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Bildung

Die Zeit des Heiligen Rochus eindrücklich näher gebracht

„Wenn Historiker auf das 14. Jahrhundert schauen, sehen sie vor allem ein Jahrhundert, wie man es sich nicht wünscht.“ So leitete der emeritierte...
Prof. Dr. Gerhard Fritz aus Schwäbisch Gmünd berichtet über das Leben und die Pest des 14. Jh.Foto: Kath. Bildungswerk Bad Schönborn-Kronau

„Wenn Historiker auf das 14. Jahrhundert schauen, sehen sie vor allem ein Jahrhundert, wie man es sich nicht wünscht.“ So leitete der emeritierte Geschichtsprofessor Dr. Gerhard Fritz den Vortrag „Pest, Krieg, Klima, Wirtschaft – Die Zeit des Heiligen Rochus“ des Forum Bildungswerk der katholischen Gemeinden Bad Schönborn–Kronau ein. Nach der eher ruhigen Blütezeit des 12. und 13. Jahrhunderts hatte das 14. Jahrhundert „es in sich“.

Kriege, Klimaveränderungen, Naturkatastrophen und nicht zuletzt die ersten Pestwellen in Europa kennzeichneten das turbulente Jahrhundert. Sintflutartige Regenfälle führten zu Hungersnöten und Jahrtausendhochwassern. Eine große Sturmflut 1362 machte Sylt zur Insel und ließ den Nordseehafen Rungholt gänzlich verschwinden. Eiszeitähnliche Winter ließen den Bodensee zufrieren, dazu kamen Heuschreckenplagen und Erdbeben in Europa.

Flöhe und Nagetiere

Zu allem Elend gelangte 1347 die Pest – der Schwarze Tod – per Schiff nach Europa. Die durch Flöhe von Nagetieren übertragene Seuche raffte ganze Landstriche dahin und kehrte in mehreren Wellen immer wieder nach Süddeutschland zurück. Dennoch gab es auch Gegenden, in denen die Pest nicht wütete oder deutlich weniger als die genannten bis zu 50 Prozent der Bevölkerung ihr zum Opfer fielen. Der Referent erläuterte dabei auch Zusammenhänge mit anderen Ereignissen, etwa dem Hundertjährigen Krieg und den aus der Pestepidemie resultierenden Pogromen gegen die Juden, die vielfach als Verursacher der Seuche diffamiert wurden.

Eindrucksvoll schilderte Gerhard Fritz nicht nur die Lebens- und Sterbebedingungen der damaligen Gesellschaftsschichten, sondern auch, anhand welcher Quellen Historiker zu ihren Schlüssen gelangen. Nebenbei erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, welche Dokumente als verlässlich gelten und welche Expertenmeinungen widerlegt werden konnten.

Begründung der Rochusverehrung

Aufschlussreich waren für die Anwesenden auch die Bezüge zum Ortspatron, dem französischen „Pestheiligen“ Rochus von Montpellier. Wenn die gängigen Daten zu Rochus stimmen und er tatsächlich bereits 1327 starb, hätte er die eigentliche Pest in Europa nicht erlebt – wohl aber andere Seuchen, deren Erkrankte er unter Einsatz des eigenen Lebens pflegte. Auch andere bekannte Pestheilige wie Sebastian, Christophorus, Ägidius und Cosmas stammten alle aus der Vorpestzeit.

Stimmig war dabei auch die von Professor Gerhard Fritz zitierte letzte bekannte Pestwelle in Südwestdeutschland, die er auf 1665/1666 datierte – das Jahr, in dem Mingolsheim von der im badischen Umland grassierenden Pest verschont blieb. Aus Dankbarkeit erbauten die Mingolsheimer damals die Rochuskapelle und begründeten damit die Tradition der örtlichen Rochusverehrung, an der bis heute festgehalten wird.

Hätte das Jahrhundert nicht überlebt

Als Fazit des Vortrags zeigte Professor Fritz Parallelen zur aktuellen Zeit auf und ermutigte dazu, auch in Krisenzeiten optimistisch nach vorne zu blicken. Als Beispiel nannte er Studierende, die keine Zukunft mehr sehen würden. „Wenn unsere Vorfahren derart resigniert gewesen wären, dann hätte die Menschheit das vierzehnte Jahrhundert nicht überlebt.“ (pm/red)

Erscheinung
Bad Schönborner Woche
Ausgabe 15/2026
von Seelsorgeeinheit Bad Schönborn-KronauRedaktion NUSSBAUM
07.04.2026
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