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Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie. (Teil 3)

Am 11. April 2026 jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers KZ Buchenwald zum 81. Mal. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft...
Jüdisches Mahnmal: Mit Steinen aus dem Buchenwalder Steinbruch auf der Grundfläche des ehemaligen jüdischen Blocks 22 erbaut, wurde das Mahnmal am 9. November 1993 geweiht. Die Inschrift (Psalm 78,6) in Englisch, Hebräisch und Deutsch lautet: „Auf dass erkenne das künftige Geschlecht, die Kinder, die geboren werden, dass sie aufstehen und erzählen ihren Kindern.“Foto: Claus Bach, Gedenkstätte Buchenwald

Am 11. April 2026 jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers KZ Buchenwald zum 81. Mal. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und internationale Gäste versammelten sich an der Gedenkstätte auf dem Ettersberg, um der Opfer des NS-Terrors zu gedenken und die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten. Die Gedenkfeier stand auch in diesem Jahr im Zeichen der Verantwortung, die aus der Geschichte erwächst – für Demokratie, Menschenwürde und ein entschiedenes Eintreten gegen jede Form von Ausgrenzung und Extremismus.

Die beeindruckende Hauptrede von Hape Kerkeling geben wir hier im Wortlaut in vier aufeinanderfolgenden Artikeln wieder*. Am Ende des zweiten Teils sagte Kerkeling:

„Wir, die Bürger der Bundesrepublik Deutschland, tragen keine Schuld an den Taten von damals. Aber wir tragen die Verantwortung für die Konsequenzen dieser Taten im Hier und Jetzt.“

Heute Teil 3:

„Anwesend sind unsere Freunde Andrei Moiseenko aus Belarus und Alojzy Maciak aus Polen. Seien Sie sehr herzlich willkommen!

So etwas wie eine „Gnade der späten Geburt“ gibt es nicht, es gibt nur die Pflicht der späten Erkenntnis. Wer heute behauptet, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, der hat nicht verstanden, dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind. Sie warten darauf, in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, im dumpfen Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden.

Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das Einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt.

Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen! Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Artikel 1 des Grundgesetzes ist die direkte, in Stein gemeißelte Antwort auf Buchenwald. Er ist die Antwort auf die Effektenkammer, auf die Selektion, auf die Vernichtung von Menschen.

Wer diese wertvolle Erinnerung ausblenden will, wer diese Zeit zu einem „Vogelschiss“ herabwürdigen will, der greift unser Fundament an. Eine Gesinnung, die Menschen wieder ausgrenzt, die Gesellschaft spaltet und Verbrechen relativiert, hat auf dem Boden dieses Landes keine Berechtigung. Das ist eine historische Notwendigkeit.“

*Abdruck mit Genehmigung von Hape Kerkeling.

Nächste Woche folgt Teil 4.

(Katrin Coch)

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Mitteilungsblatt der Stadt Schriesheim
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Ausgabe 19/2026
Dieser Inhalt wurde von Nussbaum Medien weder erfasst noch geprüft. Bei Beschwerden oder Anmerkungen wenden Sie sich bitte an den zuvor genannten Erfasser.
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