
Im aktuellen, immer noch laufenden Bebauungsplanverfahren „Sportzentrum Süd“, das dem SV Sandhausen ermöglichen soll, zwei zusätzliche Fußballplätze für das Jugendnachwuchsleistungszentrum zu bauen, liegen Ergebnisse der artenschutzrechtlichen Untersuchung als Basis eines Umweltberichts vor. Bei den Fledermausarten wurden bedeutende Bestände der Bechsteinfledermaus und des Braunen Langohrs im durch die Sportplätze betroffenen Waldgebiet festgestellt.
Wer ist die Bechsteinfledermaus?
Idealer Lebensraum der Bechsteinfledermaus ist ein reich strukturierter, naturnah bewirtschafteter Laubmischwald. Als echte Waldfledermäuse leben sie in größeren oder kleineren möglichst feuchten Eichen-Buchenwäldern, seltener werden sie in Parkwäldern oder Streuobstwiesen gefunden. Es muss schon unter dem Blätterdach des Waldes stockfinster sein, bevor Bechsteinfledermäuse aus ihren Tagesschlafquartieren zur nächtlichen Insektenjagd ausfliegen.
Bechsteinfledermäuse gehören selbst unter Fachleuten noch immer zu den am wenigsten bekannten heimischen Fledermausarten, obwohl sie als Rote-Liste-Art zu den besonders schutzwürdigen Tieren der gesamteuropäischen Fauna zählen. Das Vorkommen von Fledermäusen ist quasi ein Gütesiegel für den Standort: Hier gibt es genügend ein intaktes Ökosystem mit einer reichen Pflanzenvielfalt, die Insekten und Kleintiere ernähren, welche den Fledermäusen als Beute dienen.
Da Bechsteinfledermäuse sehr standorttreu und wenig wanderfreudig sind, fehlt es an Ausbreitungspotential. Hinzu kommt ihre vergleichsweise geringe Bestandsdichte und die Tatsache, dass Bechsteinfledermäuse aufgrund ihrer sehr leisen Ultraschallrufe selbst mit modernsten Fledermaus-Detektoren kaum systematisch zu beobachten sind. Hierdurch bleiben die Kenntnisse auf die regelmäßigen Nachweise in Winterquartieren, besonders in Höhlen und Stollen, oder auf Sommerfunde in Fledermauskästen oder Vogelnisthilfen beschränkt.
Für eine der wenigen einheimischen Fledermausarten mit Verbreitungsschwerpunkt in Deutschland tragen wir eine besondere nationale Verantwortung für die Bechsteinfledermaus. Dieser werden wir vor allem dann gerecht, wenn wir uns für den Erhalt und Ausbau naturnaher, reich strukturierter Laubwälder mit ausreichenden Schutzzonen einsetzen.
C. Kienle BUND Sandhausen
www.bfn.de/artenportraits/myotis-bechsteinii
www.bund-bawue.de/tiere-pflanzen/artenschutz/heimische-arten-entdecken/bechsteinfledermaus/


