
Auf Landesebene war es ein echter Wahlkrimi, der sich am Sonntagabend bei der Auszählung der Stimmzettel abzeichnete. Das vorläufige Ergebnis sieht Bündnis90/Die Grünen mit einem hauchdünnen Vorsprung vor der CDU. Würden nur die Eislinger Wahlergebnisse zählen, wären die Verhältnisse anders.
Denn in Eislingen liegt die CDU mit mehr als 31 Prozent deutlich vor den Grünen, die in der Großen Kreisstadt gerade einmal auf 23,3 Prozent der Zweitstimmen kommen. Noch deutlicher wird der CDU-Vorsprung beim Blick auf die Erststimmen. Die CDU-Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer kommt auf 39 Prozent. Grünen-Kandidatin Mariska Ott holt 17,5 Prozent in Eislingen. Der AfD-Kandidat Sandro Scheer schaffte bei einer Wahlbeteiligung von 60,9 Prozent 26,2 Prozent der Erststimmen. Alle drei Kandidaten dürften in den neuen Landtag einziehen.
Auf den zweiten Platz bei den Zweitstimmen schafft es in Eislingen die AfD. Sie holt stadtweit 26 Prozent der Stimmen und ist damit nochmal deutlich vor ihrem Landesergebnis von 18,8 Prozent. Beim Blick in die einzelnen Ergebnisse der Wahllokale wird deutlich, dass die AfD vor allem in einigen Gebieten der Stadt mit mehr als 30 oder gar 40 Prozent der Zweitstimmen klarer Favorit der Wähler ist. Erstaunlich ist das, weil die AfD in Eislingen personell oder organisatorisch überhaupt nicht besteht. Es gibt keinen Ortsverband, der lokale Aktivitäten initiieren würde. Der wachsende Zuspruch für die AfD zeigt daher wohl vor allem, dass ein Teil der Wählerschaft sich von der etablierten Politik nicht mehr ausreichend vertreten fühlt. Zu spüren bekommen das die kleineren Parteien.
Kaum eine Rolle in der Wählergunst spielen die Linke, die Freien Wähler und die FDP in Eislingen. Alle drei Parteien bleiben in den meisten Wahllokalen unter fünf Prozent.
Ein wenig besser als auf Landesebene schneidet die SPD in Eislingen ab. Sie kommt auf 6,4 Prozent der Zweitstimmen. Die Kandidatin Sabrina Hartmann erhielt 9,2 Prozent der Stimmen. Ein Grund zum Jubeln ist dieses Ergebnis für die einstige Volkspartei jedoch auch in Eislingen sicher nicht. Auf Landesebene schaffen es die Genossen mit 5,5 Prozent gerade einmal noch, ihren Fraktionsstatus im Landtag nicht zu verlieren.
In Gesprächen an den Wahllokalen und beim Blick auf die Trends im Wahlkreis zeichnen sich mehrere Themen als bestimmend ab: innere Sicherheit, die hohen Lebenshaltungskosten und die Lage von Schulen und Kitas. Die Zugewinne der AfD werden von Beobachtern vor allem als Ausdruck von Unzufriedenheit mit der Landesregierung und der Bundespolitik gewertet, etwa mit Blick auf Migration, Sicherheit und Energiepreise. Die CDU wiederum profitiert von ihrem Anspruch, für Stabilität und „Maß und Mitte“ zu stehen, während die Grünen trotz hoher Zustimmung auch mit Gegenwind für die Klimapolitik und umstrittene Bau- und Verkehrsprojekte kämpfen. bra
