Die letzte Gemeinderatssitzung ist vorbei, von vielen Mitarbeitern, Stadträten und Einwohnern hat er sich bereits offiziell verabschiedet. In diesen Tagen räumt der scheidende Oberbürgermeister Klaus Heininger sein Büro für seinen Nachfolger Oliver Marzian, der sein Amt am 1. Juni antritt. Beim Gespräch zwischen aussortierten Akten und Umzugskisten betont Heininger, dass er sich auf die Zeit nach dem Berufsleben freut.
Es ist ruhig an diesem Nachmittag im Eislinger Rathaus. Es findet kein Publikumsverkehr statt. Draußen tobt heftiger Regen. Die Tropfen prasseln gegen die Scheiben des Eckbüros des Oberbürgermeisters im Rathaus. Dass Eislingen heute ein modernes und ansprechendes Verwaltungsgebäude hat, ist wohl auch Heininger zu verdanken. Doch das Rathaus wurde nicht allein für die Verwaltung gebaut. Vielmehr ist es einer der Leuchttürme auf dem Weg der Jahrzehnte geteilten Stadt hin zu einer gemeinsamen Mitte.
Das städtebauliche Potenzial sei eines der Themen gewesen, die ihn im Jahr 2010 dazu bewogen haben, sich als Birenbacher Bürgermeister auf die Nachfolge von Günther Frank zu bewerben, erklärt Heininger. Leicht sei ihm die Kandidatur aber nicht gefallen. „Es war eine schwierige Entscheidung“, erinnert sich Heininger. Es sei schon damals klar gewesen, dass ihm Eislingen eine höhere Schlagzahl abverlangen werde als Birenbach mit seinen knapp 2000 Einwohnern. Letztlich habe ihn sein Ehrgeiz gepackt, es in Eislingen zu probieren. „Und ich habe es nicht bereut“, sagt der 65-Jährige rückblickend.
Die Entscheidung für die Kandidatur fiel nicht leicht
Viele vor ihm liegenden Aufgaben seien schon 2010 klar gewesen. Es musste eine gemeinsame Stadtmitte mit einem Rathaus geschaffen werden. Und wer sich noch erinnert, wie es am heutigen Schlossplatz 2010 noch aussah, kann erahnen, wie viel Arbeit hinter dem Erreichten steckt. Ganz geschafft ist der Umbau noch nicht. Die wichtigen Entscheidungen, etwa zur zukünftigen Verkehrsführung, sind aber gefällt.
Die weitere Entwicklung wird Heininger nun aus der Ferne beobachten, vielleicht in seinem Garten, dem er sich in den kommenden Monaten verstärkt widmen möchte. „Ich habe keine Sorge, dass mir langweilig wird“, sagt er. Es gebe viel am Haus und im Garten zu tun. Besonders freue er sich nun darauf, die vor ihm liegenden Aufgaben nach 46 Jahren im öffentlichen Dienst ohne Zeit- und Termindruck angehen zu können. Es müssten Fenster gestrichen, die Fassade gerichtet und das Grün im Garten gepflegt werden. Auch das Fitnessstudio sei während der Berufsjahre bedauerlicherweise oft zu kurz gekommen.
Außerdem fahre er in seiner Freizeit gerne mit dem Mountainbike oder dem Motorrad. Der schwere Unfall mit dem Motorrad im Jahr 2022 habe ihn mental nicht besonders lange beschäftigt. Sobald es die Gesundheit wieder zugelassen habe, habe er sich erneut ein Motorrad gekauft, sagt Heininger.
Einen Plan habe er sich für den Ruhestand nicht zurechtgelegt. Neben der beschriebenen Beschäftigung stehen aber noch einige Fernreiseziele an. Bereits in der Vergangenheit habe er Länder wie Thailand, Brasilien oder Südafrika gesehen. Vielleicht klappt es in den nächsten Jahren mit Kanada oder Vietnam/Kambodscha. „Um was von der Welt zu sehen“, wie Heininger sagt.
Ein wenig Wehmut schwingt auch mit
Vermissen werde er wohl die Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Menschen. Auch das Rathausteam und der Gemeinderat werden ihm fehlen, meint er. Besonders habe es ihn immer gefreut, wenn er Einwohnern bei speziellen Fragestellungen helfen konnte. Gestört habe es ihn, dass die Schreibtischarbeit über die Jahre immer mehr geworden sei. Die Bürokratie habe zugenommen, so Heininger. Die Kommunen seien die letzten in einer langen Reihe und sie müssten die Beschlüsse aus Brüssel, Berlin oder Stuttgart umsetzen. „Den letzten beißen die Hunde“, beschreibt er es. Warum die Bürokratie immer mehr geworden sei? Immer seltener seien Menschen bereit, Entscheidungen zu treffen. Dadurch gehe der Vertrauensverlust in den Staat und seine Organe weiter verloren, befürchtet er. „Und man muss auch mal fünf gerade sein lassen“, meint Heininger.
Immer mehr Bürokratie
Mit der Bürokratie hat Heiniger zukünftig weniger zu schaffen. Dafür rückt der Fußball - eine weitere Leidenschaft des Oberbürgermeisters - stärker in den Mittelpunkt. Die Weltmeisterschaft steht an. Der VfB-Fan drückt der deutschen Nationalmannschaft die Daumen, glaubt aber momentan nicht an den Weltmeistertitel für Deutschland. „Es sind stärkere Mannschaften dabei“, sagt Heininger. Er möchte zahlreiche Partien verfolgen, nicht nur die Deutschland-Spiele. Auch Argentinien, Mexiko oder europäische Mannschaften möchte er sich ansehen. Dass die Spiele durch die Zeitverschiebung hierzulande teils mitten in der Nacht laufen, stört ihn nicht. „Ich freue mich darauf, dass ich jetzt am nächsten Tag ausschlafen kann.“bra
