Die beeindruckende Hauptrede von Hape Kerkeling anlässlich der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April 2026 geben wir im Wortlaut in vier aufeinanderfolgenden Artikeln wieder*. Die Teile 1 bis 3 erschienen an dieser Stelle in den Vorwochen.
Am Ende des dritten Teils sagte Kerkeling:
„Eine Gesinnung, die Menschen wieder ausgrenzt, die Gesellschaft spaltet und Verbrechen relativiert, hat auf dem Boden dieses Landes keine Berechtigung. Das ist eine historische Notwendigkeit.“
Heute Teil 4 und damit letzter Teil:
„Am Tor von Buchenwald steht dieser furchtbare Satz: „Jedem das Seine“. Die Nazis meinten damit: Den Häftlingen den Tod, uns die Macht. Aber wir, die Nachfahren, wir deuten das heute um. „Jedem das Seine“ bedeutet für uns: Jedem Menschen seine unveräußerliche Würde. Jedem Menschen seine Freiheit. Jedem Menschen sein Recht, so zu sein, wie er ist – egal woher er kommt, woran er glaubt oder wen er liebt.
Ich habe lange gebraucht, um über das Schicksal von Opa Hermann zu sprechen. Aber jetzt ist die Zeit gekommen. Wir, die Nachfahren der Überlebenden, müssen die Wächter der Erinnerung sein, nicht aus Bitterkeit, sondern aus tiefer Liebe zur Freiheit.
Demokratie ist kein Geschenk, das man einmal erhält und dann besitzt; sie ist ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue gegen die Bequemlichkeit des Wegsehens verteidigen muss.
Für mich ist Buchenwald kein abstrakter Erinnerungsort. Er gehört auf bedrückende Weise zu meiner Familiengeschichte. Ich tue das heute auch, weil mich die aktuelle politische Entwicklung in unserem Land zutiefst alarmiert. Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren. Buchenwald ist eine steingewordene Warnung. Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig.
Opa Hermann hat geschwiegen, um seine Familie zu bewahren. Ich spreche heute, um ihn und alle Opfer, die hier litten und starben, zu ehren. Und ich bitte Sie alle: Sprechen auch Sie. Lassen Sie nicht zu, dass das Schweigen wieder die Oberhand gewinnt. Denn die Demokratie lebt nicht vom Wegsehen, sondern vom mutigen Hinsehen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das ‚Nie wieder‘ kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist.
Vielen Dank.“
*Abdruck mit Genehmigung von Hape Kerkeling.
Die gesamte Rede können Sie gerne auf unserer Internetseite nachlesen:
gemeinsam-fuer-demokratie-schriesheim.de
Katrin Coch, für die Initiative Gemeinsam für Demokratie


