
Mit 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es ab dem Westbahnhof zu teils nicht so bekannten Highlights der Weststadt. Über den Gustav-Werner-Platz mit seiner sozialpolitischen Bedeutung zunächst zur Stadthalle, dann vorbei an den Schulen zum Tonne-Gebäude, Volkspark und Pomologie mit der Frankonenkeller-Historie hinunter zum Echaz-Uferpfad, zur Oberen Wässere, durch die Markthalle zum Achalmbad, dessen Bau 1928 das Ende des Kelternareals bedeutete. Weinbau hatte davor noch eine Bedeutung in der Stadt gehabt. (Die beeindruckende Zunftstube der Weingärtner schauten wir uns später noch im Heimatmuseum an – die Vorfahren unseres Wanderfreundes Herbert Benz sind dort namentlich erwähnt.) Doch zunächst klapperten wir die Engste Straße der Welt, die Speuerhofstraße, ab. Wer einen größeren Durchmesser als 31 cm hat, passt nicht hindurch.
Die Staufer-Stele, den Zwinger mit Kesselturm, die Jos-Weiß-Straße mit ihren bezaubernden Stadtmauerhäuschen und dem Eisturm, die Rokenstraße (Bettelmanns Umkehr) und den Lindenbrunnen mit seiner grusligen Gerichtsvergangenheit nahmen wir mit deren historischen Bedeutungen ins Visier. Die gotische Frauencapelle, heute Marienkirche, mit ihrem goldenen Engel on top und dem Kaiser Friederich II-Brunnen nebst der Weibermarkt-Geschichte waren einen Stopp wert. Den Nachbau des Sturmbocks aus Zeiten ohne Schießpulver kann man vom Weibermarkt aus betrachten. Einmal umgedreht, geht es in die Oberamteistraße hinein, und hier gleich zum Brunnen, der Zünftebrunnen von 1983. Gegenüber, am Reformhaus, das Sgraffito (Kunst in Putz gekratzt) der Frauenberufe, denn in Reutlingen gab es schon früh engagierte Frauen, die in Berufen und der Politik erfolgreich waren. Friedrich-List-Gymnasium, einst mittelalterliches Barfüßer-Kloster mit vielen Weiterverwendungen, das Mathäus-Alber-Haus mit seinem Bauernkrieg-Mosaikbildnis an der Außenwand, die Freimaurerloge, gegenüber das neue Glashaus, das Marchtaler Hof-Areal, Geschichte und Garten des Heimatmuseums mit seinem Lapidarium für Steindenkmale, die Holocaust-Mahntafel an der Mauer, das Spendhaus mit seinen vielfältigen Verwendungen über die Jahrhunderte, und die Gudrun Krüger-Skulptur vor der Bücherei waren der Schluss unserer Besichtigung – die Zeit war schlicht und einfach ausgegangen.
Es waren noch einige Stationen vorgesehen, aber das holen wir 2027 nach.
Dann kehrten wir im Restaurant „Fachwerk“ neben dem Tübinger Tor ein und stärkten uns mit Leckereien für den schwierigsten Part des Tages: bei Regen 40 Minuten auf den Zug zu warten.
Es war schön, mit so vielen Albvereinsfreunden unterwegs zu sein, die sich auf Reutlingen und seine Geschichten eingelassen haben.
Bericht BK