
Ein kleines Jubiläum wurde 2025 vergessen. 75 Jahre waren es her, dass nach Einstellung der Flößerei 1911 wieder eine Floßfahrt in Altensteig stattfand.
1950 feierte Altensteig seine 850-Jahrfeier mit einem großen Umzug und Floßfahrt über den Eselsgumpen bis zu Sägewerk Fezer. Die Altensteiger waren begeistert!
Dem Umzug voran, die Stadtkapelle mit Musikdirektor Kurt Maier. Verschiedene Figuren bevölkerten den bunten Festzug. Altensteiger Originale wurden mit zusammengewürfelten Kostümen dargestellt. Nachtwächter Ernst Wochele war mit einem mächtigen Schnurrbart ausgestattet und sollte wohl den letzten, 1897 verstorbenen, Nachtwächter Friedrich Bock darstellen. Die Feuerwehr von 1788 Wörnersberg waren im Zuge der Nachbarschaftshilfe mit dabei. Und natürlich durften auch die Flößer nicht fehlen, die allerdings hauptsächlich, in Ermangelung der hohen Original-Lederflößerstiefeln, Rohrstiefel anhatten. Es war ein ausgelassenes Fest, dessen Höhepunkt die Floßfahrt auf der Nagold war.
Die Begeisterung darüber brachte einige Männer um Fahrschullehrer Hans Schnierle zusammen und sie gründeten 1951 eine Flößerzunft. Dieser Hans Schnierle, Besitzer der Wirtschaft „Drei König“, baute sie zu einer dreigeteilten Gaststättte um (neben seiner kleinen Wein- und Spirituosenhandlung) und machte aus dem hinteren Raum eine Flößerstube.
In der Ortspresse wurde dieses Ereignis so beschrieben: “Hier in der Flößerstube ist ein Raum geschaffen worden, der den Besucher ordentlich zum pokulieren einlädt. Die Decke ist wie die Wände holzgetäfelt. Sämtliche Wände sind wieder in kunstvolle Brandmalereien mit Bildern aus dem Wirtsleben geschmückt. Das Prachtstück des Raumes ist ein wundervoll geschnitzter Leuchter mit Gestalten aus dem längst vergangenen Flößergewerbe“.
Das Vorhaben der Flößerzunft war, in der Heimatstadt der „Flößer und Gerber“, jedes Jahr eine Floßfahrt mit Flößerfest zu organisieren. 1951 wurden zwei Flöße auf die Fahrt geschickt.
Mit dabei waren die Flößer Karl Bauer, Eugen Rasp, Wilhelm Breitenreuter, Hans Schnierle, Ernst Schmied, Ernst Wackenhut, Ernst Ergenzinger und Karl Welker. Ernst Wochele fuhr als Nachtwächter mit und Hermann Schwab als Flößerhexe.
Auf dem Jugendfloß standen unter anderem Horst Ehnis, Siegfried Raisch, Manfred Henssler, Robert Wochele, Werner Rauschenberger. Auch der SWV war vertreten zum Beispiel mit Karl Müller, Dieter Dorner, Arthur Rothmund, Oskar Schilling und Siegfried Loeckle.
Es war eine tolle Gaudi mit vielen Zuschauern, die die mutigen Floßfahrer anfeuerten und beklatschten. Doch ein Jahr später fand die geplante Floßfahrt nicht mehr statt.
Erst 36 Jahre später, zur 700-Jahrfeier der Stadtgeschichte Altensteigs, fanden sich wieder Männer zusammen, die unter dem Vorsitz von Revierförster Otto Weiß eine Flößerzunft gründeten. Diese organisierten ein Flößerfest und fuhren unter den Augen des damaligen Landrats Dr. Zerr, Forstdirektor Armin Ott, Flußmeister Banzhaf, Bürgermeister Rommel und vielen Prominenten, mit einem Floß durch die Monhardter Wasserstube. Sie war einst eine der bedeutendsten Wasserstuben im Nagoldtal und nach Originalplänen von 1893 wieder aufgebaut worden. Martin Spreng