
„Bleib beim Tanzen bitte immer in der hintersten Reihe“, musste André Haedicke bei seinem -Studium zum Musicaldarsteller öfter hören. Angeblich konnte er nicht tanzen – auch weil er nicht die passende Figur dazu hatte.
Der heute 38-jährige André Haedicke war als Kind schon immer der „Kleine, Dicke“. Da Tänzer ohne Gardemaße auf den großen Musicalbühnen eher selten vorkommen, gehörte schon viel Mut dazu, an der Universität der Künste in Berlin vier Jahre Gesang, Tanz und Schauspiel zu studieren.
Aus dieser Zeit des Leidens und Gemobbt-Werdens plauderte der inzwischen erfolgreiche Sänger, Tänzer und Comedian bei seiner Musical-Solo-Show "Dick im Geschäft" im Theater am Puls. 2020 hatte der Künstler die Idee, über seine Erfahrungen als Darsteller, der nicht dem Stereotyp entspricht, zu erzählen - mit einer Mischung aus Comedy, Theater und Konzert. Geplant war ein einmaliger Auftritt vor Freunden und Familie im Bürgerhaus, der dann wegen der Pandemie ausfiel. Joerg Mohr, Intendant des „theater am puls“, lud Haedicke ein, damals im Schlossgarten Schwetzingen die Premiere zu spielen.
Nun kam der Künstler mit einem erweiterten Programm wieder nach Schwetzingen. Mit Witz und Charme moderierte er sein Programm, das zwar meist unterhaltsam und lustig war, aber doch auch Kritik offenlegte. Haedicke singt Songs, die er auf großen Bühnen nicht singen kann, weil er wegen seiner kleinen Körpergröße und seines molligen Körpers diese Rollen nicht bekommt. Begleitet wird er von Michael Lieb am Klavier.
„An welchem Wort merkt man, dass man alt wird“, fragt er das Publikum. „Die Antwort ist: früher. Wenn von früher rede, dann bin ich alt.“ Aber es gilt nicht, dass „früher“ alles besser war. Denn heute ist die Toleranz gegenüber Schwulen (Haedicke ist mit einem Mann verheiratet) und Nicht-Schlanken doch glücklicherweise größer geworden. Und auch der Umgang mit Frauen ist rücksichtsvoller. „Hören Sie genau auf den Text“, fordert er die Gäste auf und singt „Gern hab´ ich die Frau´n geküsst“, den Gassen-Schlager, in dem der Mann die Frau küsst – auch wenn sie es nicht will!
Riesenapplaus für einen besonderen Abend mit einem ungewöhnlichen Schauspieler!
André Haedicke ist - mit Christine Rothacker – in der Operette „Eine Frau, die weiß, was sie will!“ (in einer Fassung von Joerg Mohr), Sonntag, 12. April, 19 Uhr, in dieser Saison ein letztes Mal in Schwetzingen zu sehen.
Karten unter www.theater-am-puls.de und unter 06202 9269996 (9:00-18:00).