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Planung für die nächsten zehn Jahre

Die Zukunft des Gemeindewaldes

Gemeindewald: Der Gemeinderat beschloss die Planung für die kommenden zehn Jahre. Es soll weniger Holz geschlagen und die Bestände stabilisiert werden
Die Stämme im Weingartener Gemeindewald sind alle verkauft und warten auf die Abholung.Foto: fri

In den kommenden zehn Jahren wird im Weingartener Forst weniger Holz geschlagen und dafür mehr auf Verjüngung gesetzt. Die bisherigen Bestände sollen stabilisiert und an den Klimawandel angepasst werden. Dafür beschloss der Gemeinderat jetzt einstimmig die Forsteinrichtungs-Erneuerung, also die Planung für das kommende Jahrzehnt.

Der Weingartener Gemeindewald kämpft mit Problemen, die vor allem durch den Klimawandel verursacht werden. Trockenschäden an Buchen und Kiefern führten in den vergangenen Jahren zu massiven Ausfällen. Dazu kam das Eschentriebsterben: Ausgerechnet der Baum, der recht klimastabil ist, leidet an einer eingeschleppten und für die Bäume tödlichen Pilzart. Der Eschenanteil ist dadurch von zwölf auf drei Prozent zurückgegangen.

Schadholz bestimmt den Einschlag

Trotz des hohen Bestandes an Laubbäumen – 89 Prozent des rund 970 Hektar großen Gemeindewaldes – sank der Holzvorrat, also die Holzmenge der lebenden Bäume, um neun Prozent. Durch die hohen Trockenschäden waren zwei Drittel des eingeschlagenen Holzes Schadholz. Dies habe planmäßiges Wirtschaften verhindert, so Gemeindeförsterin Elena Motschilnig in ihrer Bestandsaufnahme des Waldzustands.

Durch diese sogenannten Zufallsnutzungen, hohe Kosten für Ernte und Verkehrssicherung, ergab sich im vergangenen Jahrzehnt ein Minus vor durchschnittlich 148.000 Euro pro Jahr für den Forstbetrieb. Die gute Nachricht: Durch die Vermarktung von Ökopunkten gelang es 2025, ein Plus von 40.000 Euro zu erwirtschaften.

Ökopunkte haben doppelten Nutzen

Um die ökologischen Funktionen des Waldes zu stärken und weiterhin Ökopunkte zu generieren, soll künftig ein Alt- und Totholzkonzept eingeführt werden. Rund 50 Hektar Wald sollen künftig aus der forstlichen Nutzung genommen und der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Diese Waldrefugien dienen gleichzeitig dem Artenschutz. Ein weiterer Vorteil: Wird Geld mit Naturschutzleistungen eingenommen, ist die Gemeinde ein kleines Stück unabhängiger vom schwankenden Holzmarkt.

Pflanzung von Gastbaumarten

Damit der Weingartener Gemeindewald verjüngt und klimaresistent umgebaut werden kann, wird eine effektive Bejagung des Wilds nötig sein. Dann kann laut Forsteinrichtungsplanung auf einen teuren Zaunschutz in den Verjüngungsflächen verzichtet werden. Probleme mit Wildverbiss gibt es vor allem im Niederwald, weniger dagegen im Bergwald.

Neben der Verjüngung und Jagd wird auch die Erhöhung der Baumartenvielfalt eine Rolle spielen. Dabei sollen versuchsweise auch fremdländische Baumarten, beispielsweise Baumhasel, Tulpenbaum oder Ungarische Eiche gepflanzt werden, um die Risiken zu vermindern und den Wald klimastabil zu machen.

Künftig geringerer Einschlag

Schon im vergangenen Zehnjahres-Zeitraum war im Weingartener Forst weniger Holz geerntet worden als ursprünglich vorgesehen. Nach der sogenannten Zwischenprüfung im Herbst 2020 wurde der Hiebsatz von 6,1 Festmetern je Jahr und Hektar auf 4,9 reduziert. Bei der aktuellen Forsteinrichtungs-Erneuerung sind 4,1 Festmeter als Obergrenze für den Holzeinschlag vorgesehen. Dies bedeutet für die Gemeinde geringere Einnahmen, aber für den Wald die Chance einer Erholung der Bestände. In Bezug auf die Einnahmen hatte Gemeindeförsterin Elena Motschilnig zumindest eine gute Nachricht: Die Preise für Holz seien derzeit gut. Und auch wenn im Wald immer wieder eingeschlagenes Holz aus dem Vorjahr liege, was Elina Holzmüller (FDP) irritierte, sei der Grund dafür nicht, dass es sich nicht verkaufen lasse. Das gesamte Stammholz sei verkauft, versicherte Motschilnig.

Wirtschaftlichkeit und Erholung gleichgestellt

Doch der wirtschaftliche Nutzen ist längst nicht alles: Ebenso wichtig wie der Verkauf von Holz und die Ökologie sei die Erholungsfunktion des Waldes, betont Forsteinrichter Oliver Braun. In Weingarten betrifft dies fast das ganze Waldgebiet. Dafür müssen das Wegenetz unterhalten, die Erholungseinrichtungen instand gehalten und die Verkehrssicherheit gewährleistet werden. Die Waldflächen werden zur Erholung genutzt und zunehmend für waldpädagogische Angebote genutzt, so der Bericht. „Wirtschaftlichkeit und Erholung sind gleichgestellt“, sagte Elena Motschilnig.

Und letztlich bei der Nutzung und Planung auch immer die langfristige Entwicklung beachtet werden, damit der Wald auch für künftige Generationen erhalten bleibt. (fri)

Erscheinung
Weingartener Woche
Ausgabe 22/2026
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM
26.05.2026
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