In unserem Kultur-Salon haben wir die Weltkultur um das Jahr 1200, außerhalb Europas, betrachtet. Während in Europa Kathedralen gebaut und Ritterturniere gefeiert wurden, erblühten jenseits der Grenzen ganze Reiche, deren Städte, Tempel und Kunstwerke die damalige Welt prägten.
In Kairo lehrten Gelehrte an der al-Azhar-Moschee, einer der ältesten Universitäten der Welt. Und in Granada, im Süden Spaniens, begann man um 1238 mit dem Bau der Alhambra – einem Palast aus Licht und Ornamenten, dessen Wände mit feinen arabischen Schriftzeichen und geometrischen Mustern geschmückt sind. Wer durch ihre Höfe wandelte, hörte das leise Plätschern der Brunnen und sah die Spiegelung der Sterne in den Wasserbecken – Sinnbilder der himmlischen Ordnung, an die die Künstler glaubten.
Zur selben Zeit blühte in China eine Hochkultur, die von Bildung, Handel und Kunst geprägt war. Die Städte Kaifeng und Hangzhou waren voller Buchläden, Teehäuser und Werkstätten.
Künstler wie Fan Kuan malten majestätische Landschaften aus Fels und Nebel, in denen der Mensch klein erschien – nur ein Gast in der großen Ordnung der Natur. Auf feinem Seidenpapier entstanden Werke wie „Reisende in den Bergen und Schluchten“, in denen Philosophie und Malerei eins wurden.
Auf den japanischen Inseln herrschte während der Kamakura-Zeit (1185–1333) eine neue Elite: die Samurai. Doch neben dem Schwert pflegten sie auch die Stille des Geistes. In den Tempeln des Zen-Buddhismus suchten Mönche nach Erleuchtung – und aus dieser Suche entstanden Kunstformen, die bis heute faszinieren: die Tuschmalerei, die feinen Steingärten und die schlichte, aber vollkommene Architektur der Tempel. In Kamakura wurde um 1252 der Große Buddha gegossen, eine riesige Bronzestatue, die mit ruhigem Blick über das Land wacht.
Im Süden ließ die Chola-Dynastie bronzene Götterbilder gießen – am bekanntesten der tanzende Shiva Nataraja, der in seinem kosmischen Tanz Schöpfung und Zerstörung vereint. Im Norden erhob sich der Qutb Minar bei Delhi – ein Turm aus rotem Sandstein, Symbol des aufstrebenden Delhi-Sultanats. Im heutigen Kambodscha ließ der König Suryavarman II. den gewaltigen Tempelkomplex Angkor Wat errichten. Seine Türme spiegeln sich in den Wassergräben, und die Wände sind bedeckt mit Reliefs von Göttern und Tänzerinnen – den Apsaras, Sinnbilder himmlischer Schönheit. Ein Jahrhundert später ließ König Jayavarman VII. den Bayon-Tempel bauen, dessen Türme von lächelnden Gesichtern gekrönt sind – als würde der König selbst, in göttlicher Form, über sein Reich wachen.
Südlich der Sahara, im Reich von Mali, wuchsen mächtige Städte wie Timbuktu und Djenné. Dort erhoben sich Moscheen aus Lehm, deren hölzerne Stützpfähle wie Dornen aus den Wänden ragten – eine einzigartige afrikanische Architekturform. Im fernen Äthiopien ließen christliche Könige die berühmten Felsenkirchen von Lalibela aus dem Gestein hauen. In der Erde verborgen, doch dem Himmel geweiht, entstanden dort Heiligtümer wie Bet Giyorgis (St. Georg) – ein Kreuz aus Stein, das bis heute als eines der Wunder Afrikas gilt.
Auch jenseits des Atlantiks entwickelten sich eigenständige Hochkulturen. In den Regenwäldern Mittelamerikas lebten noch immer die Maya, deren Städte wie Chichén Itzá mit gewaltigen Pyramiden und steinernen Ballspielplätzen geschmückt waren.
Unsere nächste Kultur-Reise findet am 15.10. im Treff im Löwen statt. Info: Frau Heckl, Tel. 0176/50496550


