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Aus dem Geschäftsleben

Ein Rückblick auf die Plänkschder Wirtschaften

Fortsetzung - Teil 2 Besondere Kuriositäten unter den Plänkschder Wirtschaften Zu den originellsten Gasthäusern in Plankstadt gehörte...
Das frühere Gasthaus "Zum Erbprinzen"Foto: Gemeindearchiv

Fortsetzung - Teil 2

Besondere Kuriositäten unter den Plänkschder Wirtschaften

Zu den originellsten Gasthäusern in Plankstadt gehörte zweifelsfrei der alte „Erbrinzen“ im Waldpfad, bevor dort die Metzgerei Engelhardt entstand. Es ist heute eigentlich gar nicht mehr vorstellbar, daß im alten Erbprinzen links vom Eingang zu bestimmten Zeiten der Arzt Dr. Julius Deussen hinter einem Bretterverschlag ordinierte. Das wäre doch auch was für heutige Zeitgenossen: das Wartezimmer ist gleichzeitig Gaststube und die Wartezeit läßt sich wohlig bei einem Glas Bier oder auch zweien erträglich gestalten. Fraglich ist nur, ob da die Krankenkassen heute auch noch mitspielen würden! – Fast niemand mehr kann sich kann sich noch an die alten Wandmalereien in der Gaststube des Erbprinzen erinnern - Altbürgermeister Werner Weick hatte sie gesammelt und Eugen Pfaff hat sie im Heimatbuch von 1971 verewigt.

Hier einige Spruch - Beispiele aus dem Erbprinzen: „Komm herein, du edler Gast, wenn du Geld im Beutel hast. Hast du Geld, dann setz‘ dich nieder, hast du kein‘s, dann geh gleich wieder.“ - „Abends vull, morgens null.“, - „Lieber Gast, halt’s Maul, ist der Wein auch faul, ist der Wein auch schlecht, die Etikette war echt.“ – „Nach alter Sitt‘, in deutscher Mitt‘, kommt trinkt euch alle Sorgen quitt!“ – „Mit Bier und Wein wird nicht getauft, weil der Wirt gern selber sauft.“ – „Mancher möchte gern trinken und essen, aber er hat das Arbeiten vergessen!“ – „Los ma des e weg.“

Solche Wandmalereien gab es auch andernorts, bekannt geworden sind in badischen Gasthäusern auch Malereien mit Motiven aus der Zeit der Badischen Revolution von 1848, mit denen Bürger ihren Willen nach mehr Freiheit und Demokratie demonstrierten. - Im alten Welde – Bräu in Schwetzingen, dem „Grünen Laub“, war der aufmunternde Spruch zu lesen: „Ess‘ und trink‘ solang Dir’s schmeckt, schon zweimal ist uns s‘ Geld verreckt!“ - Und heute: Sowohl das Gasthaus „Zum Erbprinzen“ als auch die Metzgerei Engelhardt gehören der Vergangenheit an! Nach Verkauf und Umbau ist dort 2026 im Waldpfad ein Wohnhaus entstanden.

In den meisten Gaststätten befanden sich die sanitären Anlagen noch im Hof in der Nähe des Mistlochs und der Ställe – „Pissoir im Hof“ oder „Zu den Aborten“ stand meist wenig galant auf einem Emailleschild. Damentoiletten lagen meist etwas versteckt. Offenbar lohnte sich der Einbau einer getrennten Damentoilette nicht immer, da diese nur an wenigen Tagen im Jahr wie z.B. an Kerwe die Gasthäuser zusammen mit ihren Männern besuchten. Zu den meisten Nachmittagsstunden fand man Kartenspieler – Gruppen in den Wirtschaften. Gespielt wurde beileibe nicht nur Skat. Beliebte Spiele waren auch Schafkopf und „Gselles“, im Erbprinzen trafen sich die „Bulle-Brüder“, eine Kartenrunde (das Spiele nannte sich „Bulles“) um den Mitsche-Schorsch, Alfred Seitz und den „Sesslers - Spetz“ (Alois Sessler) mit heute weitgehend unbekannten Spielregeln, die keiner mehr richtig zu erläutern vermag.

