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Deutsch sprechen streng verboten

Aus Großbritannien sind drei Schauspieler ans Königsbacher Gymnasium gekommen. Bei mehreren Theateraufführungen sprechen sie ausschließlich Englisch...
Im Stück für die Siebtklässler ist Teenager Will (sitzend) ziemlich genervt von seinen Eltern, die ihn mit 17 immer noch behandeln wie ein kleines Kind. (rol)Foto: Nico Roller

Aus Großbritannien sind drei Schauspieler ans Königsbacher Gymnasium gekommen. Bei mehreren Theateraufführungen sprechen sie ausschließlich Englisch mit den Schülern.

Mit schwarzen Perücken auf dem Kopf stellen sich die Schüler nebeneinander auf. Gemeinsam versuchen sie, ein Mammut zu fangen. Natürlich kein echtes, sondern ein imaginäres. Als Neandertaler verkleidet, zeigen ihnen Katrina und Joseph, wie es geht: mit einem unsichtbaren Seil und mit Bewegungen, die locker aus der Hüfte kommen. Wobei Katrina und Joseph diese Begriffe selbst nicht benutzen, denn sie sprechen kein Deutsch, sondern nur Englisch. Genauso wie ihr Kollege Luke, der am Montag mit ihnen auf der Bühne steht. Alle sind Schauspieler und kommen aus Großbritannien, alle gehören zur English Theatre Company, die in ganz Europa unterwegs ist. Als sie am Montag bei vier Auftritten drei verschiedene Stücke auf die Bühne bringen, schauen ihnen insgesamt mehr als 700 Schüler des Königsbacher Lise-Meitner-Gymnasiums zu, von der fünften bis zur elften Klasse. „The kids are really energetic“, sagt Joseph, der seinen Vornamen zum Künstlernamen gemacht hat. Er war noch nie in Deutschland, im Gegensatz zu seinen beiden Kollegen Katrina und Luke, die in der Schule sogar die Sprache gelernt haben.

Alle drei sind sich einig, dass Deutschland „such a beautiful country“ ist, vor allem wegen der unterschiedlichen Landschaften. Seit zweieinhalb Monaten sind sie bereits zusammen auf Tour: nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden, Belgien und Spanien. Um die 100 Auftritte haben sie bereits absolviert – und dabei festgestellt, dass die Schulen ein Fenster in das jeweilige Land, in seine Kultur und Gesellschaft sind. Während sie die Schüler in den Niederlanden tendenziell eher als ruhig und aufmerksam erlebt haben, sind sie in Spanien mehr aus sich herausgegangen, vor allem in den Szenen, in denen Mitmachen angesagt ist. Doch egal, wo sie sind: Katrina, Luke und Joseph versuchen immer, ihre jungen Zuschauer aktiv einzubeziehen und die Aufführung an die jeweilige Situation anzupassen. Denn sie wissen: „Acting is like teaching.“ Ihr Beruf macht den drei britischen Schauspielern großen Spaß, auch wenn er oft anstrengend und mit langen Autofahrten verbunden ist. In Königsbach fühlen sie sich sehr wohl, auch wegen der Schüler, die großes Interesse an den Aufführungen zeigen.

„Für die Schule ist das ein großer Gewinn“, sagt Lehrerin Senta Böhrer, die die Englisch-Fachschaft mit einer Kollegin leitet. Sie hält die Theateraufführung allein schon deshalb für sinnvoll, weil sie den Schülern zeigt, wofür sie eigentlich Englisch lernen, wozu die Grammatik dient und wie man die Sprache kommunikativ nutzt. Böhrer ist überzeugt, dass die Schüler ein motivierendes Erfolgserlebnis haben, wenn sie sehen, was sie schon alles verstehen. Zudem hofft die Lehrerin, die Kinder und Jugendlichen mit dem Besuch der britischen Schauspieler für Kultur und Theater begeistern zu können. Bei vielen scheint das geklappt zu haben. Zumindest hört man nur Positives, wenn man die Schüler nach den Aufführungen nach ihrer Meinung fragt. „Man konnte alles gut verstehen“, sagt eine Siebtklässlerin, die den Schauspielern eine laute und deutliche Aussprache bescheinigt. Dass sie immer wieder Schüler aktiv in das Stück eingebunden haben, kommt gut an. – Nico Roller

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Ausgabe 13/2026
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