Anlass war die Kündigung des bisherigen Betreibers, Taxi Beckenbach. Die zentrale Frage: Wie lässt sich das Angebot künftig sichern?
Zu Beginn der Bürgerfragestunde erkundigte sich eine Bewohnerin nach der Haltung des Ortschaftsrats zur Zukunft des Ruftaxis. Sie hob hervor, wie wichtig das Angebot für die Attraktivität Dilsbergs als Wohnort sei. Eine gute Anbindung, so betonte sie, trage wesentlich dazu bei.
Ortsvorsteher Andreas Erles erläuterte die Hintergründe der Kündigung. Der Betrieb sei zu den bisherigen Konditionen wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Besonders problematisch sei, dass Nutzer des Deutschlandtickets kostenlos mitfahren könnten, während die Stadt die Kosten übernehmen müsse. Der Zuschuss liege inzwischen bei rund 36,50 Euro pro Fahrt. Übergangsweise werde das Ruftaxi, das eine freiwillige Leistung der Stadt Neckargemünd ist, bis Ende November eingeschränkt fortgeführt: Fahrten gibt es freitags und samstags von 19 bis 0.53 Uhr.
Im Ortschaftsrat entwickelte sich dazu eine intensive Diskussion. Rätin Edith Mayer (FW) sprach sich dafür aus, die Situation differenziert zu betrachten. Besonders Waldhilsbach und Kleingemünd seien vergleichsweise gut angebunden. Dort könne man eher Einsparungen prüfen. Für Dilsberg sehe die Situation anders aus. Mayer plädierte dafür, die Fahrzeiten auf 21 Uhr bis Mitternacht zu begrenzen und zunächst genauer zu erheben, ob das Angebot überwiegend beruflich oder für Freizeitfahrten genutzt werde. Dem schlossen sich die anderen Räte an.
Andreas Erles (CDU) ergänzte, dass Mobilität auch in der Umfrage zur Dorfentwicklung ein wichtiges Anliegen der Bürger gewesen sei. Zugleich erklärte er, dass die meisten Fahrten nach 20 Uhr stattfänden und vermutlich vielfach dem Freizeitverkehr dienten.
Jan Enss (Grüne) machte deutlich, dass das Ruftaxi mehr sei als ein „Partytaxi“. Es ermögliche soziale Teilhabe und Mobilität im ländlichen Raum. Besonders ältere Menschen, Jugendliche und sozial Schwächere seien darauf angewiesen. Einsparungen könnten langfristig die Lebensqualität im Ort beeinträchtigen. Auch Marlin Staudenmeier (SPD) hob die Bedeutung für Jugendliche hervor. Für viele sei das Ruftaxi die einzige Möglichkeit, soziale Kontakte außerhalb des Ortes zu pflegen.
Thomas Ruf (FW) unterstrich die besondere Situation Dilsbergs. Der letzte reguläre Bus fahre um 19.34 Uhr, der nächste erst wieder gegen fünf Uhr morgens. Dadurch entstehe eine Versorgungslücke von rund zehn Stunden. Zudem entfielen 82 Prozent der gesamten Ruftaxi-Nutzung auf Dilsberger Fahrgäste.
Als wichtiges Argument gegen eine vollständige Streichung führte Ruf zudem die ÖPNV-Strategie 2030 des Landes an. Darin werde ausdrücklich betont, dass auch in nachfrageschwächeren Zeiten Angebote gewährleistet werden sollten. Eine Abschaffung des Ruftaxis widerspräche diesen Zielen. Am Ende sprach sich der Ortschaftsrat dafür aus, die Ruftaxi-Linie 8912 erneut auszuschreiben, allerdings mit begrenzten täglichen Fahrzeiten von 21 Uhr bis Mitternacht.