Als aus dem Saal das Kino wurde

Eine Wirtschaft, so alt wie das Jahrhundert, ist auch der „Rosengarten“. Das Gasthaus hatte nach früheren Maßstäben eine sehr günstige Lage, denn die meisten, die aus dem Unterdorf zum Bahnhof mussten, passierten die Stelle, da lag es nahe, auf dem Heimweg mal einen Halt einzulegen. Der Tanzsaal wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Kino, den„Rosengarten – Lichtspielen“, umgebaut.

Wer von den Älteren hätte an das Kino im Rosengartensaal keine Erinnerungen? Zunächst gab es ja in den 50er Jahren keine Eingangshalle, wie sie dort heute noch zu sehen ist. Sonntags nach dem Mittagessen versammelten sich die Kinder und Jugendlichen auf der Straße davor zum Besuch der Nachmittagsvorstellung. Dann wurde das große Hoftor einen Spalt breit geöffnet und ein Schwung Kinder wurde hineingelassen – gerade soviel, wie die Kasse verkraften konnte. Waren die ersten abkassiert, wiederholte sich das Spiel. Meist war das Kino bis auf den letzten Platz besetzt und entsprechend geräuschvoll ging es zu. Ohrenbetäubendes Geschrei, wenn der Gong ertönte, das Licht ausging und sich gleichzeitig der schwarze Vorhang öffnete. Resolutes Aufsichtspersonal sorgte dafür, dass die Stimmung nicht überschwappte. Die jungen Besucher und die „Halbstarken“ lebten mit den Vorgängen auf der Leinwand richtig mit, verdammten lautstark „die Bösen“ und litten oder siegten mit „den Guten“. Da man sich die meist englischen Namen der Helden nicht merken konnte – es handelte sich meist um Western – Filme, wurde der Held von allen „der Starke“ genannt.

Mit Pfiffen, lauten Kommentaren und Beifall bis hin zum frenetischen Jubel wurden die Aktionen kommentiert, „der Starke“ wurde auf drohende Gefahren aufmerksam gemacht „Achtung, hinnerm Felse hogg’da!“ - Ehrensache, daß die Geschehnisse im Anschluss an den Film und an den Tagen danach von den Buben nachgespielt wurden: im Dolleloch, in den Bellen, in den Hecken an der Bahnlinie, in der Gänsweid und eben überall dort, wo bevorzugte Plätze dafür geeignet waren.

Immer wieder gab es natürlich auch pubertierende Jünglinge, die schon damals die Dunkelheit des Kinoraums ausnutzten, um besonders in den hinteren Reihen erste erotische - nach heutigen Maßstäben meist harmlose - Erfahrungen zu sammeln. Dies um so mehr, nachdem das Kino umgebaut und modernisiert worden war; nun gab es die Logenplätze, abgeteilt vom übrigen Raum und davor den gepolsterten Sperrsitz, dessen Benutzung auch einen Aufpreis verursachte. Aber auch der „Rasiersitz“, die ersten Reihen, waren immer gut besucht. Rasiersitz deshalb, weil man, um das Geschehen auf der Leinwand verfolgen zu können, den Kopf wie beim Rasieren beim Frisör weit zurücklegen musste.

Das Kino wurde später in eine Art Discothek, das „Film-Studio“ umgewandelt und in den letzten Jahren schließlich gänzlich zu Wohnungen umgebaut. Die Gaststätte Rosengarten ist heute in türkischer Inhaberschaft und nennt sich „Bodrum“.

Die Gaststätte „Zur Rose“ in der Schwetzinger Straße, an deren Platz sich heute ein Sanitätshaus befindet, wurde 1860 von Johann Peter Gaa II. als Gaststätte und Metzgerei gegründet, und der Wirt musste, um zur Konzession zu gelangen, auch Möglichkeiten zur Beherbergung nachweisen.

