
Gaby Strittmatter-Seitz für das Aktionsbündnis für Demokratie und Menschenrechte Ebersbach
Würden die Kandidierenden so kurz vor der Wahl trotz ihres sicherlich großen Termindrucks wohl mitmachen? Würden sich genügend interessierte Bürger/-innen finden, um die Idee nicht als gescheitert abzuhaken?
Bange Fragen, die wir uns bei der Organisation unseres politischen Speed-Datings stellten; Fragen, auf die es keine Antworten gab, weil unsere Idee neu und noch nie in diesem Format durchgeführt worden war.
B. Tekdal, der umtriebige Hausherr, organisierte 6 Stehtischchen, platzierte sie, liebevoll mit Süßigkeiten dekoriert, in verschiedene Ecken seiner Werkstatt, kochte Linsensuppe für die Wartenden, besorgte Getränke und belegte Brötchen für alle. Was fehlte noch zum Speed? Natürlich ein Glöckchen und eine große Stoppuhr. Derart ausgerüstet warteten wir gespannt, ob sich die Türe öffnen würde.
Und sie kamen!
Innerhalb kurzer Zeit füllte sich der Raum mit neugierigen, engagiert diskutierenden Menschen, die unsere Kandidierenden in die Mangel nahmen. An dieser Stelle sei jenen noch einmal herzlich dafür gedankt, mussten sie doch anders als gewohnt in kurzer Zeit sehr viele persönliche Anliegen kommentieren.
Zur Auflockerung gaben wir eine Frage an alle vor: Warum kandidiere gerade ich? Danach konnten eigene gestellt werden, wovon reichlich Gebrauch gemacht wurde.
Natürlich wollten wir von allen Beteiligten auch noch ein Fazit haben und befragten sie im Anschluss nach ihren Eindrücken:
– Die Menschen haben gute Ideen für unsere Stadt und das Land, ich hoffe, der oder die Beste gewinnt. Wer das ist, weiß ich nicht, aber ich konnte meine Probleme erzählen und bekam Tipps, es war für mich eine spannende Reise. Tolle Gelegenheit, vielen Dank!
– Es war eine sehr interessante Sache, ich konnte mich mit allen unterhalten. Ein Problem war die Zeit, man hat sich gerade ein bißchen warmgeredet, dann war es schon wieder vorbei. Da ich politisch aktiv bin, kenne ich die anderen Kandidaten schon, es war trotzdem sehr interessant, mal mit allen persönlich ins Gespräch zu kommen. Tolle Idee!
– Ich habe viel Neues erfahren, habe Kandidaten kennengelernt, die mir vorher gar nichts gesagt haben. Die Zeit empfand ich als zu kurz, aber natürlich muss es auch praktikabel sein.
– Format war toll, leider die Zeit viel zu kurz, ich hatte zwei Fragen, die mich persönlich betreffen und wollte politische Antworten, dafür hat die Zeit nicht gereicht.
Ich habe dann schon den zweiten Kandidaten gebeten, seine Antwort mit in seine Vorstellung einfließen zu lassen, um Zeit zu sparen. Ich hoffe, der eine oder andere hat meine Fragen mitgenommen.
– Super Idee, noch nie mitgemacht sowas. Die Geschwindigkeit fand ich okay, denn dadurch ist man gezwungen, sich kurz zu fassen und schnell auf den Punkt zu kommen. Wäre toll, wenn sowas öfter gemacht würde.
– Ich finde es gut, mal mit den Kandidaten im persönlichen Austausch zu stehen. Man sieht die Leute in den Broschüren oder auf den Plakaten, aber den Menschen dahinter kennt man nicht und hier konnte man direkt mit ihm reden. Ich freue mich schon auf eine nächste Veranstaltung. Ein paar Minuten mehr hätte ich besser gefunden, damit man mehr ins Detail gehen könnte.
– Sehr gute Idee! Ich konnte mit allen kurz und knapp reden, das hat mir gut gefallen.
Das Schönste dabei war eigentlich, die Zuversicht und den Blick nach vorne von allen zu spüren und dies vermittelt zu bekommen.
Frau Schweizer: Es hat mir sehr viel Freude gemacht. Ich mache Politik mit und für die Menschen, deshalb fand ich es gut, dass man auch mal ein paar Minuten ungestört ins persönliche Gespräch kommen konnte. Die Zeit war für mich okay, weil man sich ja sonst gerne ins Detail verbeißt, aber hier gezwungen war, sich zu disziplinieren und die Fragen und Antworten kurz zu halten.
Frau Bürger: Ich fand es eine super Veranstaltung. Es hat großen Spaß gemacht, sich mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu unterhalten und es hat mir einen tollen Einblick gegeben.
Frau Dr. Ott: Es war eine hervorragende Veranstaltung. Man kommt mit ganz unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Was es für mich wertvoll gemacht hat, war, zu hören, was sie umtreibt. Es ist einfach was anderes als ein Wahlprogramm zu lesen, indem es darum geht, was mir wichtig ist, denn am Ende geht es doch nicht um mich, sondern um die Menschen.
Herr Sevik: Ich hatte viele spannende und wirklich angenehme Gespräche mit ganz unterschiedlichen Menschen. Der direkte Austausch hat mir wieder gezeigt, wie wichtig solche Begegnungen fernab von Social media sind. Persönlich, offen und auf Augenhöhe. Die Atmosphäre war positiv und es ist schön zu sehen, wie groß das Interesse an politischen Themen ist. Gerade für uns als junge Partei war es besonders wertvoll, uns vorzustellen und mit den Bürger/-innen ins Gespräch zu kommen. Das wissen wir wirklich zu schätzen. Vielen Dank für die tolle Organisation dieser gelungenen Veranstaltung.
Frau Hartmann: Mir hat es gut gefallen, es war eine sinnvolle Veranstaltung, und es herrschte eine angenehme Gesprächsatmosphäre. Im Gegensatz zu einer großen Diskussionsrunde konnten die Leute genau das fragen, das sie interessiert, auch die zeitliche Begrenzung fand ich gut, obwohl manchmal ein paar Minuten mehr auch nicht schlecht gewesen wären. Ich würde auf jeden Fall zu einer neuerlichen Runde gerne wiederkommen.
Herr Körber: Ich wünschte mir, dass solche Veranstaltungen viel öfter stattfinden würden. Man ist nahe am Menschen dran, kann ganz anders reden und auch seine Einstellungen anders rüberbringen ohne jemanden beeinflussen zu müssen. Klasse! Macht weiter so!
Beide Seiten waren also zufrieden, auch der Hausherr, der mit fünf Litern Linsensuppe in sein Wochenende zog.
Damit können wir unser Experiment wohl als gelungen betrachten. Als Ergebnis nehmen wir mit, dass sich alle sehr gerne auf diesen offenen Austausch eingelassen haben und das Konzept auch der großen Politik guttäte. Mehr mit, statt über Menschen zu reden, schafft eine ganz andere Atmosphäre, vor allem, wenn man feststellt, dass man eigentlich in dieselbe Richtung will. Vielleicht mit unterschiedlichen Mitteln, aber doch an ein gemeinsames Ziel.