Der Vortrag von Dr. Steffen Seischab am 15. April hat viele Besucher bewegt. Herr Seischab hat uns folgende Handreichungen übermittelt, wie bei persönlichem Interesse eine Recherche möglich und sinnvoll ist. Hier sind seine Tipps:
Wie recherchiere ich zu in der NS-Zeit in Haft gewesenen Kommunisten und anderen Widerständlern?
1. Im Internet in der Häftlingsdatenbank des DZOK Ulm nachschauen. Dort sind Personen erfasst, die entweder im KZ Heuberg oder im KZ Oberer Kuhberg Ulm oder im KZ Gotteszell (Frauen) einsaßen. Achtung: die DZOK-Datenbank ist weder vollständig noch in allen Details korrekt. Aber eine erste Anlaufstelle, und am Ende des Eintrags sind auch zu den jeweiligen Personen bekannte Quellen und Literaturangaben zusammengestellt.
2. Im Staatsarchiv Ludwigsburg nachfragen. Dort liegen z.B. die Akten der Wiedergutmachungsanträge, die vom Nationalsozialismus Verfolgte in den 1950er oder 1960er Jahren gestellt haben. Mit etwas Glück kann man dort auch Häftlingsakten aus württembergischen Strafanstalten (zum Beispiel Ludwigsburg oder Hohenasperg) finden. Diese Überlieferung ist aber lückenhaft, da wurde viel vernichtet. Dort vorhanden sind auch manche Prozessakten, z.B diejenigen des großen Sammelprozesses gegen die sogenannte Widerstandsgruppe Köngen 1934/35 vor dem OLG Stuttgart mit Urteil vom 2. Februar 1937. Aber viele andere Prozessakten gibt es nicht mehr. Trotzdem danach fragen. Bei einem Besuch alle vorhandenen Infos und Dokumente mitnehmen.
3. Bei den Gedenkstätten der jeweiligen KZs anfragen, in denen der Betroffene inhaftiert war. Die haben jeweils ein eigenes Archiv und mitunter auch eine online gestellte Häftlingsdatenbank wie das DZOK Ulm. Keine Gedenkstätte gibt es zum KZ Welzheim. Die KZs Heuberg und Gotteszell werden vom DZOK Ulm mitbetreut.
4. Auch bei der VVN Baden-Württemberg, Geschäftsstelle Stuttgart, kann sich eine Anfrage lohnen. Auch die haben Daten zu ehemaligen Verfolgten des NS-Staats.
Dr. Steffen Seischab berät bei Interesse auch in Bezug auf die Recherche im Archiv, Mithilfe bei der Formulierung der Ergebnisse bzw. deren Zusammenstellung in einer vielleicht möglichen Publikation sowie im Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten. Bitte wenden Sie sich hierzu gerne an den Geschichts- und Kulturverein.
sonja.spohn@outlook.de