Sie kümmern sich um Fragen und Bedürfnisse der Weingartener Senioren und geben ihnen in der Gemeinde eine Stimme: die Frauen und Männer des Ortsseniorenrats.
Wenn der Ortsseniorenrat einmal im Monat seinen Fahrkartenverkauf anbietet, ist im Familienzentrum Allerdings einiges los: Dann kaufen die Menschen nicht nur Einzelfahrscheine und Tageskarten für den KVV. Bei der Gelegenheit erzählen sie auch, wie es in ihrem Alltag geht. Die Seniorinnen und Senioren sind froh über das Angebot, denn viele von ihnen sind auf die undatierten Fahrscheine angewiesen. Doch es geht um mehr als Mobilität, erzählt der Vorsitzende Fritz Liebersbach. Einen Satz hört er oft: „Wenn Sie das machen, dann merken wir, wir sind nicht vergessen.“
Durch die Digitalisierung abgehängt
Die Angst vergessen oder „abgehängt“ zu werden, ist für viele Weingartner Seniorinnen und Senioren im Alltag ganz real. Die Digitalisierung, die für viele Jüngere eine Bereicherung ist, stellt für andere eine unüberwindliche Hürde dar. Einschneidend war die ersatzlose Streichung der Viererkarten beim KVV. Aber auch die Bahncard und das Deutschland-Ticket gibt es nur digital. Wer kein Mobil-Telefon hat, ist von diesen Fahrkarten ausgeschlossen – auch diejenigen, die noch ziemlich unternehmungslustig sind und gerne mobil wären. Doch nicht alle können sich ein Smartphone leisten oder bedienen, zum Beispiel wegen Bewegungseinschränkungen der Hände. Manchmal sei es schon hilfreich, wenn es Hinweise gebe, dass es Formulare in Papierform oder persönliche Hilfe gebe, so Liebersbach, zum Beispiel bei der Bank oder beim Finanzamt, Stichwort Grundsteuerreform.
Informationsveranstaltungen zu Alltagsthemen
Beim Thema Mobilität hat der Ortsseniorenrat, auch in Zusammenarbeit mit dem Kreisseniorenrat schon Entscheidendes erreicht: Es gibt den Barverkauf von KVV-Tickets auf Vorrat und am Bahnhof gut lesbare Daueranzeigen, welcher Zug wo hält.
Für vieles Weitere bietet der Ortsseniorenrat Veranstaltungen an. So gab es bereits Informationen zur Rolle des Pflegestützpunkts, Tipps, um länger sicher zu Hause leben zu können, Tipps gegen Online-Betrug und mehr. Allerdings sind solche Termine eher weniger besucht. Einer der Gründe: Viele Menschen haben Angst, als „unwissend“ zu gelten. Im Sommer wird der Ortsseniorenrat zu den großen Themen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht informieren. Möglich macht dies das neue Mitglied des Ortsseniorenrats, Winfried Britsch, der sich mit den Themen gut auskennt. Mit den Infos sollen den Menschen die Angst genommen werden, sich damit zu befassen.
Themenabende zu Hobbys und Reisen beliebt
Sehr gefragt sind die Themenabende, die es in Weingarten seit acht Jahren gibt. Sie werden von Fritz Liebersbach, seiner Frau Annette und Gastreferenten organisiert. Das jüngste Thema, der Canyons und Cities im Südwesten der USA, ein Bildervortrag von Doris Heathman, war so beliebt, dass die Plätze im Familienzentrum trotz sehr sommerlicher Temperaturen alle belegt waren. Die Themenabende zu Reisen, zu Bienen, zum Thema Drechseln und mehr ergänzen die Liebersbachs mit thematisch passenden Häppchen-Buffets, damit die Leute nach dem Vortrag noch bleiben und miteinander ins Gespräch kommen.
Sprachrohr und Anlaufstelle der Senioren
Grundsätzlich ist der Ortsseniorenrat als Einrichtung der Gemeinde eine Anlaufstelle und Sprachrohr für die älteren Mitbürger – immerhin hat Weingarten rund 2300 Einwohnerinnen und Einwohner über 65 Jahre (Stand 2024). Und er soll bei Planungen der Gemeinde einbezogen werden, wenn sie ältere Menschen besonders betreffen. Das kann die Planung der fußläufigen Verbindungen angehen, die auch für Menschen mit Rollator, Gehhilfen und Rollstuhl nutzbar sein müssen. Oder Probleme wie das vieldiskutierte Gehwegparken. Und der Ortsseniorenrat hat den Überblick über die vielfältigen Angebote örtlicher Institutionen, die älteren Mitbürgern Teilhabe ermöglichen sollen.
Ganz neu: der Senioren-Sicherheitsberater
Bald soll Weingarten auch über einen Senioren-Sicherheitsberater verfügen. Dazu wurden für den Landkreis bereits 15 Personen geschult. Sie werden später ehrenamtlich in Orten des Landkreises bei unterschiedlichen Gelegenheiten über die wichtige Themen informieren: beispielsweise das große Problem Schockanrufe oder über Sicherheit im Straßenverkehr. Bereits im Juni bietet der Ortsseniorenrat mit dem MSC Weingarten zwei Sicherheitstrainings für E-Bike- und Pedelec-Fahrer an.
Kontakt: Fritz Liebersbach
Telefon 07244 4732
af-liebersbach@t-online.de
Termine:
Am zweiten Donnerstag im Monat im Familienzentrum Allerdings, Fahrkartenverkauf 10-11 Uhr; Spielenachmittag 15-18 Uhr



