Schon lange war Weingarten nicht mehr so politisiert wie in den ersten Wochen des Jahres 2026. Eine Vielzahl an Plakaten „dekorierte“ den Ort. Briefkästen quollen vor Wahlwerbung über, und die Bürgersteige im Zentrum wurden besonders an den Samstagen zu einem Ort der Debatte und des Austauschs. Wer wird Bürgermeister? Kommen die Windräder?
Diese Fragen wurden in vielen Familien und Freundeskreisen intensiv diskutiert, dabei geriet die nicht minder wichtige Landtagswahl zeitweise sogar etwas in den Hintergrund.
Die für die Gemeinde sicher wichtigste Entscheidung fiel rund um das Bürgermeisteramt. Amtsinhaber Eric Bänziger setzte sich im Duell mit seinem Herausforderer Gerhard Fritscher durch und wurde für eine dritte Amtszeit wiedergewählt. Mit 60,9 % der Stimmen lag er vor Fritscher (38,5 %). Die Wahlbeteiligung erreichte hier einen hohen Wert von 71,8 %.
Bänziger zeigte sich nach dem Wahlergebnis zufrieden und erleichtert. Ihm sei ein Stein vom Herzen gefallen, vor allem, weil es dann am Ende doch „ein deutlicher Abstand zwischen beiden Bewerbern“ war, erklärt Bänziger am Tag nach der Wahl.
Trotz einer gewissen Anspannung war der parteilose Amtsinhaber zuversichtlich, dass es für eine Wiederwahl reichen würde: „Ich war mir schon relativ sicher, dass das funktioniert.“ Dies führt er vor allem auf den Amtsinhaberbonus zurück, wodurch er eine entsprechende Bekanntheit habe, merkt aber auch an: „Natürlich ist Herr Fritscher mit seiner langjährigen Gemeinderatstätigkeit ebenso gut bekannt im Ort. Aber ich denke, 16 Jahre gute Arbeit sind dann doch bei den Menschen angekommen.“
Erleichtert ist er, dass es jetzt wieder zur Alltagsarbeit zurückgeht. „Wir alle sind froh, dass die Wahl vorbei ist und vor allem, dass der Bürgerentscheid vorbei ist und wir jetzt wieder zur Sachpolitik zurückkehren können.“
Zeit zum Verschnaufen nach dem Wahlkampf ist jedenfalls nicht. Für den Amtsinhaber geht es gleich am Tag nach der Wahl wieder zurück an den Schreibtisch im Rathaus. Das erste Thema, was er direkt angehen will, ist das geplante Ärztehaus. „Wir nehmen jetzt die Kontakte zu den Ärzten und künftigen Mietern auf. Wir haben das Ärztehaus weitestgehend voll besetzt und damit können wir dann in den Projektstart gehen.“
Eine weitere, im Vorfeld viel polarisierende, Entscheidung fiel zum Thema Windkraft. Beim Bürgerentscheid ging es darum, ob die Gemeinde gemeindeeigene Flächen für Windkraft auf dem Hinteren Heuberg verpachten darf. 57,4 Prozent der Bürger sprachen sich am Ende für eine Verpachtung aus. 42, 6 Prozent stimmten dagegen. Die Wahlbeteiligung lag hier bei 71, 9 Prozent.
Es handelt sich zwar um ein einigermaßen klares Votum, dennoch zeigt das Ergebnis auch die Spaltung der Bürger bei diesem Thema. Denn in den vergangenen Wochen haben gerade der Bürgerentscheid bzw. die hitzige Debatte rund m das Thema Windkraft – wie Bänziger bereits im Vorfeld der Wahl gegenüber der Redaktion im Interview äußerte – viele anderen Themen in den Hintergrund gedrängt und überschattet. Man darf also gespannt sein, ob sich die Debatte nun beruhigt oder das Thema dennoch weiter hitzig diskutiert wird.
Bänziger jedenfalls zeigt sich zuversichtlich, dass das Ergebnis nun auch von allen Seiten akzeptiert wird: „Ich hoffe und ich glaube fest daran, dass wir jetzt in diesem Thema Befriedung innerhalb unserer Gemeinde bekommen werden und wir damit zu anderen Sachthemen zurückkehren können, vor allem nach diesem eindeutigen Votum. Denn es ging am Ende nicht nur um ein paar Stimmen hin oder her, sondern es war ein eindeutiges Votum.“ (haf/gö)
