Und so geht die Geschichte weiter:
Von besonderem Prestigewert für die Roßwälder Schmiede waren die in Zusammenarbeit mit dem Wagner Gottlob Fischer gefertigten Kutschen. Für den Reichenbacher Landarzt Dr. Otto Klenk war es eine einachsige mit einer aufmontierten 3-sitzigen Gartenbank. Den Kindern fertigte K.J. Bauer u.a. Reifen an, die mit einem von ihm entworfenen „Treibstab“ angetrieben wurden und ein besonders gefragtes Spielzeug waren. Die Stabspitze hatte er nämlich so zugeschmiedet, daß die Reifen damit nicht nur angetrieben, sondern auch sicher geführt und sogar gebremst werden konnten – eine Roßwälder Novität. Neben der Arbeit in seiner Schmiede hat er als geschätzter Innungsmeister auch zahlreichen Lehrlingen die Gesellenprüfung abgenommen.
Nachdem K.-J. Bauer gestorben war, wurde die Schmiede ab 1965 verpachtet. Pächter war Georg Wallner, der keinen Hufbeschlag mehr durchführte. 1968 kaufte Kurt Schmid den Betrieb und das Schmiedegebäude. Zusätzlich erwarb er später ein Wohnhaus gegenüber (ehemals Schneider Schmid), das er als Büro und Lager für Kleinteile einrichtete. Für Großteile und mechanische Arbeiten mietete er einen weiteren Lagerraum im Gairenweg Nr.8 an. Kurt Schmid hatte bei Christian Bauer, einem Bruder von Karl Bauer, in Ebersbach gelernt.
Anfangs widmete er sich auch wieder dem Beschlag an Pferden und Kühen und war auch als Klauenpfleger (bis 1990) weithin gefragt. Mit seinen profunden Fachkenntnissen hatte er Freude daran, Unmögliches möglich zu machen. Bereits seit 1968 hatte er seinen Bruder Hermann mit in den Betrieb genommen, der bis heute sein Handwerk in der Alten Schmiede betreibt. Den Hufbeschlag gaben die Schmids 1975 wieder auf, nachdem sich das Geschäft auf den Handel, die Wartung und Reparatur von Landwirtschafts-, Forst- und Gartengeräten verlagert hatte.
Die Alte Schmiede ist seit ihrer Erbauung so gut wie unverändert geblieben und vermittelt im Ortsbild einen Anblick mit wahrlich historischem Charme. Seit August 1989 steht sie unter Denkmalschutz und ist in der Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg Teil A aufgeführt. Sie ist eine der letzten noch betriebenen Schmieden im Landkreis und dokumentiert in anschaulicher Weise ein aussterbendes Handwerk.
Ergänzend zu unserer Alten Schmiede ist zu erwähnen, dass es in Roßwälden z. Zt. wieder ca. 100 Pferde gibt – so viel wie noch nie – und das mit steigender Tendenz. Daraus ergibt sich natürlich auch der Bedarf nach einem Hufschmied. Den gibt es hier auch wieder, seitdem Martin Zaiser die ehemalige Hühnerfarm der Familie Vollmer, am Ortsausgang in Richtung Wellingen, 1992 erworben hat und dort im Nebenerwerb Landwirtschaft mit Pferdezucht betreibt.
Wie angekündigt, hier noch ein Beispiel für Kurt Schmids Tüftlertalent:
1964 zum Kreisfeuerwehrtag in Sparwiesen besaß die Roßwälder Feuerwehr lediglich eine handbetriebene und von Pferden gezogene historische Spritze sowie eine auf einem Anhänger zu transportierende kleine Motorspritze. Die vielfältigen Anträge auf Anschaffung eines Spritzenfahrzeuges waren immer wieder ignoriert oder der Kauf verschoben worden.
Zum Festzug hatten sich Kurt Schmid und seine Kumpanen (genannt „Die Vier Pauls“) vorgenommen, ein Zeichen für die Modernisierung des Löschgeräts zu setzen. Nach Kurts Idee sollte die historische Handspritze motorisiert am Festzug mitfahren. Dazu opferte er den Motor seiner BMW-Isetta, bastelte ihn auf das alte Gefährt und übertrug dessen röchelnde Drehbewegungen über ein Opel-P4-Getriebe und einen Keilriemen auf die Hinterachse. Eine LKW-Lenkung sorgte für die abenteuerliche Steuerung des Gerätes, denn systembedingt war deren Einschlag entgegen der Drehrichtung. Das auf dem Festzug mitgeführte provokatorische Transparent: „Auch wir haben ein motorisiertes Löschfahrzeug“ hatte seine Wirkung und die Wehr schon wenig später ein Trag-Spritzen-Fahrzeug, das „TSF“ auf Basis eines Ford-Transit Kastenwagens.
Pferde wurden in Roßwälden übrigens bis in die späten 1960-er Jahre gehalten. Bevor sie von den Traktoren verdrängt wurden, waren sie u.a. im Einsatz bei Wilhelm Kalmbach, Karl Flogaus, der Bäckerei Rau, Georg Wagner, Ochsenwirt Gotthilf Rau oder Ernst Wöhrle, der für seine Spedition zwei Pferde für Milchtransporte, 1x täglich nach Ebersbach, rückte Holz und besorgte Abfuhr zu den Sägewerken.
Wer Interesse an Geschichte und Geschichten rund um Roßwälden hat, der ist herzlich eingeladen, den Stammtisch Heimatkunde zu besuchen.
Das nächste Treffen der Historienfans ist am Donnerstag, 11. Juni, 19.30 Uhr im Rathaus Roßwälden, Sitzungssaal. Wir freuen uns über alle Interessenten!
Karl-Heinz Weiler/Sybille Hiller

