Wer hat schon eine solche Besonderheit aufzuweisen? Dass ein Musiker zum Jubiläum seines Orchesters eine eigene Komposition fertigt, eine Hommage auf seine Stadtkapelle, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Das Meisterstück hat der Posaunist Matthias Hutter, Leiter der örtlichen Musikschule, zustande gebracht und als bejubelte Uraufführung geboten.
Mit ihrem Jubiläums- und Weihnachtskonzert legte der Musikverein, der noch die Bezeichnung Stadtkapelle führt, ein imposantes Leistungsvermögen an den Tag. Die Zuhörer würdigten es mit wiederkehrendem starkem Applaus und am Ende mit dreimaligen Standing Ovations und vielen Komplimenten.
In Philippsburg dürfte die älteste Stadtkapelle im Südwesten bestehen. Die Gründung wird spätestens für das Jahr 1825 angenommen, als ein offizieller Dirigent einer siebenköpfigen städtischen Musikkapelle schriftlich überliefert wird. Wie sich die kleine Truppe im Laufe von zwei Jahrhunderten zu einer kulturellen Größe weiterentwickelt hat, durfte das Publikum in der vollbesetzten Jugendstilfesthalle bestaunen.
Auch mit immer weiteren Zugabe-Rufen honorierten die Zuhörer den Gesamterfolg des Dirigenten Ulrich Münchgesang, des Orchesters, der brillierenden Solisten und der ins Programm eingebauten Nachwuchskräfte der Musikschule. Das Weihnachtskonzert gehört seit Jahrzehnten in Philippsburg zu den bevorstehenden Festtagen wie der Christbaum. Wieder einmal zeigte sich: Musik ist die Sprache des Herzens.
Lauschen durften die zahlreichen Besucher einer ausgewogenen Mischung von weihnachtlichen, zunächst aber von genussvollen weltlichen Melodien. Den Beweis, wie mit Vielfalt und Vielseitigkeit zu überzeugen ist, lieferten die 20 hochmotivierten Instrumentalisten. Zur Freude aller traten auch vier wirbeltrommelnde Nikoläuse auf.
Nach Maß erfolgte der Auftakt mit der imposanten Polonaise aus der Oper Rusalka von Antonín Dvořák. Aus der Reihe der insgesamt 12 musikalischen Leckerbissen, einschließlich Zugaben, stachen die „Highlights from Chess“ mit dem Schreibmaschinen-Einsatz, die „Erinnerung an Zirkus Renz“ und der Marsch „Allgäuland“ hervor. Dazwischen durften sich die Zuhörer von Hutters „Ouvertüre 1825“ bezaubern lassen.
Beeindruckend fiel der „80er Kult“ aus, der die gern gehörten Superhits der 80er Jahre vereint. Zum beschaulichen Finale konnten sich die Gäste an dem 12-teiligen Weihnachtspotpourri „In heil’ger Nacht“ von Heinz Egidius erfreuen – und dabei kräftig mitsingen.
Stolz kann die Musik- und Kunstschule auf ihren erstaunlichen „Talentschuppen“ sein. Dazu zählen die Solisten Coco und Travis Hofmann, die mit vier Auftritten die Weltkomponisten Frédéric Chopin und Joseph Haydn gegenwärtig werden ließen. Peter Brand vom Blasmusikverband ehrte im Jubiläumsjahr vier Musiker für 40 aktive Jahre mit „Gold“: Rike Schreiner, Markus Schreiner, Mario Berny und Dietrich Hechler.
Werner Schmidhuber


