Es gibt Momente in der Musik, die möchte man nicht vergessen und die kann man nicht vergessen. Der international gefragte Tenor Tilman Lichdi entführte das begeisterte Publikum in der Leingartener Lorenzkirche bei der 38. Auflage von „Musik um sechs“ mit seinem neuen Solo-Programm „Lieder, die leuchten – Musik, die berührt – Worte, die bleiben“ in einen Abend voller Liebesglück und Liebesleid.
„Musik um sechs“ 2005 von Brigitte Eckstein ins Leben gerufen
Die Konzertreihe „Musik um sechs“ hat die frühere Jugendmusikschulleiterin und evangelische Kirchengemeinderatsvorsitzende Brigitte Eckstein im Oktober 2005 ins Leben gerufen. Seit über 20 Jahren ist sie die Organisatorin der Veranstaltung.
Pfarrer Bernd Rampmeier ist erfreut, diesmal den bekannten Sänger aus der westlichen Nachbarstadt lokal begrüßen zu dürfen. Mit dem Martin-Luther-Text „Die beste Zeit im Jahr ist mein, da singen alle Vögelein. Himmel und Erde ist der voll, viel gut Gesang da lautet wohl“, gibt der evangelische Geistliche den Startschuss zu einem fantastischen, noch lange nachklingenden Konzertabend der Extraklasse.
Tiefe, Wärme und viel Herz
Mit Tiefe, Wärme und viel Herz bringt Tilman Lichdi in seinem Konzert deutschsprachige Lieder von Herbert Grönemeyer, Danger Dan, Carolin No und seiner Schwester Griseldis Lichdi zu Gehör, die er sensibel, ohne Verstärker auf dem E-Piano begleitet. Sämtliche
Titel und Texte trägt der 52-jährige Schwaigerner auswendig vor.
Einfühlsam spricht der Sänger zwischen den Songs deren deutsche Texte als poetische Reflexionen über Liebe, Verlust und Nähe. Die rund 150 Besucherinnen und Besucher im altehrwürdigen Großgartacher Gotteshaus sind tief beeindruckt. Sie bekommen an diesem Abend eine 90-minütige Sternstunde der Kunst zum Genießen mit Gänsehautfeeling geboten.
„Die Liebe spielt eine große Rolle in meinem Programm“, erklärt Tilmann Lichdi und zitiert den Bibeltext aus Johannes vier, Vers 16, in dem es heißt: „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm“.
Werke von Herbert Grönemeyer
Der Musiker und Schauspieler Herbert Grönemeyer steht im Mittelpunkt von Lichdis Repertoire, von dem er Titel wie „Tau“, „Deine Zeit“, „Der Weg“ oder „Behutsam“ rezitiert und mit seiner außergewöhnlichen Stimme erklingen lässt. Der Solist erzählt und singt in „Mein Lebensstrahler“ auch von Grönemeyers an Krebs verstorbener Frau. „Gebt auf eure Liebe acht. Seht immer wieder im Herzen nach, dass kein einziges Gefühl dort still verdorrt“, heißt es in seiner für sie geschriebenen Liebesmelodie „Immerfort“.
Mit leisen Tönen und kräftig anschwellenden Forte-Passagen versteht es der Sänger, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Die Kadenz am Ende des Liedes „Ich hab dich lieb“ lässt die Zuhörer aufhorchen. Diese habe Grönemeyer bei einem Livekonzert auch probiert, erläutert Lichdi verschmitzt lächelnd. Aber auch Titel des Gesangsduos Carolin No („Wünsche“) und des deutschen Musikers Danger Dan („Eine gute Nachricht“) hat Tilmann Lichdi in seinem neun Songs umfassenden Programm. Als Zugabe gibts ein Medley, das mit einem von seiner Schwester komponierten Wiegenlied endet. Anhaltender Applaus und Jubel der Begeisterung sind der Dank des Publikums für Tilmann Lichdis großartige musikalisch-literarische Vorstellung.
„Ich bin bis ins Herz berührt von der Ausstrahlungskraft der Liebe, die auch mein Leben war“, schwärmt die Leingartenerin Hilde Reuther (91) von dem „unvergesslichen Liederabend“.
Text und Fotos: Josef Staudinger