
Für die ehemalige Spöhrersche Handelsschule haben wir dies bereits vor zwei Jahren in einem Artikel getan. Diesmal soll es um die närrischen Aktivitäten des Calwer Liederkranzes im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert gehen.
Eine Straßenfastnacht, wie es sie heute insbesondere mit dem Nachtumzug gibt, existierte damals in Calw nicht. Manche Menschen gingen zwar verkleidet durch die Straßen, aber die Fastnachtsfeierlichkeiten waren eher Bälle oder Aufführungen, die in Sälen stattfanden. Diese Veranstaltungen wurden überwiegend von den Vereinen organisiert.
Laut einer Anzeige im Calwer Wochenblatt vom 28. Februar 1884 gab der Calwer Liederkranz eine eigene Fastnachtszeitung heraus, deren Exemplare am Fastnachtsabend zur Ausgabe kamen, aber auch bei Friseur Reinhardt zu haben waren. Am Samstag, 23. Februar 1895 fand um 19 Uhr das Fastnachtskränzchen des Vereins statt. Die Veranstaltung bestand wohl aus Aufführungen und Tanz. In der Einladungsanzeige vom selben Tag heißt es explizit: „Die jüngeren Mitglieder werden ersucht, sich zu maskieren.“ Ende Februar 1896 veranstaltete der Verein an zwei Abenden humoristische Fastnachtsaufführungen in Räumen des Badischen Hofs, dem Stammlokal des Vereins. Diese waren nach dem Bericht im Calwer Wochenblatt vom 20. Februar 1895 so gut besucht, dass die Räumlichkeiten kaum ausreichten.
Auch 1930 wurde am 1. März um 20 Uhr mit einer „humoristischen Abendveranstaltung“ unter dem Motto „Ein Strandfest am Bodensee“ Fastnacht gefeiert. Dargestellt wurde die Rückkehr des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ nach Friedrichshafen am Ende seiner vielbeachteten Weltumrundung 1929. Neben der Anzeige mit der Einladung aus dem Calwer Tagblatt vom 24. Februar 1930 liegt im Stadtarchiv auch ein Foto dieser Feier vor (siehe Abbildung, Signatur FS II 2985).