Nussbaum-Logo
NUSSBAUM+
Musik

Ein Ruhepol im Alltag: Geistliche Abendmusik begeistert Zuhörer

Die evangelische Stadtkirche wurde am vergangenen Mittwoch einmal mehr zum Schauplatz eines besonderen kulturellen Lichtblicks. Im Rahmen der beliebten...
Meisterhafte Interpretation: Christa Feige brachte Werke von Bach, Schubert und Mendelssohn in der Stadtkirche zum Klingen.Foto: Andrea Strittmatter

Die evangelische Stadtkirche wurde am vergangenen Mittwoch einmal mehr zum Schauplatz eines besonderen kulturellen Lichtblicks. Im Rahmen der beliebten Reihe „Mittwochsmusik“ lud die Kirchengemeinde zu einer halben Stunde des Innehaltens ein, die in ihrer musikalischen Dichte und emotionalen Tiefe die Besucher aus dem hektischen Alltag entführte. Im Zentrum des Programms stand dieses Mal die klanggewaltige Welt der Orgelmusik, ergänzt durch feinfühlige vokale Akzente.

Von Bachscher Strenge zu Schubertscher Innigkeit

Den Auftakt gestaltete Christa Feige mit Johann Sebastian Bachs „Fantasie und Fuge in c-Moll“. Mit einer beeindruckenden interpretatorischen Sicherheit füllte sie den Kirchenraum und ließ die komplexe Architektur des Bachschen Werkes an der klangschönen Plum-Orgel lebendig werden. Doch die Orgel blieb an diesem Nachmittag nicht das einzige Ausdrucksmittel. In einer wunderschön geführten Legato-Kantilene erklang Franz Schuberts berühmtes Lied „An die Musik“. Besonders die Schlusszeile „in eine bessre Welt entrückt“ schien für die Anwesenden in der Stadtkirche greifbar zu werden; die Atmosphäre war von einer fast andächtigen Stille geprägt, während die Zuhörer den Klängen folgten.

Zeitlose Emotionen und meisterhafte Registrierung

Dass klassische Musik keineswegs verstaubt sein muss, bewies das darauffolgende Schubert-Lied „Lachen und Weinen zu jeglicher Stunde“. In einer Zeit des 21. Jahrhunderts, in der vielen Menschen angesichts der Weltlage oft genau nach dieser Ambivalenz der Gefühle zumute ist, wirkte das Stück erschreckend aktuell. Christa Feige arbeitete die feinen Nuancen des Werkes akribisch aus und wurde dabei von ihrem Ehemann am Instrument kongenial begleitet – ein Zusammenspiel, das durch blindes Verständnis bestach.

Zum krönenden Abschluss kehrte das Programm zur Orgel und zur Tonart c-Moll zurück, die schon bei Bach den Ton angegeben hatte. Mit einem Werk von Felix Mendelssohn Bartholdy schloss sich der Kreis. Diese „Lachen-und-Weinen-Tonart“, die man auch aus Beethovens Schicksalssymphonie kennt, bot Christa Feige erneut die Gelegenheit, ihr Können an der Registrierung unter Beweis zu stellen. Die Plum-Orgel erstrahlte in ihrer ganzen klanglichen Vielfalt, mal majestätisch-dunkel, mal brillant-klar.

Ein Geheimtipp für die Seele

Trotz der hohen künstlerischen Qualität und der tief empfundenen Freude, die Christa Feige den Gästen bereitete, bleibt die Mittwochsmusik ein Format, das laut Meinung vieler Besucher noch deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Die halbe Stunde bot eine ideale Gelegenheit, in das unendliche Reich der Fantasie abzutauchen und neue Kraft zu schöpfen. Wer diesen musikalischen Ruhepol einmal erlebt hat, wird sicherlich zum „Wiederholungstäter“ in der Stadtkirche werden. (as/red)

Erscheinung
Wildbader Anzeigenblatt mit Calmbacher Bote und den Amtlichen Bekanntmachungen von Enzklösterle
NUSSBAUM+
Ausgabe 18/2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
Orte
Bad Wildbad
Enzklösterle
Kategorien
Kultur
Musik