Anlässlich der 20. Europäischen Impfwoche informieren die Kommunale Gesundheitskonferenz und das Gesundheitsamt des Neckar-Odenwald-Kreises über die aktuelle Situation im Landkreis. Ziel der Initiative ist es, die Impfquoten in der Bevölkerung zu erhöhen und damit Krankheitsausbrüche kurz- sowie langfristig zu verhindern. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Kindes- und Jugendalter, in dem wichtige Schutzimpfungen anstehen.
Unter dem Motto „Impfstoffe wirken für jede Generation“ appelliert Dr. Achim Brötel, Landrat und Vorsitzender der Kommunalen Gesundheitskonferenz, an die Bevölkerung, die Impfangebote zu nutzen. Oftmals werde das Thema primär mit Säuglingen, älteren Personen oder Reiseimpfungen verbunden, wodurch Heranwachsende zu wenig beachtet werden.
Ein Beispiel für eine relevante Prävention ist die Impfung gegen das Humane Papillomvirus (HPV). Dieser Erreger kann je nach Typ zu Warzen oder verschiedenen Krebsarten führen. Gegen mehrere Varianten stehen geprüfte Impfstoffe zur Verfügung, welche die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt. Laut Angaben der Behörde lassen sich dadurch rund 94 Prozent der durch HPV verursachten Gebärmutterhalskrebsfälle verhindern.
Stephanie Keller, Fachärztin für Öffentliches Gesundheitswesen sowie Leiterin des Gesundheitsamts, warnt vor Nachlässigkeit: „Trotz dieser eindrucksvollen Wirkung sind die Impfzahlen im Neckar-Odenwald-Kreis immer noch verhältnismäßig gering“, berichtet die Medizinerin. Die Quote im Landkreis lag im vergangenen Jahr bei etwa 48 Prozent unter den 15-jährigen Mädchen und bei Jungen bei lediglich 35 Prozent. Die Europäische Kommission strebt mit einem Plan zur Krebsbekämpfung bis zum Jahr 2030 eine Abdeckung von 90 Prozent bei weiblichen Jugendlichen sowie eine deutliche Steigerung bei männlichen Heranwachsenden an.
Die Ständige Impfkommission rät seit diesem Jahr allen Kindern und Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren unabhängig von bereits erfolgten Behandlungen zu einer Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W sowie Y. Diese Bakterien siedeln sich im Nasen-Rachen-Raum an. Sie können primär zu einer Entzündung der Hirnhäute oder zu einer bakteriellen Blutvergiftung führen.
Mit dem Frühling steigt gleichzeitig die Gefahr eines Zeckenstichs und damit der Übertragung der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Der Neckar-Odenwald-Kreis zählt zu den Risikogebieten – deshalb wird eine Impfung zur Prävention bereits ab einem Alter von einem Jahr empfohlen, wobei regelmäßige Auffrischungen erforderlich sind.
Zur Orientierung bietet die Internetseite www.mach-den-impfcheck.de eine Hilfe, auf der Personen zwischen neun und 18 Jahren ihren persönlichen Status schnell eigenständig überprüfen können. Eine gute Übersicht liefert zudem die Internetpräsenz www.impfen-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Dort finden sich in einer Mediathek die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in einem Kalender dargestellt. Die digitalen Angebote ersetzen jedoch keine individuelle ärztliche Beratung. Für Fragen stehen Haus- und Fachärzte sowie das Gesundheitsamt unter der Rufnummer 06261/842446 zur Verfügung. (lra/red)