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Die Plankschder verstehen zu feiern (Teil 2)

Erinnerungen an die großen Bierzelt – Fest früherer Zeiten (Fortsetzung) Kinder- und Jugendbelustigung Am Montagnachmittag war immer...
Im Festzelt wird gefeiertFoto: Gemeindearchiv

Erinnerungen an die großen Bierzelt – Fest früherer Zeiten (Fortsetzung)

Kinder- und Jugendbelustigung

Am Montagnachmittag war immer die Kinderbelustigung angesagt. Und die war ohne das „Wurst-Schnappen“ nicht denkbar. Es ist oft nicht mehr erinnerlich, was sonst noch an allerlei lustigen Programmpunkten angeboten wurde, an das „Wurst-Schnappen“ erinnern sich noch viele, war es doch nicht nur eine Belustigung für die Jugend, sondern dem Sieger winkte auch noch als Preis eine kalte Servelat-Wurst! Welch‘ ein Preis – und doch begehrt! Die Spielregel war einfach: Ein Vereinsmitglied stand auf der Bühne und hatte eine Wurst an eine Art Angel gebunden. Diese schwenkte er über der vielköpfigen Menge von Kindern und Jugendlichen hin und her. Die wogende Menge musste nun versuchen, die Wurst zu ergattern, indem sie durch sportliche Sprünge – nur mit dem Mund natürlich - nach der Wurst schnappte – daher der Name! Klar, dass hochgewachsene oder sportliche Teilnehmer sich da einen Vorteil versprachen und großen Einsatz zeigten. Aber auch der Mann mit der Angel verstand es, die Wurst immer wieder im letzten Augenblick vom Mund eines vermeintlichen Siegers wegzuziehen und durch Schwenken die Position der Wurst zu wechseln. Irgendwann erbarmte sich der „Herr über die Wurst“ aber und einer ergatterte die Wurst, schließlich sollten ja auch alle bei Laune gehalten werden und das Spiel konnte von vorn beginnen. Da es immer nur um eine Servelat-Wurst ging, konnte das Spiel auch längere Zeit wiederholt werden und es gab immer welche, die sich um die Wurst stritten und rissen, denn es war auch klar: sehr zimperlich durfte man in der wogenden Menge vor der Bühne nicht sein, denn schließlich waren alle Konkurrenten!

Ob man heute noch mit derartigen Spielen Kinder und Jugendliche locken könnte, mag mal dahingestellt und der Phantasie des heutigen Lesers vorbehalten bleiben. Jedenfalls waren gerade in den ersten Jahren nach dem Krieg die Belustigungen für Kinder und Jugendliche anderer Natur als heutzutage.

Ehrenamtlicher Einsatz

Doch zurück zu den Festen mit Bierzelt: Neben der allgemeinen logistischen Vorbereitung eines solchen Festes bei Vorstandschaft und Festausschuss waren vor allem die vielen ehrenamtlichen Helfer gefragt, die sich sowohl um den Aufbau des Zelts als auch um den reibungslosen Ablauf des gesamten Festbetriebs bis hin zu den Aufräum- und Abbauarbeiten kümmerten. Viele Helfer wurden benötigt am Ausschank und an der Essensausgabe. Für viele Vereinsmitglieder war diese Mitarbeit Ehrensache und viele Stunden der früher knapp bemessenen Freizeit wurden hier wie auch bei anderen Gelegenheiten im Jahr für den Verein geopfert bis hin zu Extra-Urlaubstagen. Die jüngeren Generationen, soweit sie in den Vereinen überhaupt vorhanden sind, haben heute eine andere Denkweise, was ihr Freizeitverhalten und ihre bedingungslose Einsatzbereitschaft anbelangt.

Das kulinarische Angebot früherer Zeiten

Werfen wir noch einen Blick auf das Angebot, das den Menschen bei solchen größeren Bierzeltfesten gemacht wurde. Wie der Name schon sagt, war das Bierzelt der Ort, wo man sich traf, um in gemütlicher Runde, oft von Blasmusik unterhalten, ein paar feuchtfröhliche Stunden im Kreise Gleichgesinnter bei einigen Krügen Bier zu verbringen. Um auch etwas im Magen zu haben, gab es üblicherweise Servelat und Weck, allenfalls noch durch belegte Brötchen mit Hering- oder Lachsersatz ergänzt. Damit endete zumindest in den Jahrzehnten nach dem Krieg auch schon das kulinarische Angebot.

Hygiene und Nachtwachen

Wer erinnert sich nicht noch an die damalige Reinigung der Bierkrüge? In einer Brenk (= Zinkwanne) mit kaltem Wasser wurden die Krüge kurz ausgeschwenkt und aus dem Fass neu gefüllt, später kamen einfache Bierkrug-Waschgeräte mit feststehenden Bürsten hinzu. Es gab noch keinen Wirtschaftskontrolldienst, der heute peinlich auf die Einhaltung unzähliger Regeln und Vorschriften pocht und dadurch den Vereinen die Durchführung ähnlicher Feste wie früher nahezu unmöglich macht – natürlich auch zu Recht, wenn man sich an manche unappetitliche Geschichten aus früheren Festzeltbetrieben erinnert.

Und wenn wir schon bei der Hygiene sind, auch ein kleiner Abstecher in den sanitären Bereich. Wo viel getrunken wird, muss auch die Entsorgung bedacht sein: Meist war hinter dem Festzelt ein kleiner Bereich mit Laubzweigen abgesteckt; dahinter verbarg sich vor einem senkrecht aufgestellten Blech eine aus einem Stück Dachkandel gefertigte Rinne in gefälliger Höhe, die schräg irgendwo in einem ausgehobenen Loch oder, wenn es sich zufällig ergab, in einem Gully endete – das perfekte Pissoir! Für größere Geschäfte oder für die weiblichen Besucher gab es höchstens ein Bretterhäuschen mit Herz

Über die Festtage wurden das Festzelt und die darin gelagerten Vorräte von den eingeteilten Nachtwachen gut bewacht; auch dafür stellten sich natürlich die ehrenamtlichen Helfer zur Verfügung. Am Morgen gab es dafür dann auch ein Frühstück als Belohnung.

Eine kleine Plänkschder Anekdote aus dem Jahr 1996

Wellen bis zur Zeitung mit den vier großen Buchstaben schlug allerdings 1996 beim 100-jährigen Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Plankstadt eine zum Glück nur verbale Auseinandersetzung zwischen einem Bürgermeister aus einem Nachbarort und einem Plankstädter Gemeinderat. Als die Musikkapelle im Festzelt gekonnt den Großen Zapfenstreich zu Gehör brachte, empörte sich der Bürgermeister-Gast, dass der betreffende Gemeinderat sich nicht zur Nationalhymne erhob und kräftig mitsang. Der konterte und unterstellte dem Schultheißen einen allzu starken Bierzuspruch – die Zeitungen griffen diese Kontroverse natürlich gerne auf und auch die BILD-Zeitung bekam davon Wind und berichtete darüber. Ein kleines Bonmot am Rande, aber in der Erinnerung eine historische Anekdote zum Schmunzeln!

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