Aus der RNZ vom 20.11.2025 von Anna Haasemann-Dunka (Text, Bild)
Mit einer eindrucksvollen Aufführung von Karl Jenkins’ „Stabat Mater“ hat der Projektchor des Liederkranzes Bammental gemeinsam mit den Singing Friends, einem Ensemble der Kurpfalzphilharmonie und vier Gesangssolisten das Publikum in der voll besetzten evangelischen Kirche Bammental tief bewegt. Unter der Gesamtleitung von Wolfgang Sachs, der über 40 Sängerinnen und Sänger in intensiver Probenarbeit auf das anspruchsvolle Werk vorbereitet hatte, entstand ein musikalisches Ereignis von seltener Geschlossenheit und Ausdruckskraft.
Zum Auftakt erklang das Allegretto aus Karl Jenkins’ „Palladio“, gespielt vom Ensemble der Kurpfalzphilharmonie unter Konzertmeister Arne Müller – eine rhythmisch klare und kraftvolle Einstimmung auf das Hauptwerk des Abends.
Jenkins’ „Stabat Mater“ basiert auf dem mittelalterlichen Hymnus, der das Leid der Mutter Maria unter dem Kreuz ihres Sohnes schildert. Der walisische Komponist schuf 2008 daraus eine moderne, kulturell offene Deutung: klassische Choraltradition trifft auf Jazzharmonien, Filmmusik und Einflüsse aus orientalischer und afrikanischer Musik. Neben den lateinischen Versen klingen auch englische, hebräische, aramäische und altarabische Texte an – eine spirituelle Klangreise über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg.
Für Chor und Orchester bedeutete das eine große Herausforderung: der Wechsel zwischen gregorianisch anmutender Innigkeit und präzise rhythmisierten Ostinati, zwischen stiller Klage und leuchtenden Momenten der Hoffnung. Mit bemerkenswerter Sicherheit, klanglicher Disziplin und ausdrucksstarker Gestaltung meisterten die Sängerinnen und Sänger diese Gegensätze.
Ein wesentlicher Verdienst dafür gebührt Wolfgang Sachs, der die unterschiedlichen Klangwelten zu einem spannungsreichen Ganzen formte. Mit sicherem Gespür arbeitete er dynamische Feinheiten heraus, ließ den Chor atmen und führte alle Mitwirkenden zu eindringlicher Intensität.
Die Kurpfalzphilharmonie mit Konzertmeister Arne Müller zeichnete die fließenden Übergänge zwischen sinfonischer Fülle und kammermusikalischer Transparenz fein nach. Unter den Solisten ist besonders Claudia Hügel mit ihrem warmen, gefühlvollen Timbre hervorzuheben, während Zoe Park (Sopran, Theater Heidelberg), Don Seog (Tenor, Theater Mannheim) und Sören Lätsch (Bass) das emotionale Spektrum von Schmerz, Hingabe und Trost wunderbar überzeugend gestalteten.
Das Publikum dankte mit herzlichem Applaus – nicht nur am Ende, sondern auch zwischen den einzelnen Sätzen. Nach dem aufwühlenden „Stabat Mater“ setzten die Singing Friends mit den Spirituals „Were you there“ und „Give me wings to fly“ einen sanften, tröstlichen Schlusspunkt: Musik, die wohltuend und beruhigend wirkte.
So wurde der Abend zu einem bewegenden kulturellen Höhepunkt, bei dem Wolfgang Sachs und sein Ensemble Musik zu einem Brückenschlag zwischen Zeiten, Sprachen und Herzen werden ließen.


