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Barfuß durch ein bewegtes Leben

Dilsberger Wilhelm Berberich feiert seinen 90. Geburtstag

Wenn Wilhelm Berberich den Tag beginnt, dann auf eine Weise, die viel über ihn erzählt: mit einer kleinen Löffelspitze Honig.
Alter Mann sitzt am Tisch und lächelt in die Kamera.
Der Dilsberger Wilhelm Berberich feierte am 15. Dezember 2025 seinen 90. Geburtstag.Foto: du

Für den 90-Jährigen aus Dilsberg ist das mehr als ein Ritual – es ist Ausdruck seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur. Als Imker weiß er um die Kraft, die in Bienen, Pflanzen und in den Rhythmen des Jahres steckt. Und vielleicht ist es genau diese Naturverbundenheit, die ihm bis heute eine bemerkenswerte Lebendigkeit schenkt.

Gelernter Vermessungsingenieur

Geboren wurde Berberich am 15. Dezember 1935 in Buchen als eines von sieben Kindern einer Landwirtsfamilie. Der Vater hieß ebenfalls Wilhelm, die Mutter Mathilde, geborene Dörr. Für den jungen Wilhelm erwies es sich als großes Glück, das Gymnasium besuchen zu dürfen – ein Bildungsweg, der ihn später an die Ingenieursschule in Karlsruhe führte, wo er Vermessungsingenieur wurde.

Viele Veränderungen

Die Liebe fand ihn auf heimatlichem Boden: Auf der Fastnacht in Buchen lernte er Barbara, geb. Tschismar, kennen. Sie arbeitete dort als Diätassistentin, war jedoch mit ihrer Familie in Dilsberg verwurzelt. Nach der Hochzeit zog es beide in den Raum Heidelberg. Wilhelm Berberich wechselte vom Flurbereinigungsamt Buchen nach Heidelberg, wo große landschaftliche Veränderungen durch Autobahn- und Schienentrassenbau anstanden. Sein fachlicher Blick und seine Genauigkeit waren gefragter denn je. In Dilsberg fiel schnell auf, wie eng er mit der Natur verbunden ist – nicht zuletzt, weil er häufig barfuß anzutreffen war. In dieser Zeit entstand der gemeinsame Lebensmittelpunkt: 1961 und 1963 kamen die beiden Söhne zur Welt, ein Haus wurde gebaut, ein neues Kapitel begann.

Vorsitzender des 1. FC Dilsberg

Auch das Vereinsleben prägte Wilhelm Berberich stark. Im Obst- und Gartenbauverein fand er eine Heimat, im 1. FC Dilsberg gleich eine zweite. 13 Jahre lang führte er den Verein als erster Vorsitzender, organisierte, gestaltete und packte an. Es waren die 60er- und 70er-Jahre – eine Zeit des Aufbruchs. Unter seiner Mitwirkung entstanden die Sportanlage, das Clubhaus, das 1967 mit einem Handschlag zwischen ihm und Dilsbergs Fußballstar Rainer Ohlhauser besiegelt wurde, sowie die Tennisplätze, die den Vereinssport auf eine neue Stufe hoben. Parallel mussten zentrale Aufgaben wie der Ausbau der Wasserversorgung durch aufwändige Kanalarbeiten bewältigt werden.

Tschernobyl: strahlenbelastete Kinder aufgenommen

Politisch engagierte er sich ebenfalls. Vor der Eingemeindung 1973 war er für die CDU Mitglied im Dilsberger Gemeinderat, danach im Ortschaftsrat und Gemeinderat der Stadt Neckargemünd. Mit Bürgermeister Julius Waibel arbeitete er in einer Phase zusammen, die den Ort nachhaltig veränderte. Doch sein Blick ging weit über Dilsberg hinaus. Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 berührte das Ehepaar Berberich tief. Im Rahmen der „Hilfe ohne Grenzen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes Mannheim nahmen sie strahlenbelastete Kinder und Jugendliche aus der Ukraine auf – eine Geste, aus der dauerhafte Beziehungen erwuchsen. Bis heute besteht Kontakt, und derzeit lebt eine fünfköpfige ukrainische Familie im Haus der Berberichs. Auch in der Zeit des Umbruchs in der DDR knüpften beide viele Verbindungen, reisten nach Ostdeutschland und nach Kiew und hielten diese Kontakte über Jahrzehnte hinweg lebendig.

Schafe, Bienen und ein Hund

Nach einem arbeitsreichen Berufsleben ging Wilhelm Berberich im Jahr 2000 in den Ruhestand – wobei „Ruhestand“ bei ihm ein relativer Begriff ist. Er widmete sich nun intensiv der Schäferei: Die Schafherde, aufgebaut von einem seiner Söhne, pflegte mit ihren Merinos die Landschaft unterhalb der Burgfeste. Dort fanden auch seine acht Bienenvölker ihren Platz. Oft war er mit seinem treuen Border Collie unterwegs, beobachtete seltene Vögel und Wildtiere und genoss die Stille der Natur. Spaziergänge mit dem Hund unternimmt er bis heute, auch wenn das Gehen inzwischen etwas beschwerlicher geworden ist.

So wird gefeiert

Seinen 90. Geburtstag feiert Berberich im Kreis der Familie mit Ehefrau, Söhnen, zwei Enkeln, mit Freunden und Weggefährten. Ortsvorsteher Andreas Erles wird kommen und das Goldene Buch mitbringen, in das sich der Jubilar eintragen darf.

Erscheinung
Neckarbote
NUSSBAUM+
Ausgabe 51/2025
von Redaktion NUSSBAUMRedaktion NUSSBAUM/du
16.12.2025
Orte
Neckargemünd
Kategorien
Panorama
Senioren