Auch die Nachfolger mussten zusehen, dass das Geschäft floriert und entwickelten für die damalige Zeit schon originelle „Marketing-Methoden“: so berichtete mein Großvater vom Rose-Wirt Georg Michael Gaa, der sich zu der Tageszeit, als die Arbeiter aus dem Unterdorf auf dem Weg zum Bahnhof waren, mitten auf die Kreuzgass’ stellte – das war beim damaligen Verkehrsaufkommen noch kein Problem - und mit lauter Stimme verkündete: „Strömt herbei, ihr Völkerscharen, denn das Bier hat abgeschlagen – bei Georg Michael Gaa im Gasthaus „Zur Rose“ zu Plankstadt“. Überliefert wurde auch der Spruch „In der Ros’, do isch da Deifel los; do gibt’s gebreedelde Kadoffel, Knoche uhne Soß’ !“ So war das in alter Zeit! Später, in den 60er Jahren, als der ebenfalls legendäre Fichtners-Michl die Wirtschaft führte, wurde der Saal zu einer Diskothek mit Namen „Waggon-Wheel“ umfunktioniert; in der Disco legte Wolfgang Rettig als Disc-Jockey auf! - Die Metzgerei wurde schon 1955 aufgegeben, der Gaststättenbetrieb schloss endgültig 1969.

Weiter gehört zu den nicht mehr existierenden Gaststätten auch der „Rote Schneider“ in der Wilhelmstraße im Haus der ehemaligen Metzgerei Wettstein. Dieses Gasthaus mit Metzgerei wurde 1924 von Wilhelm Schneider eröffnet und die Gaststätte schloss 1969 ihre Pforten.

Die traditionsreiche Gaststätte „Zum Adler“ in der Schwetzinger Strasse, bereits im Jahre 1838 durch Hermann Treiber gegründet, hat durch zahlreiche An- und Umbauten in den vergangenen fast 200 Jahren vielfache Veränderungen erfahren. Das Gebäude, das seit dem frühen Tod von Adlerwirt Karl Treiber manche Pächterwechsel erlebte, hatte keinen Bestand mehr, der Zahn der Zeit hatte zu sehr an ihm genagt – und heute ist dort ein Dienstleistungszentrum entstanden mit Sparkasse, Senioren-Pflegewohnungen, Arztpraxen, Zahnarzt, Therapiepraxis, einem großen Parkplatz im Rückraum und dem Durchgang zur Friedrichschule und der Sporthalle.

Betrachtet man heute die Besucherzahlen der meisten Gaststätten in Plankstadt, so mag man kaum glauben, daß in früheren Zeiten, als den Menschen das Geld noch nicht so locker saß, die Wirte in Plankstadt ihr Auskommen hatten. – Aber – und das lässt sich gerade bei Wirten ausländischer Herkunft gut beobachten – Grundlage der funktionierenden Gastwirtschaft war und ist auch die Tatsache, dass die Familienmitglieder alle fest in den Betrieb mit eingebunden waren und auf fremdes, und damit entsprechend zu honorierendes Personal, weitgehend verzichtet werden konnte. Nur bei besonderen Gelegenheiten, wenn viele Gäste zu erwarten waren – wie an Kerwe oder bei Hochzeiten – verpflichtete der Wirt kurzfristig für diesen Tag Bedienungen. Es waren meist immer dieselben Frauen, von denen man dann beispielsweise erläuternd sagte „die hot als frieher im Adler uffgetroare“ und die sich so ein Zubrot verdienten. - Hinzu kommt, dass die Gaststättenimmobilien im Besitz der Betreiber waren und somit keine Pachtausgaben anfielen; auch die Landwirtschaft sorgte bei manchen noch für ein zweites Standbein.

Aber nicht nur die alteingesessenen Gaststätten machen schwere Zeiten durch: auch das seit dem Neubau 1991 im Gemeindezentrum befindliche „Cafe 2000“ - in zentraler Lage im Ortsmittelpunkt – hat unruhige Zeiten hinter sich, was sich durch mehrfachen Pächterwechsel dokumentiert. Vom ‚Cafe 2000‘ wurde es umbenannt zum ‚Delle Rose‘ und hatte dann durch Pächterwechsel noch einige andere Namen – heute finden wir dort das prosperierende „Marktcafe Panorama“, das sich bei der Bevölkerung wieder großer Beliebtheit erfreut und zu einem schönen und empfehlenswerten Treffpunkt in der Ortsmitte geworden ist.

Gemeindearchivar Ulrich Kobelke

Foto: Gemeindearchiv

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