
Ihnen gemein ist die Herkunft aus dem Banat, ein Gebiet zwischen Rumänien und Serbien. Die Biografien der Protagonistinnen verbindet Angst, Schmerz und Schönheit.
Es ist der erste Roman der Schriftstellerin, die mit ihrem Mann und zwei Kindern in Eislingen lebt. „Es waren Themen, die mich interessiert haben“, sagt Betty Boras während eines Gesprächs in einem Eislinger Café.
Viele Themen der Zeitgeschichte geschickt miteinander verwoben
Es sind tiefgründige Fragen, welche die zweifache Mutter in ihrem intensiven und aufwühlenden Debütroman aufgreift. Die Biografien der beiden Hauptfiguren Vio und Theresia sind über Jahrhunderte hinweg miteinander verwoben. Herkunft, Familie und der den Wunsch, ein eigenes, freies Leben zu führen, verbindet sie. Es geht aber auch um Schönheit, Migration, Herkunft und Mutterschaft.
Ihre Liebe zur Literatur hat die Autorin bereits in jungen Jahren entdeckt. Als Kind sei sie mit ihren Eltern, kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, von Rumänien in den Landkreis Göppingen gezogen. Verwandte hätten bereits in der Gegend gelebt, sodass sich die Eltern für diese Region entschieden hatten. Der Vater fand Arbeit, die Familie fasste Fuß. Im Jugendalter folgte der Umzug nach Eislingen.
Wie bei vielen Familien, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, war das Geld während der ersten Jahre knapp, erinnert sich Boras. Das Verreisen, von dem Schulkameraden nach den Ferien oft erzählten, sei erst einmal nicht möglich gewesen. Sie habe dann Bücher als eine Möglichkeit entdeckt, an andere Orte zu reisen. „Das fand ich schon immer toll“, erinnert sie sich. Und das Lesen sei ja eine vergleichsweise günstige Form des Reisens, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Es war aber noch mehr, dass die Bücher dem Mädchen von damals gaben. Die Literatur sei auch ein Rückzugsort, ein Ort der Freude und der Zugehörigkeit gewesen. Die Familie habe zwar schon immer deutsch gesprochen, allerdings mit einem anderen Dialekt als die Kinder in der Schule in Deutschland. „Man hat sich fremd gefühlt“, erinnert sie sich an die erste Zeit in der neuen Heimat. „Ich musste meinen Platz finden, dabei haben mir Bücher geholfen“, sagt Boras heute. Die Parallelen zum Buch, zu den Protagonisten Vio und Theresia, sind kein Zufall.
Eigene Erfahrungen verarbeitet
Mit dem Hanserblau Literaturverlag erscheint ihr erster Roman in einem angesehenen Haus. Über eine Agentur habe der Roman den Weg zum Verlag gefunden, berichtet Boras. Sowohl die Agentur als auch der Verlag hatten rasch Interesse an dem Werk. Danach ging es Schlag auf Schlag. Im vergangenen Dezember hatte sie schließlich das erste gedruckte Exemplar ihres eigenen Buches in Händen. „Das war ein toller Moment“, freut sie sich.
Für Betty Boras, die als Lehrerin an einem Gymnasium in Schwäbisch Gmünd Deutsch und Spanisch unterrichtet, kommen in den nächsten Monaten viele Termine zu. Im März steht beispielsweise der Besuch der Buchmesse in Leipzig an. Und erste Interviews zu ihrem Debüt habe sie auch bereits gegeben, beispielsweise bei „Frau im Leben“ oder der Stuttgarter Zeitung. „Das ist total neu für mich. Ich bin immer wahnsinnig aufgeregt, es ist ein Abenteuer“, sagt sie.
Erfolgreich auf Instagram
So ganz unbekannt ist ihr die Öffentlichkeit allerdings nicht. Seit einigen Jahren hat Betty Boras ihre Leidenschaft für Literatur auf Instagram (mehr als 3000 Follower) geteilt und erfolgreich Rezensionen und Buchtipps veröffentlicht. Darüber waren die ersten Kontakte in die Welt der Agenturen und Verlage bereits geknüpft.
Das Buch ist ab 17. Februar im Handel erhältlich. Neben dem Buch wird auch ein Hörbuch erscheinen. Ideen für ein weiteres Buch gebe es bereits, verrät Boras. „Ich würde gerne weiter schreiben“, sagt sie. Es soll ein Generationen-Roman werden, in welchem erneut Frauen eine wichtige Rolle spielen sollen. bra