Rund die Hälfte der Menschen in Deutschland schläft nach eigenen Angaben zu wenig oder schlecht. 10 % leiden an chronischer Schlaflosigkeit. Psychisch bedingte Schlafstörungen nehmen zu. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Auf Dauer kann Schlafdefizit zu ernsthaften Problemen führen. So verwundert es auch nicht, dass das Thema Eingang in die Literatur findet, wofür der Roman „Der Schlaf der anderen“ von Tamar Noort ein Beispiel ist.
Der Roman beginnt damit, dass sich ein Arzt weigert, Sina, eine der beiden Hauptfiguren, weiter Schlaftabletten zu verschreiben. Stattdessen drückt er ihr eine Überweisung in ein Schlaflabor in die Hand. Dort begegnet sie Janis, einer Krankenschwester, die seit zwei Jahren im Schlaflabor den „Schlaf der anderen“ überwacht. Durch einen unvorhergesehenen Zwischenfall kommen sich die beiden Frauen näher.
Sina ist Lehrerin, Mutter von zwei Kindern, Ehefrau eines Mannes an derselben Schule, der macht, „was ihm guttut“. Sinas Traum, einmal Künstlerin zu werden, scheitert an fehlendem Mut: „Stattdessen schrieb ich mich ein für Kunst auf Lehramt.“ Überhaupt hat man das Gefühl, dass das Wort „stattdessen“ häufig in Sinas Leben vorkommt.
An Janis geht der normale Tagesablauf durch ihren Arbeitsrhythmus weitgehend vorbei. Sie lebt allein. Nach dieser Nacht ändert sich für die beiden Frauen so ziemlich alles.
Im Roman wird Schlaflosigkeit nicht nur erwähnt, sie wird zum zentralen Thema. Tamar Noort beleuchtet die gesellschaftlichen Gründe wie klassische Rollenbilder, Schichtarbeit und Unsichtbarkeit von Care-Arbeit.
Insgesamt ist der Roman leicht zu lesen, obwohl das Grundthema sehr ernst ist und leider immer mehr Menschen betrifft.


