Der Verein zur beruflichen Integration und Qualifizierung e. V. (VbI), ein gemeinnütziger Beschäftigungsträger und sozialer Dienstleister mit Sitz in Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis, verfolgt seit dem Jahr 2000 das Ziel, Menschen, die am allgemeinen Arbeitsmarkt benachteiligt sind, wieder den Zugang zu Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen. Mit einem breiten Spektrum an Beratungsleistungen – von Schuldnerberatung über psychosoziale Betreuung bis zur Jugendberufshilfe – engagiert sich der VbI besonders stark in der Region wie auch in Wiesloch.
In Wiesloch bietet der VbI unter anderem das Projekt „TaBeA – Tagesstrukturierende Beschäftigung mit Anschlussperspektive“ an. Dieses niederschwellige Angebot richtet sich an Menschen im Bürgergeld-Bezug, denen es zunächst darum geht, wieder eine tägliche Struktur zu erhalten und langsam zurück in den Beruf zu finden. Dafür stellt das Haus Orte wie eine Holzwerkstatt, einen Garten, eine Küche, einen Computerraum sowie ein Kunstatelier zur Verfügung. In diesen Bereichen können die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten praktisch wieder erproben – begleitet von individueller sozialpädagogischer Betreuung.
Früher teilte sich der VbI mit der BIWU in Alt-Wiesloch ein Gebäude. Nach dem Großbrand 2015 verloren sie ihr damaliges Zuhause. Doch glücklicherweise fand sich schnell ein neues Domizil in der Lechner Mühle in der Baiertaler Straße. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richteten das kleine, charmante Haus so schnell wie möglich für die Bedürfnisse des VbI ein und hielten das Beratungsangebot die ganze Zeit aufrecht, trotz der widrigen Umstände.
Heute ist der neue Standort ein lebendiger Ort, an dem das Konzept der Tagesstrukturierenden Beschäftigung in der Praxis lebt: Menschen werden sanft wieder fit gemacht für Alltag und Beruf. Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter strukturieren den Tag, schaffen Gemeinschaft und ermöglichen erste Erfolgserlebnisse – zentrale Bausteine, um wieder am Leben teilzunehmen.
In der Holzwerkstatt entstehen handgemachte Projekte, im Kunstatelier und in der Küche wird gemeinsam kreativ gearbeitet, und der Garten liefert frische Zutaten: Gerade bereitet ein Teilnehmer Kartoffelpuffer für das gemeinsame Mittagessen zu, und keltert Saft aus den eigenen Trauben.
Florian Kegel und Stefanie Szonn führen durch das Haus – und man spürt sofort ihre Leidenschaft für die Arbeit. Ihre Aufgabe ist alles andere als leicht: Viele Teilnehmende, die jobcentergefördert eine zwölfmonatige Maßnahme beginnen, stehen vor multiplen Herausforderungen. Sozialphobien sind besonders nach Corona keine Seltenheit: Einige Teilnehmende hatten bis zu zwei Jahre so gut wie keine sozialen Kontakte. Es gibt Teilnehmende, die anfangs nicht einmal direkt neben jemandem sitzen konnten und sich vorsichtig herantasten mussten.
Szonn strahlt, wenn sie von Fällen erzählt, die einst „aussichtslos“ wirkten und heute arbeiten und ihr Leben selbstständig meistern. Auch Rückschläge sind regelmäßig Teil der Arbeit. Beide betonen das gute Miteinander im Team, das sich gegenseitig auffängt, wenn die Helfer selbst mal Hilfe und Trost brauchen.
Kegel und Szonn schätzen die gute Zusammenarbeit mit den Behörden in Wiesloch. Szonn hält regelmäßigen Kontakt zum Jobcenter, und das Pastorat vernetzt lokale Institutionen regelmäßig, was die Zusammenarbeit effektiver mache. Die größte Herausforderung bleibt jedoch die komplexe Bürokratie in Deutschland und die mangelnde Vernetzung der Ämter. Der VbI muss mit Behörden im ganzen Rhein-Neckar-Kreis zusammenarbeiten. Viele Teilnehmende besitzen kein digitales Endgerät. Selbst wer eines hat, scheitert häufig an der technischen Komplexität. Die VbI-Mitarbeitenden investieren immer mehr Zeit, um bei Behördenangelegenheiten zu unterstützen. Das Jobcenter ist nur noch über eine App und nicht mehr persönlich erreichbar. Für Kegel eine Entwicklung, die an der Realität der Hilfesuchenden klar vorbeigeht und schlicht nicht funktioniert.
Kegel und Szonn wünschen sich mehr Menschlichkeit: Wenn zum Beispiel jemand seine Wohnung zu verlieren droht, sei ausschließliche Zuständigkeitsdenke nicht angebracht. Gleichzeitig wächst der Bedarf an psychosozialer Beratung. Hier wurden 2024 insgesamt 116 Personen beraten und unterstützt, und bis August waren es im laufenden Jahr bereits 130, bei nur einer verfügbaren Personalstelle und dem dauernden Kampf gegen die deutsche Überkomplexität der Ämter.
Der VbI Wiesloch schließt eine wichtige Lücke in der sozialen Unterstützung. Er begleitet Menschen, die ohne Hilfe kaum Chancen hätten, den Weg zurück in Alltag und Arbeitswelt zu finden. Mit seinem Angebot an strukturierenden Beschäftigungen und individueller sozialpädagogischer Begleitung trägt er dazu bei, Isolation zu überwinden, psychische Stabilität aufzubauen und langfristig die Chancen auf Arbeitsmarktintegration zu verbessern. Gerade weil viele Teilnehmende durch komplexe Problemlagen nicht allein zurechtkommen, sind Orte familiärer Atmosphäre und Betreuer mit so viel Überzeugung und Ausdauer wie das herzliche Team des VbI Wiesloch unverzichtbar. (ch)
