Nahrung und Wasser für das Überleben abringen musste, stünden Marzian beim Bearbeiten der Eislinger Erde viele Helfer zu Seite. Nichtsdestotrotz könnte auch der Film „Der Marzianer“, der in Eislingen statt auf dem Mars spielt, ein Kassenschlager werden, war von Buch überzeugt.
Vom Heininger-Epos zur Marzian-Saga
Der Eislinger Personalratsvorsitzende Ralf Greuter kündigte mit dem neuen Oberbürgermeister ein neues Kapitel in der Chronik der Stadt an. Das Heininger-Epos gehe nun mit der Marzian-Saga weiter. Die Saga habe nun mit einem Paukenschlag begonnen. „Die Erwartungen sind riesig“, so Greuter. Der Personalrat sei eine Art stimmberechtigter Mitverleger an der Geschichte. Und das nicht ohne Grund. „Die Belegschaft ist der Garant zum Bestseller“, ist der Personalratsvorsitzende überzeugt.
Der Feuerwehrkommandant Mario Feller sah es ähnlich. „Echte stärke entsteht niemals allein“, sagte er. Wichtig sei der Zusammenhalt in einer Stadt. Die Blaulichtfamilie stehe für gegenseitige Verlässlichkeit.
Der neue Schultes selbst hob die anstehenden Aufgaben hervor. Nach der Einweihung der Mühlbachtrasse in der kommenden Woche gehe es 2027 an den Abriss der Hauptstraßenbrücke. Danach gehe es an die Neugestaltung des Schlossplatzes, den Bau einer Radunterführung, einem Parkhaus am Bahnhof sowie an die Aufwertung der Bahnhofstraße. Ferne müsse sich die Stadt dem Veränderten Klima mit Maßnahmen für mehr Hitze-, Starkregen- und Hochwasserschutz stellen.
Hinzu kommen die Investitionen in die Eislinger Schulen. An der Silcherschule und dem Erich Kästner Gymnasium soll es bald losgehen. Die Realschule braucht eine neue Sporthalle. Hinzu kommt die Schaffung von neuem Wohnraum, Förderung des Ehrenamts und die Wirtschaftsförderung. „Wir tun all dies auf dem Fundament einer guten Finanzlage, die uns die nötigen Spielräume für die Zukunft erhält“, so Marzian.
Er wolle die vielen Aufgaben mit Mut, Zuversicht und dem Eislinger Wir-Gefühl angehen. „Für mich ist das Glas immer halb voll statt halb leer“, sagte der Oberbürgermeister.
Begleitet wurde der Abend mit zahlreichen musikalischen Beiträgen. Die Musiker auf der Bühne kamen aus nahezu allen organisierten Musikgruppen der Stadt. Dass sie gemeinsam zu einem Projektorchester und einem Projektchor zusammengefunden haben, hat Jürgen Eisele von der Arbeitsgemeinschaft Eislinger Vereine organisiert. Ihm galt ebenso ein besonderer Dank des Oberbürgermeisters wie den Dirigenten und musikalischen Leitern Annette Gander, Martin Grandner und Uta Oellig. Sie haben Musiker des Erich Kästner Gymnasiums, des Evangelischen Posaunenchors, der Germania Chöre, des Liederkranzes, der Stadtkapelle, des TSG-Musikzugs und der Städtischen Musikschule mit wenigen gemeinsamen Proben zu einem gemeinsamen Orchester beziehungsweise Chor geformt.
Ein besonderes Geschenk für den Alt-Oberbürgermeister
Neben vielen Honoratioren aus Politik und Verwaltung, die in den ersten Reihen saßen hatte sich noch ein besonderer Gast in der Mitte der Stadthalle unter die Besucher gemischt. Der nun junge Alt-Oberbürgermeister Klaus Heininger wurde an diesem Abend mehrfach mit Applaus bedacht. Zum Abschied hatte Marzian noch ein besonderes Geschenk für seinen Vorgänger. „Die Stadt hat Dir viel zu verdanken“, sagte Marzian. Mit Weitblick, Sachverstand, Gespür für das richtige Momentum und auch Schlitzohrigkeit habe er Eislingen vorangebracht. Ein kleines Stück Eislingen bekam Heininger in Form eines ausgedienten Original-Ortsschildes als Geschenk zum mit nach Hause nehmen. bra
