Anfang Mai waren erwartungsgemäß bereits die ersten Rehkitze des Jahres in unseren Wiesen zu finden. Ende Mai bis Anfang Juni werden die meisten Kitze geboren und vereinzelte Nachzügler können noch bis Ende Juli gesetzt werden.
In der Regel setzen Rehgeißen zwei Kitze, vorzugsweise in die ab Mai bis zur Mahd hochstehenden Wiesen. Die Geiß legt ihre Kitze mit gewissem Abstand in der Wiese ab, beobachtet den Platz aus sicherer Entfernung und sucht ihren Nachwuchs 6- bis 10-mal in 24 Stunden zum Säugen auf. Bei drohender Gefahr für ihre Kitze macht sie auf sich selbst aufmerksam und versucht, die Bedrohung auf sich zu lenken. Hunde können dabei eine besondere Gefährdung für das Muttertier bedeuten, insbesondere wenn die Flucht in bewegliche Schafszäune, feste Zäune oder auf befahrene Straßen führt. Bei Verlust der Geiß haben die Kitze keine Überlebenschance.
Die Kitze selbst sind lediglich durch ihre Tarnung im hohen Gras und das anfängliche Fehlen von Eigengeruch vor Prädation durch insbesondere Füchse geschützt. In den ersten 2 bis 3 Lebenswochen flüchten die Rehkitze bei herannahender Gefahr nicht, sondern drücken sich nur in ihr Lager. Dieses Verhalten kann ihnen leider bei der maschinellen Grasernte schnell zum Verhängnis werden. Daher gilt es, unmittelbar vor Mäharbeiten die betreffenden Flächen abzusuchen und die Rehkitze umzusetzen oder bis zum Abschluss des Mähens zu fixieren. Das Fixieren in geeigneten Boxen sollte so kurzzeitig wie möglich und nicht länger als zwei Stunden andauern.
In Nabern besteht eine sehr gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Jägern bei der Kitzrettung. Seit leistungsfähige Drohnen mit Wärmebildtechnik eingesetzt werden, ist die Kitzrettung sehr effektiv und es sind nur noch vereinzelte, fast unvermeidbare Verluste zu beklagen. Der Aufwand ist für alle Beteiligten nicht unbeträchtlich und funktioniert nur bei guter Koordinierung im engen Austausch. Am Ende der Heuernte sind immer alle froh, wenn sich der Aufwand gelohnt hat und keine Verluste passiert sind.
Hundehalter müssen wissen, dass die heranwachsenden Kitze bis August keine Chance gegenüber einem hetzenden Hund haben. Daher gilt es, in der Setz- und Aufzuchtzeit Hunde auf den Wegen und im unmittelbaren Einwirkungsbereich zu halten.
Euer Team Natürlich Nabern

