
„Der Faschingsball ist die kleine Schwester der Weiberfastnacht.“ Das sagte die Organisatorin der TV-Faschingsveranstaltungen der vergangenen Jahre, Eva-Maria Lange. Das war vor sechs Jahren. Wer am Faschingssamstag in der prächtig dekorierten Vereinshalle zum Faschingsball kam, musste zugeben: Die „kleine Schwester“ ist erwachsen geworden. Die Gäste des närrischen Abends erlebten ein abwechslungsreiches und professionelles Programm.
Da der engagierte DJ, der bei der Weiberfastnacht noch die Halle zum Beben gebracht hatte, den Faschingsball nicht gestalten konnte, übernahm kurzerhand Moderator Fritz Fröhlich das Mischpult. Er schickte die Hits der letzten vier, fünf Jahrzehnte in den Saal. Die Musik aus der „Konserve“ nutzten die fröhlich gestimmten und fantasievoll gekleideten Frauen und Männer dann auch, um die Tanzfläche zu strapazieren. Was die Kostüme betrifft: Da wurden Cowgirls, Indianer, Wikinger erkannt und sogar ein Bestatter hatte sich mit Urne Eintritt verschafft. Ob mit Mönchskutte oder Gärtnerinnen, den Kostümträgern gingen keine Ideen aus. Selbst ein Sträfling, wahrscheinlich mit Freigang, hatte sich unter das närrische Publikum gemischt. Den Wettbewerb um das beste Kostüm entschied das ABBA-Outfit für sich, gefolgt von der Ahoj-Brause.
Den ersten Programmpunkt übernahm Grundschullehrerin Silke Vogel, die in ihrer Büttenrede auf ihren Beruf und die Qualität der Bildung in Deutschland in gereimter Form einging. So gestand sie, dass sie ihren Beruf „höchst motiviert“ antrat, obwohl das frühe Aufstehen nicht so ihr Ding sei. Kritisch betrachtete sie jedoch die Gegenwart mit dem Lehrermangel an Schulen, besonders im Zusammenhang mit der Inklusion und den großen Klassenstärken: „Dafür sollten die Politiker einen Blauen Brief erhalten.“ Die zunehmende Bürokratisierung, die Kinder, die in der 3. Klasse noch nicht richtig lesen können, und Eltern, die ihre Kinder mit dem SUV in die Schule fahren und „mir den Parkplatz blockieren“ – Grundschullehrerin ist heute kein Traumjob mehr, ist ihr Fazit. Und noch schlimmer ihre Erkenntnis: „Bildung in Deutschland geht vor die Hunde.“ Ein Überraschungsgast, nämlich der Träger des Ahoi-Brause-Kostüms, übernahm das Mikrofon für eine „unplanmäßige“ Büttenrede. Wie sich später herausstellte, war es der Sitzungspräsident aus Wiesenbach, den das Thema Ehe beschäftigte.
Für die Tanzeinlagen war die 1. Formation der Penguin Tappers zuständig, die wie gewohnt meisterlich auftrat. Zuvor betrat eine spontan zusammengestellte Hobby-Tanzgruppe, die sich die „Namenlosen“ nannte, die Fläche. Zum Hit „Macarena Dance“ waren sie den Profis ebenbürtig.
Der Ball des Hemsbacher Turnvereins war der Abschluss der Fastnachtsveranstaltungen in diesem Jahr. Organisator Jens Wiltz zeigte sich „rundum zufrieden“, die bunte Mischung aller Altersgruppen bei den Veranstaltungen sei Beweis, dass der TV Hemsbach mit seinem Angebot wieder einmal richtig gelegen habe. Positiv überrascht war Wiltz, dass sogar „Mehrfachbesucher“ bei den Veranstaltungen gesichtet wurden. Dass die „tollen Tage“ so gut über die Bühne gingen, dafür dankte Jens Wiltz den vielen Mitgliedern, wobei er besonders die Tanzabteilung als „Übermacht der Helferrinnen“ hervorhob. (bn)


