Vor Ostern wurde es im Martin-Luther-Kindergarten ruhig. In der Turnhalle machten es sich die Kinder gemütlich, um einer besonderen Geschichte zu lauschen. Mit dem Erzähltheater Kamishibai und Bildern erlebten sie die Ostergeschichte - von Jesu Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung. Im Mittelpunkt stand Mia, ihr Bruder Theo und eine kleine Raupe.
Alles begann, als Mia draußen eine grüne Raupe fand. Begeistert brachte sie sie zu Theo. Gemeinsam richteten sie der Raupe ein Zuhause ein. Mia kümmerte sich täglich um sie, brachte frische Blätter und beobachtete, wie sie wuchs.
Doch dann wurde Mia traurig: Im Kindergarten hörte sie von Jesu Tod und verstand nicht, warum jemand sterben musste, der nur Gutes getan hatte. Zuhause entdeckte sie, dass sich auch ihre Raupe nicht mehr bewegte. Für sie war klar: Die Raupe ist tot.
Theo tröstete sie und erklärte, dass weder die Geschichte von Jesus noch die der Raupe mit dem Tod endet. Die Raupe hatte sich verpuppt. „Du musst Geduld haben“, sagte er.
Am Ostermorgen folgte die Überraschung: Der Kokon war leer. Zuerst erschrocken entdeckte Mia schließlich einen bunten Schmetterling. Aus der scheinbar toten Raupe war neues Leben entstanden.
Theo erklärte: „So wie die Raupe ein neues Leben bekommen hat, ist auch Jesus auferstanden.“ Mia verstand: Ostern bedeutet, dass das Leben stärker ist als der Tod.
Gemeinsam ließen sie den Schmetterling frei. Er flatterte davon – ein Zeichen für Hoffnung und neues Leben.
Die Geschichte macht das Ostergeheimnis für Kinder greifbar. Sie knüpft an ihre Lebenswelt und ihre Erfahrungen mit der Natur an. Eine Raupe, die sich verwandelt, ist etwas, das Kinder beobachten und nachvollziehen können.
Indem die Verpuppung zunächst wie ein Ende wirkt und anschließend in der Verwandlung zum Schmetterling endet, erleben die Kinder symbolisch, was „Neuanfang“ bedeuten kann. Aus einem schwer fassbaren religiösen Inhalt wird eine erfahrbare und bildhafte Geschichte: Ostern erinnert daran, dass Hoffnung und Leben stärker sind als der Tod.
Bine Schmider


