Liebe Erstwählerinnen und Erstwähler,
am 8. März 2026 macht ihr Geschichte: Zum ersten Mal dürft ihr in Baden-Württemberg schon mit 16 Jahren bei der Landtagswahl mitentscheiden. Das ist kein Zufall – sondern die Anerkennung, dass es vor allem um eure Zukunft geht. Um das Klima, das ihr erben werdet. Um die Bildung, die euch prägt. Um die Wirtschaft, in der ihr arbeiten werdet.
Vielleicht denkt ihr: „Die machen eh, was sie wollen.“ Aber genau das Gegenteil ist wahr. Politikerinnen und Politiker richten sich nach denen, die wählen. Bleibt ihr zuhause, werden eure Interessen überhört. Geht ihr hin, werden 650.000 junge Stimmen in Baden-Württemberg zum Machtfaktor.
In euren Social-Media-Feeds werdet ihr Parteien begegnen, die alles ganz einfach machen wollen. Die sagen: „Das Problem sind die Flüchtlinge“ oder „Der Markt regelt alles“ oder „Wir brauchen die Revolution“. Sie bieten euch klare Feindbilder und einfache Lösungen.
Aber komplexe Probleme haben keine einfachen Lösungen.
Das 20. Jahrhundert hat gezeigt, was passiert, wenn Extreme an die Macht kommen. Ob von links oder rechts – wer behauptet, nur ein Prinzip radikal durchzusetzen bringe das Paradies, schafft am Ende Unfreiheit und Leid.
Wir brauchen beides: Freiheit und Regeln. Markt und sozialen Ausgleich. Innovation und Klimaschutz. Individuum und Gemeinschaft. Das ist kein Widerspruch, sondern Vernunft. Die politische Mitte – die Parteien, die manche als „Altparteien“ diffamieren – haben aus den Katastrophen gelernt. Sie haben das System geschaffen, das Deutschland zu einem der wohlhabendsten, freiesten und sozialsten Länder der Welt gemacht hat.
Extremisten attackieren demokratische Parteien nicht, weil diese versagt hätten – sondern weil deren Bereitschaft zum Kompromiss dem absoluten Denken unerträglich ist. Für jemanden, der glaubt, die eine Wahrheit zu besitzen, ist jeder Kompromiss Verrat. Aber Politik ist die Kunst, verschiedene berechtigte Interessen auszubalancieren.
Ihr habt das Recht, wütend zu sein über ungelöste Probleme. Aber Wut ist ein schlechter Ratgeber. Fragt euch bei jeder Partei: Bietet sie konkrete Lösungen oder nur Sündenböcke? Spricht sie über Sachfragen oder nur über Feinde? Will sie gestalten oder nur zerstören?
Am 8. März habt ihr die Wahl. Niemand kann euch vorschreiben, wen ihr wählen sollt. Aber geht hin! Informiert euch! Und wählt Parteien, die die Komplexität der Welt anerkennen, statt sie zu leugnen. Die unterschiedlichen Menschen zusammenbringen, statt spalten. Die Zukunft gestalten, statt Vergangenheit beschwören. (SJ)