Zunächst informierte Wolf-Dieter Riexinger die mehr als 30 Exkursionsteilnehmer über den geologischen Aufbau des Neckartals rund um den Michaelsberg, wo im Bereich des Hudewaldes die Muschelkalkschicht von Lettenkeuper überdeckt wird. Ohne menschlichen Eingriff würden auf dem Michaelsberg, wie in weiten Teilen Deutschlands, dichte Buchenwälder wachsen. Dies zeigte Wolf-Dieter Riexinger den Exkursionsteilnehmern anhand der natürlichen Waldverjüngung. Unter dem dichten Laubdach am Westhang des Michaelsbergs wachsen Buchenschösslinge sowie typische Pflanzen der Buchentrockenwälder, wie Lungenkraut, Goldnessel, Waldmeister und Weißes Waldvögelein. Die mehrjährigen Buchenschösslinge haben bei der Entstehung von natürlichen Lichtungen, beispielsweise durch Sturmschäden, bessere Startbedingungen als andere Baumarten, die für ihr Wachstum mehr Licht benötigen.
Im Gegensatz zum natürlichen Buchenwald sind Hudewälder lichte, meist von Eichen dominierte Wälder, in denen früher das Vieh weidete. Gleichzeitig diente der Wald auch zur Versorgung der Bevölkerung mit Brenn- und Bauholz und lieferte mit seinem Herbstlaub die Einstreu für Viehställe. All diese Waldnutzungsformen führten zu einem ständigen Nährstoffentzug, wodurch der Wald „heruntergewirtschaftet“ wurde. Mit der industriellen Revolution und dem Einsatz von Steinkohle wurden Waldweide sowie die anderen traditionellen Waldnutzungsformen ersetzt durch Stallhaltung und geregelte Forstwirtschaft.
Weil die Waldweide mit Rindern, Schweinen, Schafen oder Ziegen heute kaum noch praktiziert wird, ist dieser früher weitverbreitete Waldtyp selten geworden. Eine regionale Ausnahme bildet der nördlich des Michaelsberges gelegene Hudewald, der bis heute als Weide für Angusrinder genutzt wird. Zu den typischen Pflanzen in Hudewäldern zählen Flügelginster, Heidekraut und die Weiße Hainsimse. Wegen ihrer Bedeutung als Biotop und Zeugnis historischer Waldnutzungsformen sind die wenigen noch verbliebenen Hudewälder nach dem Landeswaldgesetz geschützt.
Die NABU-Gruppe Bad Friedrichshall und Umgebung e.V. sowie das WaldNetzWerk e.V. bedanken sich ganz herzlich beim Referenten Wolf-Dieter Riexinger für seine fundierten und abwechslungsreichen Ausführungen sowie bei den zahlreichen interessierten Teilnehmern.
Michael Weckbach

