Nach 114 Jahren:
Für die Plänkschder nicht nur aus dem „Oberdorf“ war sie 114 Jahre die Anlaufstelle bei der Versorgung mit Medikamenten – die Luisen-Apotheke an der Ecke Luisen-/Schillerstraße gegenüber dem Wasserturm. Nun endet diese Ära zum Jahresende und mancher fragt sich, ob es keine Nachfolger gegeben hätte. Aber wie Inhaberin Maria Syrbe berichtet, konnten trotz aller Bemühungen keine Interessenten für die schöne Jugendstil-Apotheke gefunden werden. Eigentlich wenig verwunderlich, denn wer möchte noch das Risiko eingehen angesichts der großen Online-Konkurrenz und der allgemeinen gesundheitspolitischen Situation.
Durch die Original-Einrichtung der Luisen-Apotheke aus der Zeit ihrer Entstehung wird sie auch zu einem echten Liebhaberstück und vielleicht vermissen mögliche Interessenten auch die zeitgemäße elektronische Ausstattung, die Medikamente per Knopfdruck aus dem Lager automatisch direkt auf den Ladentisch befördert.
Als der Apotheker August Oettinger aus Bühl am 22. Juli 1911 die Genehmigung zum Betrieb einer Apotheke erhielt, da war Plankstadt den umliegenden Ortschaften einen großen Schritt voraus. Und fast glaubt man sich auch heute noch beim Betreten der Luisen-Apotheke in die Zeit ihrer Entstehung zurückversetzt, denn sowohl die Einrichtung als auch die äußere Fassade des Hauses haben sich auch nach Renovierungen fast unverändert erhalten.
Als Öttinger die Apotheke eröffnete, herrschte in der Welt der Pharmazie noch eine andere Zeit. Die Medikamente wurden nach Rezept des Arztes aus den verschiedensten Ingredienzien von Hand hergestellt. Heute liefert die pharmazeutische Industrie die meisten Produkte fertig verpackt in kürzester Zeit an.
Allerdings gibt es auch heute wieder im Bereich der Salben einen gewissen Trend zur individuellen Herstellung. August Öttinger, der erste Plankstädter Apotheker, der 1872 in Cannstatt geboren war, verstarb am 6. März 1926. Dass eine Gemeinde in der Größenordnung Plankstadts schon zu einem so frühen Zeitpunkt über eine eigene Apotheke verfügte, war keinesfalls die Regel. Dies zeigt die Tatsache, dass beispielsweise in unserer Nachbargemeinde Oftersheim erst im Jahr 1951 die erste Apotheke eröffnet wurde. Für Plankstadt, Oftersheim, Ketsch und Brühl war Schwetzingen der Ort, wo die wichtigsten Geschäfte erledigt werden mussten, dort waren die Ämter und dort war auch die Hof-Apotheke, wo die verordneten Rezepturen hergestellt wurden, wenn nicht manche Verordnungen gar in Heidelberg zusammengestellt werden mussten. Sicher war es auch dem ersten Plankstädter Arzt Dr. Paul Bönner recht, dass sich August Öttinger gerade hier selbständig gemacht hatte.
Der Apotheker Adolf Kiesecker erwarb nach dem Tode Oettingers das Haus und führte die Apotheke bis zum 31. März 1950. Von 1950 bis 1957 führte sie Hilde Seidenstricker und am 1. Januar 1958 übernahm Maria Mathes die Apotheke; im Februar 1993 übergab sie das Geschäft an die heutige und letzte Inhaberin Maria Syrbe.
Noch als Plankstadt wesentlich kleiner war als heute, gab es 3 Apotheken, die älteste, die Luisen-Apotheke ab 1911, dann kam 1952 die Waldpfad-Apotheke von Apotheker Gerhard Reimelt dazu. Er übergab 1979 die Apotheke an Friederike Finkenzeller, die sie bis zur Schließung im Jahr 2018 führte. Schließlich kam als letzte Neugründung im Jahr1988 die Schubert-Apotheke hinzu, die nun als einzige Apotheke Plankstadts verbleibt.
Ulrich Kobelke, Gemeindearchivar