Wie geht es dem Einzelhandel in Malsch? Die MAZ sprach mit Wolfgang Elsässer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Malsch e.V. und Inhaber des Modegeschäfts s.Oliver Store Malsch.
MAZ: Herr Elsässer, der Einzelhandel hat es ja nicht gerade leicht. Internethandel als Konkurrenz, Supermärkte auf der grünen Wiese, hohe Mieten, fehlende Fachkräfte. Wie ist die Situation in Malsch?
Wolfgang Elsässer: Der Einzelhandel hat es im Moment tatsächlich sehr schwer. Es ist jetzt gerade wieder ein Bademodenhersteller in Deutschland insolvent gegangen. In dem Zusammenhang wurde auch die Konsumschwäche wieder angesprochen, die im deutschen Handel oder Einzelhandel im Moment herrscht. Und wir müssen das leider auch bestätigen: Die Leute machen sich unheimlich viele Gedanken um die Zukunft.
Dem Einzelhandel speziell in Malsch geht es nicht schlechter als dem Einzelhandel in der Republik. Ich würde sogar behaupten, dass es dem Einzelhandel in Malsch ein Stück weit besser geht. Wir haben keinen Leerstand in Malsch, in den einzig freien Laden ziehen wir bald mit unserem s.Oliver Store ein. Handwerksbetriebe, Bäckereien, Metzgereien haben es vielleicht noch ein bisschen schwerer, weil die davonlaufenden Mindestlöhne auch dazu beitragen.
MAZ: Findet man in Malsch alles, was man braucht?
Elsässer: Für den täglichen Bedarf finden Sie alles, was Sie brauchen. Wenn meine Mama aus einem 6.000-Einwohner-Ort aus Bayern zu uns kommt, ist sie hellauf begeistert, wie es in Malsch aussieht, was es in Malsch alles gibt und wie gut sich Malsch in den letzten 15 Jahren entwickelt hat.
MAZ: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Welches Geschäft oder was für eine Art von Restaurant würden Sie sich wünschen?
Elsässer: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir ein Schuhgeschäft wünschen. Weil Schuhe etwas sind, was wir für Herren, Damen und Kinder bräuchten und was die Leute einfach aus dem Ort zieht. Das heißt, wenn der Kunde, die Familie am Freitag oder am Samstag nach Ettlingen zum Einkaufen fährt oder nach Baden-Baden oder nach Karlsruhe, um Schuhgeschäfte zu besuchen, dann nehmen sie dort etwas aus der Apotheke mit, Mode aus dem Nachbargeschäft, und kaufen vielleicht noch beim Heimfahren in einem anderen Supermarkt, als dem, den sie sonst jede Woche besuchen. Die sind erstmal für diesen Einkauf weg.
Als Nächstes käme ein Kindergeschäft. Kinderkleidung und Kinderspielwaren sind jetzt natürlich auch gerade vor Weihnachten wieder sehr begehrt.
MAZ: Was gibt es derzeit von Malscher Geschäftsleuten, also von allen Branchen, an Initiativen, um Leute hier als Kundschaft im Ort zu halten?
Elsässer: Wir haben verschiedene Veranstaltungen. Dazu gehören ein Nightshopping, verkaufsoffene Sonntage, die jetzt ab Dezember anstehenden Weihnachtsdonnerstage am 4., 11. und 18. von 17 bis 22 Uhr direkt hier auf der Hauptstraße.
Der Weihnachtsmarkt wird von uns organisiert und zu 80, 85 Prozent von den Malscher Vereinen beschickt. Das ist ein bisschen ein Alleinstellungsmerkmal für den Weihnachtsmarkt, und auch, dass er wirklich dreimal auf- und abgebaut wird, weil er eben nur Donnerstagsabend stattfindet. Sprich, die Straße muss am nächsten Tag wieder frei sein.
Und wir haben einen wahnsinnig gut funktionierenden Gemeinschaftsgutschein, der bei fast allen Mitgliedern erworben und eingelöst werden kann. Man kann bei mir einen Gutschein kaufen, oder beim Nachbargeschäft oder in Restaurants, die uns angeschlossen sind. Wenn ich abends um 19 Uhr zu einer Geburtstagsfeier fahre und kein Geschenk habe, kann ich immer noch im Restaurant vorbeifahren und den Gemeinschaftsgutschein kaufen und habe ein Mitbringsel. Wir haben von diesem Gutschein mittlerweile in den letzten 20 Jahren über 35.000 Stück verkauft. Da sind wir sehr, sehr stolz drauf.
Und das bindet natürlich auch und hält die Leute teilweise zum Sammeln an. Es gibt auch Kunden, die diese Gutscheine sammeln, um dann zum Beispiel ein E-Bike zu kaufen oder anzubezahlen.
MAZ: Sie betreiben den s.Oliver Store, haben darum gekämpft, hier in Malsch bleiben zu können. Dabei kriegt man alles, sogar Lebensmittel, inzwischen ja online. Warum ist es so wichtig, hier vor Ort zu kaufen? Was wünschen Sie sich da von Ihren Kunden?
Elsässer: Also zum einen hat sich der Vor-Ort-Kontakt mit unseren Kunden nach Corona deutlich intensiviert. Das ist wirklich etwas, was wir nach dieser sehr schwierigen und schlimmen Zeit für uns alle sagen können – dass wir mit unseren Kunden über und nach Corona deutlich intensiver zusammengewachsen sind. Dafür bin ich sehr dankbar.
Ich glaube schon, dass es gerade Dinge wie frische Sachen sind, Bäckereiprodukte, Metzgereiprodukte, aber dazu zähle ich auch Mode und auch die Tagespresse – dass das Dinge sind, die man gerne vor Ort wahrnimmt, die man auch anfasst, die man riecht. Und das kann mir ein Internet nicht bieten, das kann mir nur der Einkauf vor Ort bieten.
MAZ: Herr Elsässer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Die Fragen stellte Martina Frietsch.


